kurz angerissen*
„Pannónia Anno – Geschichte(n) eines Filmstudios“ klingt wie eine typische Dokumentation über den Aufstieg und Fall eines Unternehmens oder einer Marke, wie sie gelegentlich produziert werden, um ein gesellschaftliches Phänomen begreifbar zu machen. Das Budapester Unternehmen hätte sich für ein solches Vorhaben zweifellos geeignet, wurde es in seiner Blütezeit doch mit den größten und erfolgreichsten Animationsstudios der Welt in einem Atemzug genannt. Der 2012 entstandene Film interessiert sich aber erstaunlich wenig für die wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Hintergründe, unter denen das Studio Erfolge feierte oder an Einfluss verlor. Stattdessen werden die eigentlichen Protagonisten und ihre Werke in den Mittelpunkt gerückt: Mit Unterstützung von rund 20 ehemaligen Kreativen entsteht so fast beiläufig ein umfassender Abriss der Geschichte des ungarischen Trickfilms.
Zwar verzichtet Regisseur Peter Szálay nicht völlig auf die Wortmeldung sekundärer Beteiligter; so kommen beispielsweise auch Fotograf László Haris, Studiomanager György Matolcsy, Kamerafrau Irén Henrik, Komponist Zsolt Pethö oder Schauspielerin Judit Pogány zu Wort. Der Fokus liegt aber klar auf den Zeichnern, den Kreativen und Handwerkern, die in ihren Interviews jeweils einen sehr subjektiven Rückblick auf ihre Errungenschaften preisgeben, während die Regie passend zur jeweils besprochenen Periode Ausschnitte aus der vielseitigen Animationslandschaft bereitstellt.
Man erkennt schnell, dass sich der ungarische Trickfilm stets vieler internationaler Einflüsse bedient hat. Die Bandbreite an eingesetzten Techniken und die Experimentierfreudigkeit beeindruckt durchaus, insbesondere wenn man sie mit der nüchternen, in einigen Fällen beinahe schon monotonen Art vergleicht, mit denen die Erzähler ohne jede Affektiertheit ihre Anekdoten zum Besten geben. Offenbar entspricht die Individualität auch dem Selbstverständnis der Federführenden, die sich übereinstimmend über die stilistische Abgrenzung zu den Kollegen definieren, die alle ihren ganz eigenen Stil pflegen.
Wer möchte, kann aber natürlich selbst Schlüsse ziehen über die Hintergründe, unter denen die Arbeit in den Pannónia Studios vollzogen wurde. Die Trickfilm-Ausschnitte verraten viel über die kulturelle Prägung ihrer Erschaffer und deuten ein ausgeprägtes Traditionsbewusstsein an. Bevor im letzten Drittel die „neue Schule“ übernimmt, dominiert eindeutig die klassische Denkweise des Handgefertigten, doch selbst das neue Kapitel scheint noch von der Ära des Nicht-Digitalen geprägt.
Leider starben einige der Interviewpartner bereits in den nächsten ein bis zwei Jahren nach Veröffentlichung der Dokumentation; andere wiederum erfreuen sich nach wie vor bester Gesundheit, auch wenn es um die meisten von ihnen ruhig geworden ist – einschließlich Marcell Jankovics, dessen letzter Film nun auch bereits wieder zehn Jahre zurückliegt. Auch die Pannónia Studios sind inzwischen Geschichte. Selbst wenn ihre eigene in „Pannónia Anno“ nicht unbedingt umfassend abgebildet wird, so kann man das zumindest von der Chronologie der künstlerischen Werke behaupten, die unter ihrem Banner entstanden sind.