Johannesburg in der Gegenwart: Ein Swat-Team der südafrikanischen Polizei stürmt einen schäbigen Hinterhof - doch vergeblich, die vermuteten Menschenhändler sind längst ausgeflogen. Nur ein paar Kinderspielsachen finden sich noch, was viel zu wenig für Kommissarin Jodie Snyman (Erica Wessels) ist, die bereits mehrere solcher Einsätze ohne greifbare Resultate geleitet hatte. Auf dem Revier macht ihr dies auch ihr Vorgesetzter klar: ohne Festnahmen werden die Mittel (hier: Personal-Reserven) gestrichen, doch davon will Snyman nichts hören. Die äußerst engagierte Enddreißigerin, als einzige Weiße unter lauter schwarzen Kollegen, ist schon seit längerem auf der Spur eines Kinderhändlerrings, der entführte junge Mädchen vorwiegend in arabische Staaten verkauft, einige davon aber auch dabehält und mißbraucht. Ein älteres Polizeivideo von einem Helfershelfer weist auf ein mächtiges Syndikat hin, dessen Proponenten in Spitzenpositionen der derzeitigen Regierung zu finden seien - aber ohne stichhaltige Beweise, wie beispielsweise das Auffinden eines der jedes Jahr verschwindenden Mädchen, stecken die Ermittlungen fest.
Eines Tages wird ein älterer Mann in einem Park ermordet aufgefunden - an jener Stelle, wo einst ein verschwundenes Mädchen zuletzt gesehen wurde. Und mehr noch: Dem Erschossenen wurden ihre Initialen groß in die Brust eingeritzt...
Die südafrikanische Produktion I Am All Girls ist wieder ein schönes Beispiel dafür, daß gut gemeint noch lange nicht wirklich gut ist, sondern manchmal sogar schon fast das Gegenteil. So richtig und wichtig es ist, das Thema Mädchen- bzw. Kinderhandel einer breiteren Öffentlichkeit bewußt zu machen, so sehr ist Regisseur Donovan Marsh (Hunter Killer) die Umsetzung dieser Thematik misslungen: Weder vermag seine Hauptdarstellerin Sympathien zu erzeugen, noch ist die filmische Aufbereitung als Thriller gelungen. Das Leid der Betroffenen wird fast, das der allein zurückbleibenden Familien komplett ausgeblendet, dazu gesellen sich haufenweise Logiklöcher und vermeidbare Fahler in einem schlichtweg schlampig verfassten Drehbuch.
Kommissarin Snyman zeigt von Anfang an eine übertriebene Betroffenheit, die im ganzen Film nie erklärt wird, dem geneigten Zuschauer aber schon bald auf die Nerven geht - sie ist den Geschehnissen und der Erfolglosigkeit ihrer Bemühungen ganz einfach nicht gewachsen, was sie eigentlich für diesen Posten disqualifiziert. Dies sieht auch ihr Chef so, der sie dann von dem Fall abzieht und wie überhaupt alle schwarzen Ermittler sehr ruhig und fokussiert weiterzuarbeiten versucht - nur ignoriert Snyman diesen Befehl und ermittelt trotzdem weiter, erstaunlicherweise ohne weitere Konsequenzen. Unter den erwähnten Mitarbeitern sticht besonders Ntombizonke Bapai (Hlubi Mboya) von der Spurensicherung hervor, die die unter großem Druck stehende weiße Kollegin nach Kräften unterstützt: beide Frauen fühlen sich auch privat voneinander angezogen. Nähere Charakterisierungen unterbleiben - stattdessen werden weitere Morde an meist übergewichtigen weißen Männern begangen, stets mit in die Brust eingeritzten Initialen.
Leider verläuft der Plot schnurgerade in die Richtung, die man schon vermutet: irgendein(e) unbekannte(r) Rächer(in) zahlt es den Mädchenhändlern heim, denn die klischeehaft in Szene gesetzten Opfer haben sich alle die Finger schmutzig gemacht und so stellt sich für Snyman (und somit den Film, der sich damit unreflektiert auf die Seite des/der Rächers/in stellt) auch gar nicht die Frage nach dem Verursacher dieser Racheakte, sondern nur nach der Jagd auf den Oberboss des Mädchenhändlerrings, der - das ist keine Überraschung - am Ende natürlich auch noch dran glauben muß.
Am Weg dorthin unterlaufen der Regie jedoch eine Menge Logiklöcher, wie einer über mehrere Stunden andauernden Verfolgungsjagd (im Sonnenschein begonnen bis in die Nacht), die seltsamerweise unbemerkt bleibt, einem merkwürdigen Autounfall, der im Krankenhaus endet, aus dem man aber offenbar sehr schnell wieder herauskommt sowie vollkommen ungeklärte Strukturen bei der Polizei bezüglich Einsatztaktik und Zuständigkeit. Weiters wird als Hauptabnehmer für die menschliche Fracht zwar ein (saudischer?) Scheich im Privatflugzeug gezeigt, in mehreren Einstellungen dann aber auf den Iran als Zielland hingewiesen, was keinerlei Sinn ergibt - um nur einige Ungereimtheiten zu nennen.
Den größten Hund leistet sich jedoch Vertriebspartner Netflix: Dessen bei jedem Stop eingeblendeter Einzeiler, der kurz den Inhalt des Films/der Serie umreißt (was prinzipiell ja durchaus sinnvoll ist) enthält diesmal einen satten Spoiler, wie dem geneigten Zuschauer nach anfänglicher Verwirrung dann nach etwa der Hälfte des Films klar wird.
Insgesamt birgt I Am All Girls keinerlei Überraschungen, verzichtet auf weitere Hintergründe zum human trafficking und lädt mit seiner hektischen Hauptdarstellerin noch nicht einmal zum Mitfiebern ein, was gemessen an der Thematik einfach schade ist. Inklusive Bonuspunkt für das Filmland Südafrika sind das in Summe trotzdem maximal 4 Punkte - mit einem besseren Drehbuch wäre deutlich mehr drin gewesen.