Aufgrund der Schnitte in der deutschen Videofassung erlangte „Cameron“ eine gewisse Popularität, doch auch in ungekürzter Form ist die Videopremiere nur bedingt ihre Aufregung wert.
Es geht also um Cameron (Scott Curtis), wie der deutsche Titel erklärt, ein telekinetisch begabter Junge, der von seinem Wissenschaftlerpapa und einem Kollegen untersucht wird. Dass Cameron allerdings Angst vor den Gefahren in seinem Schrank hat, wie der Originaltitel „Cameron’s Closet“ erklärt, ist weniger allgemeine Kinderspinnerei, sondern hat einen manifesten Grund wie auch der Herr Papa feststellen muss, als er sich unachtsam in den Schrank begibt, das Böse bekämpfen möchte, aber selbst die Rübe verliert. Wer jetzt allerdings eine ironische Abhandlung über Kinderängste und die Angst vorm Monster im Schrank/unterm Bett/sonst wo erwartet, der wird enttäuscht, den diesen Ansatz verwandelt „Cameron“ nicht.
Der Bub, der versehentlich einen Dämonen beschworen hat, kommt also nun zur Mutter, der Dämon im Wandschrank zieht gleich mit und killt erstmal den neuen Freund der Mom. Langsam wird es eng für den Kleinen, auch Polizist Sam Taliaferro (Cotter Smith) ihm helfen will…
Ein eigenwilliger Mix aus Monsterfilm und Horror über übersinnliche Fähigkeiten, der sich mal mit eher subtiler Spannungserzeugung versucht, mit suggestiven Kamerafahrten und –winkeln eine Atmosphäre der Bedrohung im Schlafzimmer Camerons erzeugt und das Biest in der ersten Hälfte nur schemenhaft zeigt. Pünktlich zur Halbzeitmarke, beim zweiten Auftritt des Dämons, gibt es dann aber immer mehr und immer deutlicher was vom Biest zu sehen, das aus unerfindlichen Gründen auch zombieähnliche Wiedergänger erschaffen kann, ehe der Showdown dann vollends in der Paralleldimension des Biestes stattfindet.
Schlampige Arbeit kann man den Effektdesignern dabei jedenfalls nicht vorwerfen, mit viel handgemachten Charme sind der Dämon, die von ihm geschaffenen Zombies und die Parallelwelt geschaffen, da sind echte Hingucker gelungen. Ebenfalls viel Mühe ist in die Gore-FX geflossen, da werden die eher wenigen Opfer des Films formschön zerschmolzen und zertrümmert, was als derber Splattereffekt allerdings dann ein wenig heftig im sonst eher ruhigen Rest des Films daherkommt.
Tatsächlich ist es vor allem die Uneinheitlichkeit des Drehbuchs, die „Cameron“ die Chance auf mehr verbaut. Lapidar werden einige Nebencharaktere eingeführt um dann nur schnell, lapidar und beinahe unmotiviert weggeflext zu werden, so wie der Partner des Helden, den das typische Copschicksal im Horrorfilm ereilt. Auch sonst ist nicht allzu viel Arbeit in das Script geflossen, was der Dämon nun genau will und nach welchem Muster er vorgeht, das erfährt man nie, stattdessen hangelt sich der Film von Spannungspassage zu Spannungspassage ohne viel Blick für das Dazwischen. Immerhin: Der Subplot um den ebenfalls telekinetisch begabten Taliaferro und die Psychologin Nora Haley (Mel Harris) funktioniert überraschend gut und lockert die Geschichte auf.
Cotter Smith und Mel Harris machen auch das Beste aus ihren Rollen, legen sich durchaus ins Zeug und retten das eher mäßige Script mit ihrer Spielfreude immer wieder über die Runden. Scott Curtis ist ein okayer Kinderdarsteller, nicht überragend, aber auch nicht nervig, der Rest bleibt größtenteils blass und vergessenswert, nur Gary Hudson als neuer Prollofreund von Camerons Mutter zieht ordentlich vom Leder.
Nach „Cameron“ wird wohl kaum jemand Angst vor dem Schwarzen Mann oder dem Monster im Schrank haben, denn dafür involviert die eher mäßig gescriptete Geschichte nicht genug. Dank einzeln spannender Passagen und schicker FX kann man „Cameron“ gut weggucken, aber viel hängen bleibt nicht.