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Den zuweilen verkniffenen Blick unterm Cowboyhut hat der inzwischen 91jährige Clint Eastwood immer noch drauf. Bei entsprechender Belichtung aus einer bestimmten Perspektive fühlt man sich um Jahrzehnte zurückversetzt, als er noch für eine Handvoll Dollar gen Sonnenuntergang ritt. Mittlerweile sind allerdings Sorgen angebracht, wie viele Mitarbeiter es wohl benötigte, den Mann auf den Rücken eines Pferdes zu verfrachten.

Texas 1979: Der ehemalige Rodeoreiter und Pferdetrainer Milo (Eastwood) schuldet seinem ehemaligen Chef noch einen Gefallen. So soll er dessen entfremdeten, 13jährigen Sohn Rafo (Eduardo Minett) aus Mexiko entführen. Doch die Schergen von Rafos Mutter sind dem ungleichen Gespann ebenso auf den Versen wie die Polizei…

Das Drehbuch von N. Richard Nash entstand bereits 1975 und zu dieser Zeit hätte man den Stoff auch besser umsetzen sollen. Denn bei allem Respekt gegenüber Eastwoods Lebenswerk und dem beinahe stoischen Einsatz vor und hinter der Kamera, - den verführerischen Galan, der im Vorbeigehen zwei rassige Schönheiten bezirzt, nimmt man ihm, trotz unbestreitbaren Charismas nicht ohne weiteres ab.

Streng genommen ist das Western-Drama in allen Belangen halbgare Kost und in jeder Hinsicht so entschleunigt und weichgespült, dass dramaturgische Höhepunkte erst gar nicht entstehen. Der Kampfhahn Macho, den Rafo mit sich führt, schlägt potenzielle Angreifer problemlos und Rafo selbst, von dem anfangs behauptet wird, er sei ein Monster, das sich in den Slums der Stadt durchschlägt, ist noch komplett grün hinter den Ohren, indem er sich bereits mit der Aussicht auf 100 Pferde auf einer Ranch binnen weniger Momente ködern lässt. Generationskonflikte entstehen erst gar nicht, Verfolger werden mit simplen Tricks außer Gefecht gesetzt und anbei darf das Gespann noch Wildpferde zähmen und kranke Tiere in einer mexikanischen Walachei behandeln.

Dennoch entsteht bei alledem eine recht eigenwillige Atmosphäre, die trotz kleiner Sentimentalitäten einige Wohlfühlmomente zutage fördert. Etwa bei der Kommunikation mit einem goldigen taubstummen Mädchen oder beim vorsichtigen Umgang mit einer augenscheinlich impulsiven Bewohnerin eines Kaffs. Obgleich die Dialoge zu selten in die Tiefe gehen, sind es die leisen Szenen mit beinahe unmerklichen Gesten, die zumindest ein wenig nachwirken.

Die körperlichen Gebrechen, die ein entsprechendes Alter mit sich bringen, beeinträchtigen Eastwood beileibe nicht beim Minenspiel, welches nach wie vor versiert und konzentriert anmutet. Sein Partner Minett bleibt als Rafo eher eindimensional, während Natalia Traven als potenzielle Romanze für eine entsprechende herzliche Komponente sorgt.
Die Musik, hauptsächlich bestehend aus Country-Balladen, unterstreicht den leicht melancholischen Charakter des Geschehens.

Eastwoods 40. Regiearbeit ist meilenweit von einigen seiner Meisterwerke entfernt, da die dünne Story unausgereift daherkommt und sich einen feuchten Kehricht um dramaturgische Konventionen schert. Und sofern die merkwürdige Stimmung nicht binnen kurzer Zeit in Beschlag nimmt, dürfte man mit dem Stoff eher weniger bis gar nichts anfangen können.
5,5 von 10

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