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Einer der ältesten Gruseleffekte ist ein Foto, auf welchem nach der Entwicklung plötzlich eine Gestalt im Hintergrund auftaucht, die zuvor definitiv nicht in der Nähe war. Regisseur Tate Bunker formte aus diesem Umstand einen abendfüllenden Mystery Streifen, der optisch eher überzeugt als auf inhaltlicher Ebene.

Der überarbeitete Koch Ben (Tim Higgins) zieht mit seiner Frau Lydia (Kara Mulrooney) von Chicago nach Wisconsin, wo sie eine alte, abgelegene Farm übernehmen. Zur Entspannung widmet sich Ben der Fotografie und entdeckt auf einigen Bildern rätselhafte Gestalten im Hintergrund. Die alte Nachbarin Edith (Veronica Cartwright), die in den 60ern spurlos verschwand und genauso überraschend wieder auftauchte, könnte mehr über die schattenhaften Figuren wissen…

Endlich mal kein Bilderbuchpaar mit nervigen Bilderbuchkindern, die bereits in den ersten Minuten von selbst rollenden Bällen nachjagen, um danach auffallend morbide Zeichnungen anzufertigen. Beide kommen ein wenig nerdy daher, was grundlegend sympathisch rüberkommt, zudem scheinen sie größtenteils planlos und ein wenig naiv zu handeln, allerdings auch im Umgang miteinander. Im Ort sind die Fremden hingegen weniger erwünscht, was der Sheriff (Mark Metcalf) bereits beim ersten flüchtigen Aufeinandertreffen mehr als deutlich macht.

Tate Bunker versteht es, der eigentlich schlichten Umgebung mit Feld, kleinem Windrad, Scheune und angrenzendem Hühnergehege einen leicht surrealen Touch zu verleihen, indem er mit diversen Farbfiltern dezent umzugehen weiß und die geisterhaften Erscheinungen angenehm zurückhaltend einbindet. Mit dem Fund eines Fotoalbums, welches eine dubiose Sekte bei noch zweifelhafteren Aktionen zeigt, wird hingegen eine teils unglaubwürdige, teils nie näher durchleuchtete Richtung vorgegeben, die mit den eigentlichen Geistertreiben wenig zu tun hat.

Entsprechend intensiviert Ben die Umstände seiner einst entspannenden Tätigkeit als er die ersten, geisterhaften Erscheinungen auf den Bildern erspäht und setzt dabei erweiterte Technik wie eine Hochgeschwindigkeitskamera ein, die sage und schreibe 1000 Bilder in der Sekunde liefert, einschließlich sich bewegender Gestalten. Später wird der technische Aufwand sogar noch gesteigert. Allerdings tritt die Erzählung oft zu lange auf der Stelle, redundante Befragungen verschlossener Dorfbewohner bringen genauso wenig wie ein Kaffeekränzchen mit der kaum in klaren Sätzen sprechenden Edith.

Anfangs gibt es noch einen Rückblick, später bleiben diese vollständig aus, wodurch der Hintergrund bis zuletzt eher spärlich bis nebulös bleibt. Einige Aspekte muss man schlicht hinnehmen, während der Ausgang zwar einigermaßen versöhnlich stimmt, doch gleichermaßen einige Fragen unbeantwortet lässt. Immerhin lassen die finalen Einstellungen ein wenig Raum für kleine Spekulationen.

Audiovisuell liefert Bunker, der neben dem Drehbuch auch die Kamera übernahm, ordentlichen Stoff ab und auch die Mimen um Nebendarsteller Barry Bostwick performen überwiegend passabel. Inhaltlich ist das alles ein wenig mau, es kommt nicht allzu viel Spannung auf, während Schockmomente oder Blutvergießen nahezu komplett ausbleiben.
Entsprechend stellen sich im Verlauf kleinere Längen ein, wirklich mitreißend gestaltet sich der Stoff nicht, Hobby-Fotografen könnten sich indes angesprochen fühlen.
Knapp
5 von 10

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