Manche Videospiele sind mittlerweile so aufwendig gestaltet, dass sie nur schwer als Film umsetzbar scheinen, während andere im Kern zu wenig hergeben, um daraus adäquaten Stoff zu basteln. Also musste die Idee des Ratespiels um einen getarnten Werwolf ein wenig ausgeschmückt werden, was Regisseur Josh Ruben überraschend gut gelang.
Der freundliche Ranger Finn (Sam Richardson) ist soeben in der beschaulichen Kleinstadt Beaverfield eingetroffen, als der Ort durch einen Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten wird. Was nicht so tragisch wäre, wenn nicht just ein Hund verschwunden und eine zerfleischte Leiche unter einer Veranda aufgetaucht wäre, die auf die Tat eines Monsters schließen lässt. Als sich die wenigen Einwohner im örtlichen Hotel einfinden, nehmen die gegenseitigen Beschuldigungen ihren Lauf…
Mit rund einem Dutzend Figuren gibt die Erzählung genügend Facetten her, um das Ratespiel interessant zu gestalten, welches in seiner Form dem bekannten Agatha Christie Prinzip angelehnt ist. Mit Ranger Finn und der Postbotin Cecily (Milana Vayntrub) ergibt sich rasch ein hervorragend funktionierendes Duo, welches sich locker die Bälle zuspielt und mit effektivem Timing und schnittigen Dialogen punktet. Darüber hinaus gibt es mit einem neureichen Schwulenpaar, einem Redneck-Eremiten und einem Öl-Pipeline-Manager einige Klischeeerscheinungen, denen stets ein Augenzwinkern anhaftet, wogegen ein, zwei Damen zuweilen etwas zu ausgiebig krakeelen.
Zwar gibt die Kulisse des eingeschneiten Hotels und der selten zu sehenden Umgebung nicht allzu viel her, doch einige Situationskomik mit Schwerpunkt vermeintlicher Berührungen vermag immer wieder zu punkten. Reine Horrorfans dürften indes ein wenig ungeduldig werden, da das Monster kaum blutig zuschlägt und bis auf abgetrennte Finger kein Argument geliefert wird, eine entsprechende FSK16 anzuzweifeln. Die Bestie selbst erscheint erst während des Showdowns und dessen Aufmachung kann allenfalls als zweckdienlich angesehen werden.
Dennoch bereitet das Treiben gute Laune, was in erster Linie an den treffend besetzten, spielfreudigen Mimen und dem grundsoliden Timing liegt. Schenkelklopfer oder anderweitige irrwitzige Einlagen sind zwar nicht vorzufinden, doch der kleine, durch und durch sympathische Streifen beschert entspannte und gleichermaßen amüsante Momente, die das Sichten für Freunde lockerer Horrorkomödien empfehlenswert macht.
7 von 10