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Im Spätherbst des Kriegsjahres 1944 verfügen die in der Normandie gelandeten Alliierten bereits über genügend Brückenköpfe in Nordfrankreich und drängen die deutschen Truppen weiter Richtung Norden zurück - ihr Ziel ist der belgische Hafen Antwerpen, und um diesen als Anlandeplatz nutzen zu können, muß erst die seeseitige Scheldemündung auf niederländischem Boden freigekämpft werden. Dort jedoch, in der Provinz Zeeland im Raum Vlissingen am offenen Meer, haben die Deutschen am einzigen noch nutzbaren Damm starke Abwehrstellungen aufgebaut und zudem das Mündungsgebiet landeinwärts teilweise geflutet, um sich vor einem Überraschungsangriff zu schützen. Beide Seiten wissen um ihre jeweilige Lage Bescheid, und während sich die Deutschen ansonsten aus den Niederlanden zurückziehen, bereiten sich Briten und Kanadier auf den Angriff, die titelgebende Schlacht um die Schelde, vor.

Soweit die militärische Ausgangslage in dieser niederländischen Produktion, in der Regisseur Matthijs van Heijningen Jr. (The Thing 2011) drei verschiedene Charaktäre und deren jeweilige Perspektiven vorstellt, die den Krieg an drei verschiedenen Standorten rund um die Scheldemündung miterleben, zunächst nichts miteinander zu tun haben und auch später nur mehr oder weniger zufällig aufeinandertreffen. Was alle drei gemeinsam teilen ist jedoch die Anspannung und Angst vor dem, was da kommen soll.

Die Schlacht um die Schelde ist trotz des Titels nur der äußere Rahmen in der Schilderung dreier Schicksale junger Menschen und vielmehr als (Kriegs-)Drama denn als Militärfilm einzuordnen. Zwar gibt es mit der (vergeblichen) Erstürmung des deutschen Brückenkopfs am Damm eine längere und auch durchaus eindrucksvoll inszenierte Kampfszene, ansonsten jedoch steht das Verhalten der drei Protagonisten im Mittelpunkt, auch und gerade unter dem Einfluß der Kriegshandlungen.

Als erstes tritt die junge Niederländerin Teuntje Visser (Susan Radder) auf: sie ist still und zurückhaltend, beobachtet die zurückflutenden deutschen Truppen mit stiller Genugtuung und hofft wie die meisten ihrer Landsleute, daß der Krieg in Kürze vorbei sein wird. Ihr Vater Dr. Visser ist Arzt und versorgt auch deutsche Verwundete, was ihm das Wohlwollen des ortsansässigen deutschen Generals einbringt. Doch letzteres reicht nicht aus, Teuntjes Bruder zu schützen, denn der junge Dirk, der eine niederländische Widerstandsgruppe unterstützt, hatte einen Stein auf einen Wehrmachts-Lastwagen geworfen, infolgedessen es mehrere Tote und Verletzte gab. Von seinem verzweifelten Vater überredet, sich freiwillig zu stellen, wird Dirk nun von der Gestapo verhört. Teuntje, die sich vom aktiven Widerstand bisher fernhielt, wird somit aus Sorge um ihren Bruder involviert.
Ganz anders die Laufbahn von Marinus van Staveren (Gijs Blom), der als niederländischer Freiwilliger bei den Deutschen unter anderem an der Ostfront eingesetzt war und nun, zurückversetzt in seiner Heimat, im Sekretariat des deutschen Generals Dienst tun muß. Als die titelgebende Schlacht näherrückt, muß er den Damm verteidigen. Zuvor ist er für ein Erschießungskommando eingeteilt, das festgenommene niederländische Widerstandskämpfer liquidieren soll. All dies macht den stillen Marinus nachdenklich.
Der dritte Charakter ist der Brite William Sinclair (Jamie Flatters), der mit seinen Kameraden in geschleppten Segelfliegern im Hinterland der deutschen Front abgesetzt werden soll um diese dann von beiden Seiten in die Zange nehmen zu können. Das gelingt nur teilweise, denn sein Segler wird abgeschossen und sein Hauptmann verwundet - er muß sich mit wenigen Kameraden und einem Verletzten durch geflutete Felder und Dörfer durchschlagen...

Die Schlacht um die Schelde
schildert realtiv gleichberechtigt das Schicksal dieser jungen Menschen in jenen Tagen, verzichtet weitgehend auf jedwedes Pathos und vermag daher - und das ist das Besondere - für alle drei Beteiligten gewisse Sympathiewerte zu erwecken. Die authentisch wirkenden Szenerien, die großteils nachvollziehbaren Handlungen und Reaktionen der drei Hauptfiguren lassen ein lebendig wirkendes Bild des mörderischen Krieges entstehen, das durch die unprätentiöse Inszenierung umso eindringlicher wirkt. Sehenswert! 8 Punkte.

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