Der alternde Cowboy Mike Milo wird von seinem ehemaligen Arbeitgeber Howard Polke - der ihn nach einem Reit-Unfall finanziell unterstützt hatte und nun einen Gefallen einfordert - gebeten, über die Grenze nach Mexiko zu fahren und seinen dreizehnjährigen Sohn Rafael zu ihm nach Texas zu bringen, da dessen Mutter angeblich nicht mehr in der Lage ist, für seine Erziehung zu sorgen. In Mexiko angekommen entdeckt Mike, dass Rafael sich tatsächlich hauptsächlich auf der Straße rumtreibt und Hahnenkämpfe mit seinem Gockel Macho veranstaltet. Der Junge erklärt sich bereit, den alten Mann zu seinem Vater zu begleiten, doch auf dem Weg zurück in die USA werden die beiden von Polizisten und einem von der Mutter des Jungen gedungenen Handlanger verfolgt, so dass sie gezwungen sind, eine Zeitlang in einem kleinen Dorf bei der Gastwirtin Marta unterzutauchen. Schließlich stellt sich heraus, dass Howard seinen Sohn nur bei sich haben will, um gegenüber dessen Mutter in einem Streit um einige Kapitalanlagen in Mexiko die Oberhand zu behalten... Angesichts der gebrechlichen Figur, die Clint Eastwood mit über 90 mittlerweile auf der Leinwand abgibt und die mal eher Erinnerungen an den Cryptkeeper weckt als an "Dirty Harry", stellt sich einem die berechtigte Frage, ob es nicht vielleicht doch besser gewesen wäre, wenn er sich dieses Mal nur auf die Regie konzentriert und die Hauptrolle jemand anderem überlassen hätte, denn so manche Situationen des Skripts, welches da deutlich auf einen jüngeren Darsteller zugeschnitten ist, wirken doch nun direkt schon absurd... und wenn Eastwoods Silhouette sich da in einer Einstellung im Sonnenuntergang zum Schlafen auf den Wüstenboden legt, dann sieht das fast so aus, als würde er in sein eigenes Grab steigen. Ob diese Assoziation beim Publikum gewollt war oder nicht, sei mal dahingestellt. Kurioserweise thematisiert Eastwood das eigene Alter hier aber sehr viel weniger, als er das mehr als 20 Jahre zuvor noch in seinen deutlich besseren Regie-Arbeiten "Ein wahres Verbrechen" und "Space Cowboys" getan hat... und seine quintessenzielle Alter-Mann-Performance in "Gran Torino" war da im Anschluss eh nicht mehr zu toppen. Der selbstreflexive Moment, auf den es ihm in Wahrheit ankommt, wird da in Form einiger knapper Dialog-Zeilen kurz vor Schluss gereicht und man fragt sich wirklich, ob die nicht gerade weltbewegende Erkenntnis, dass das ganze Macho-Gehabe echt nicht so toll ist und es im Leben Wichtigeres gibt, es rechtfertigt, dafür gleich 'nen ganzen Film zu drehen. Der Rest kommt nämlich ein wenig inhaltsleer daher und die wenigen gelungenen Momente, die "Cry Macho" auf Lager hat, speisen sich vornehmlich aus Eastwoods immer noch vorhandenem Charisma und seiner Leinwand-Präsenz. Dass die Western-Ikone hier in einigen Reit-Szenen dann aber überdeutlich gedoubelt wird und nicht mehr selbst im Sattel sitzt, arbeitet doch heftig gegen den Streifen. Das Zusammenspiel mit dem jungen Eduardo Munett, der so ungefähr ein Dreivierteljahrhundert weniger auf dem Buckel hat als die Hollywood-Legende, lässt zudem leider so einiges zu wünschen übrig (teils wegen dessen schwacher Performance, teils wegen der schlecht geschriebenen Rolle, teils wegen Eastwoods schon seit Jahrzehnten überhasteter Arbeitsweise am Set), was ziemlich fatal ist und den gesamten Film im Kern beinahe schon nicht funktionieren lässt, denn die Beziehung zwischen den beiden Figuren bildet nun mal den Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Da "Cry Macho" simultan aber auch noch irgendwie als Kommentar und Schlussstrich unter Eastwoods gesamte, eigene Karriere fungieren soll (wie es im hohen Alter wohl jeder einzelne Film tut, auch wenn er im Anschluss doch noch einen weiteren gedreht hat), kann man eigentlich doch nur froh sein, dass das Ergebnis nicht allzu verbittert ausgefallen ist. Fazit: Ein altersmildes Filmchen aus Clints (ganz) später Spät-Phase, aber echt kein Highlight.
5/10