Review
von Leimbacher-Mario
Alles überschüssige Fett weggesägt
Dass das „Kettensägen“-Franchise mehr als nur inkohärent, suboptimal und problemgeplagt ist, darüber kann man kaum streiten. Doch diese Unreinheit und dieser Flickenteppich an Geschichte und Lore bieten ja auch Gelegenheiten. Für Ausreißer, Alleinsteher, Reboots, soft wie hart. Netflix bringt nun diesen neuen Ableger, in dem es ein paar Influencer, Investoren und Städter in eine texanische Geisterstadt führt - wo ein Hüne mit Kettensäge auf sie geduldig gewartet hat…
„Texas Chainsaw Massacre“ (2022) wird null von seinen Figuren oder der „Geschichte“ hängen bleiben. Obwohl „meine“ Elsie Fisher aus „Eight Grade“ dabei ist. Die Verbindung zur einzigen Überlebenden aus dem Original wirkt komisch reingeschrieben und unnötig, vielleicht um den Film auf immerhin über eine Stunde zu bringen. Das Drehbuch passt auf den Rand des Bierdeckels. Manche Intentionen und Herangehensweisen an „Rassisten aus dem Süden“ sind zumindest fragwürdig (obwohl Graumalen immer besser ist als die tausendste Verteufelung!). Plus mit Leatherfaces Alter und seiner Fitness darf man es nicht zu genau nehmen. Und doch hat das Ding funktioniert. In seiner Kompaktheit. In seinem Dreck. In seinem Blut. In seinem Augenzwinkern. In seiner brachialen Gewalt. Seinem Bodycount, seiner Ästhetik, seiner „No Bullshit“-Art. Nennt mich einfältigen Gorebauern. Aber wenn’s funzt, dann ist’s halt so. Und dieses neue Kettensägenmassaker macht genau das. Auf der primitivsten und plattesten Ebene. Ohne Umwege und Sidequests. Dort aber dann immerhin kompromisslos und fetzig. Alles andere als ein Klassiker. Aber ein flotter Zeitfüller der 1A-Fleischwolfklasse. Und ein paar nette visuelle Bilder, Motive und Farbpaletten gibt’s auch noch. Fast naturalistisch. Insgesamt tut das nur den Hipstern im Film weh. Uns Zuschauern nullkommanull.
Fazit: garstig grob gestricktes, kurzweilig knackiges, enorm effektives und grandios goriges (Meta-)Update des texanischen Kettensägenmassakers. Legacy done right. Fast Food Facebook Fallobst. Eine solide Schlachtplatte. Nicht mehr, nicht weniger. Nice Netflix!