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Mit Billy Crystal als Regisseur, Co-Autor und Hauptdarsteller könnte man eventuell ein kleines Gagfeuerwerk erwarten, doch der Mann hat die 70 Lenze bereits seit einiger Zeit überschritten und scheint ein wenig nachdenklich zu werden. Das umschließt auch universelle Ängste wie Demenz.

Charlie (Crystal) arbeitet seit Jahrzehnten als Comedy-Autor für eine Fernsehshow. Gespannt wartet er auf die Person, die jüngst ein Mittagessen mit ihm ersteigerte und ist überrascht, auf die Straßensängerin Emma (Tiffany Haddish) zu treffen, die noch nie etwas von dem Comedian gehört hat. Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft und Emma merkt schon bald, dass Charlie stellenweise abzubauen scheint…

Während der Dreharbeiten entwickelte sich auch im Privaten rasch eine Freundschaft zwischen Crystal und Haddish, was sich hinsichtlich der spürbaren Chemie natürlich durch und durch positiv auswirkt. Zumal sich die beiden recht gut ergänzen, denn Charlie mag eher die ruhigen Töne, während Emma schon fast ein wenig zu sehr das Klischee der lauten Afroamerikanerin erfüllt. Die ruhigen, leicht gefühlvollen Szenen zählen zu den starken Momenten der Geschichte, von der in der ersten Hälfte nicht so ganz klar wird, wohin die Reise denn nun gehen soll.

Generell ist es eine Auseinandersetzung mit dem Älterwerden, hauptsächlich auf geistiger Ebene. Denn auch im beruflichen Umfeld wird Charlies Kompetenz bereits von einigen angezweifelt, er selbst hat sich sicherheitshalber Namen zu den Fotos seiner Familie notiert und predigt sich wie ein wiederkehrendes Ritual den Fußweg zur Arbeit vor. Ferner ist es ein Rückblick auf wesentliche Abschnitte des Lebens, vor allem auf die Kennenlernphase seiner bereits verstorbenen Frau. Dies ist mittels einiger Flashbacks ganz goldig gelöst, indem die Kamera die Egosicht eines jungen Charlie einnimmt, welcher jedoch nie körperlich in Erscheinung tritt, während seine Angebetete entsprechend direkt in die Kamera schaut.

Mit dem Humor ist es hingegen so eine Sache, denn der zielt meistens auf recht seichte, harmlose Gags ab und der Running Gag einer Nebenfigur mit regelmäßig falsch betonten Begriffen oder Namen funktioniert auch nur ab und an. Was darüber hinaus ein wenig zuviel Zeit einnimmt, sind einige Sangesdarbietungen von Haddish, welche sich zwar redlich müht, jedoch nicht die beste Stimme unter der Sonne besitzt.

Entsprechend ist der Dramenanteil deutlich höher gewichtet, was sich im finalen Drittel besonders deutlich widerspiegelt. Hier gesellen sich einige rührselige, etwas zu melodramatische Momente hinzu, die innerhalb einer bestimmten Kulisse ins Glitschige abdriften. Immerhin stimmt der Ausgang versöhnlich, denn es muss ja nicht immer alles vollumfänglich ausgesprochen werden.

Darstellerisch ist generell nichts anzukreiden, speziell Billy Crystal spielt gewiss einen Großteil sich selbst und meistert das mit viel Ausdruck und ebenso vielen feinen Nuancen, während Haddish in den stilleren Momenten am besten zu überzeugen weiß. Cameos gibt es am Rande mit Sharon Stone, Kevin Kline und Regisseur Barry Levinson, die zum Jubiläum eines fiktiven Films eine kurze Bühnenpräsenz erhalten.

Mit fast zwei Stunden Laufzeit ist der Streifen an einigen Stellen etwas zu ausladend geworden und nicht immer tragen längere Dialogpassagen zum Unterhaltungswert bei. Das Zusammenspiel zwischen Crystal und Haddish trägt zwar einen Großteil des Geschehens, doch der Humor fällt enttäuschend harmlos und bieder aus, während der Dramenanteil deutlich eher zündet, jedoch nicht übermäßig mitfiebern lässt.
6 von 10

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