Zahlen, Daten, Fakten
Mads Mikkelsen kann hervorragend den harten Typ oder gar Bösewicht mimen, doch in echt scheint er eine der nettesten und treuesten Tomaten im Filmgeschäft zu sein. Dänisch, ehrlich, liebenswürdig. Und all diese Gegensätze und Qualitäten spielen sich in seinem (nach dem meisterhaften „Der Rausch“) zweiten Kinowurf des Jahres aufgeweckt und überraschend die Bälle zu. Wieder eine Zusammenarbeit mit Anders Thomas Jensen. Wie immer über Männer, Hühner und Adamsäpfel. Ein Mann muss nicht nur seine jugendliche Tochter plötzlich allein erziehen, er hadert vor allem mit dem Schicksal und schwört gar Rache, nachdem seine Frau bei einem seltsamen Zugunglück ums Leben kommt und ihm ein paar nerdige Mathematiker ihre Theorie dazu vorlegen…
Wenn ein Film dich regelmäßig laut lachen lässt, dazu sau spannend wie ein waschechter (und auch noch erbarmungslos harter) Thriller ist und dich obendrein charakterlich und menschlich zutiefst berührt, vielleicht sogar ein wenig die Augen anfeuchtet - dann weiß man, dass man es mit etwas ganz Besonderem zu tun hat, mit einem der feinsten Genremixe des Jahres und wahrscheinlich mit Mads' zweitem Titel in meiner Jahresendtop 10. Ja, „Riders of Justice“ hat mir mehr als nur gut gefallen. Eher bin ich aus dem Häuschen. Mikkelsen spielt mal wieder aufopferungsvoll und trotz bizarrem Setting porentief glaubhaft. Aber auch die anderen Darsteller und ihre Figuren sind echte Standouts und ultrasympathisch. Die hier gezeichnete Welt aus Wahrscheinlichkeiten, Zahlen, Traumata und ungewöhnlichen Freundschaften ist zweifellos eine weitere Stärke. Alles wirkt skurril und doch nie total unrealistisch. Auch wenn man am Ende nicht mehr ganz weiß, was denn nun real ist und was man glauben soll. Ein emotionales Vexierspiel aus Trauer und Brutalität, aus Rache und Aufarbeitung, aus Hoffnung von unerwarteter Stelle. Vater-Tochter-Drama. Schwarze Komödie. Knallharter Krimi. PTSD-Erzählung. Gruppentherapie. Klassische Musik passt. Der Kreislauf der Zufälle, das Domino der Wünsche, Verkettung unglücklicher Umstände. Wahrscheinlichkeitsabrechnung. Seine Wege sind unergründlich. Jensens Filme einzigartig. Von todtraurig bis seelentief positiv.
Fazit: Eine wundervolle dänische Delikatesse, schwarze Humorpoesie und ein weiterer Kultfilm vom Gespann Jensen/Mikkelsen!