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Wenn sich Produzenten an der Neuauflage eines Horrorklassikers versuchen, wollen sie es natürlich möglichst jeder Altersgruppe gerecht machen. Jenen, die mit dem Original von 1974 aufgewachsen sind, denen, die sich durch zahlreiche Remakes, Prequels und Querschläger wühlten, aber auch der jüngeren Generation, die sich womöglich an Gewaltdarstellungen ganz ohne CGI erst noch annähern muss.

Für die Jungunternehmer Melody, Lila, Dante und Ruth ist der Trip ins texanische Harlow mit Problemen verknüpft, denn ein vermeintlich verwaistes Gebäude wird noch von einer älteren Frau und ihrem Sohn bewohnt. Jener wird mächtig sauer, als seine alte Dame auf tragische Weise stirbt…

Die Zugeständnisse an die Generation „Diversity“ werden umgehend deutlich, denn die klassische Blonde spielt eigentlich keine Rolle, während zwei eher androgyn erscheinende Schwestern (eine erinnert an George aus „Fünf Freunde“) die Heldenrollen übernehmen. Als Gegenpol gibt es immerhin noch den schmodderigen Texaner und eine noch nicht ganz betagte Rächerin, welche die Ereignisse vor knapp 50 Jahren überlebte. Mal kurz nachgerechnet: Es könnte auf einen Kampf der Senioren hinauslaufen, denn auch Leatherface war 1974 kein schmalbrüstiger Knabe mehr.

Doch der Hüne hat nichts von seiner Durchschlagskraft eingebüßt und greift recht bald nach seiner Kettensäge, bei der auch nach 50 Jahren kein Benzin nachgefüllt werden muss. Die Geisterstadt im Western-Stil macht sich recht gut als Kulisse und zwischenzeitlich versteht es Regisseur David Blue Garcia durchaus, mit ansprechenden Farbkombinationen kleine Akzente zu setzen, denn grauer Himmel und leuchtendes Sonnenblumenfeld bilden ansehnliche Kontraste. Und auch diverse Splattereinlagen lassen nicht lange auf sich warten.

Bis auf nur wenige Momente wird gänzlich auf Computereffekte verzichtet und auf rabiate Effekte gesetzt und bezeichnenderweise wurde gar ein Zahnmediziner konsultiert, um das Durchtrennen eines Kiefers möglichst realistisch aussehen zu lassen. Hinzu gesellen sich zwei fiese Brüche, zahlreiche durchtrennte Leiber und eine Menge anderes Gekröse, denn mit nur vier potenziellen Opfern wäre schließlich kein Blutgericht möglich.

Wenn das Kollektiv junger Leute in prekärer Situation beinahe instinktiv die Kamera am Smartphone zückt, ist das einer der rar gesäten Momente mit Augenzwinkern, was ansonsten deutlich zu kurz kommt. Die Kills gestalten sich trotz hohen Blutzolls wenig kreativ und auch angetastete Generationenkonflikte werden recht oberflächlich abgehandelt. Selbst ein Trauma wird nur mit raren Flashbacks abgespeist, was eventuell noch Raum für etwas Sozialkritik gelassen hätte.

Auf der anderen Seite gibt es innerhalb der knackigen Laufzeit von 83 Minuten keine Durchhänger und mit der Konzentration aufs Wesentliche macht Garcia vieles richtig, denn knarrende Dielen infolge schwerer Schritte sind genauso effektiv wie das angenehm schnörkellose und zweckdienliche Spiel sämtlicher Darsteller, die nie zu viele Worte verlieren.
Als erinnerungswürdig dürfte sich der Streifen aufgrund mangelnder Alleinstellungsmerkmale kaum hervortun, doch für einen gelungenen Splatterhappen reicht es noch.
6 von 10

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