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00Abgetrieben

„False Positive“ wäre glaube ich fast besser in den 80ern entstanden, da man damals mit den enthaltenen Ideen viel deftiger und schwungvoller über Bord gegangen wäre. Heutzutage kommt der Horror über künstliche Befruchtung und Probleme ein Kind zu bekommen doch etwas theoretisch und trocken daher. Dennoch ist „False Positive“ gerade im Vergleich zu anderem „Mutterhorror“, den ich aus gegebenem Anlass momentan vorrangig gucke, ein gelungener Happen. Vor allem durch einen wirklich fies-überfreundlich spielenden Pierce Brosnan… „False Positive“ erzählt von einem Pärchen, bei dem das Kinderkriegen seit Jahren nicht wirklich funktionieren will. Da kommt eine hochmoderne Einrichtung samt dort angebotener künstlicher Befruchtung und Schwangerschaftsnachhilfe vielleicht als letzter Ausweg gerade richtig. Und tatsächlich klappt's beim ersten Versuch - allerdings vermutet die verzweifelte Mami hinter dem ganzen Hightech und den strahlenden Lächeln der Mitarbeiter und des prophetischen Chefarztes nicht zu unrecht ein dunkles Geheimnis…

Ist „False Positive“ ein klares Statement gegen künstliche Befruchtung oder gar das allgemeine Eingreifen des Menschen in die Natur? Zum Thema „Gottkomplex“ des Homo Sapiens? Das waren meine ersten fragenden Gedanken nach dem Abspann dieses interessanten Querschlägers. Eine klare Antwort darauf sollte sich jeder selbst versuchen zu geben. Eine Sichtung wert ist John Lees Produktion für das mittlerweile absolut prestigeträchtige Label A24 in jedem Fall. Selbst wenn er einige Gemüter spalten wird, für Diskussionen sorgen kann und hintenraus ein gutes Stück einbricht, enttäuscht. Denn gerade das Finale ist unverständlich verschachtelt verschnitten, viel weniger (positiv) trashig als es sein könnte und sein Höhepunkt wird für meinen Geschmack bei weitem nicht gut genug ausgespielt. Zudem ist das Ergebnis zu jederzeit bekannt, das ist klar. Der Weg zu diesem „Blutbad neben der Samenkammer“ ist jedoch hier das Ziel und lohnenswert. Selbst wenn ganz ungeniert von Klassikern wie „Demon Seed“ oder natürlich „Rosemaries Baby“ abgekupfert wird. Der aktuelle, feministische und eher natürlich-menschliche/-mütterliche Twist auf das Ganze wirkt dennoch und hat seine Daseinsberechtigung. Einen Innovationspreis gewinnt man derart aber natürlich nicht.

Fazit: starker Beginn für diesen modernen Spin auf das eigentlich recht klassische Thema des Schwangerschaftshorrors. Die zweite Hälfte trifft dann jedoch einige dumme Entscheidungen, hat komische Logiklöcher und verirrt sich ein wenig. Insgesamt sicher nicht der stärkste Beitrag im A24-Katalog. Dennoch sehr solide Ansätze und ein teuflisch-guter ehemaliger Bond. Allein Pierce Brosnan und sein „Charme“ retten den Film schon. Wie momentan fast alles was er anfasst. 

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