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Ein ziemlich langweiliges Leben führt der junge Bankangestellte Sebastian Schlencht-Wöhnert (Matthias Schweighöfer) - jeden Morgen um dieselbe Zeit holt er sich seinen Kaffee, bevor er sich dann den lieben langen Tag am Beschwerdeschalter mit ungehaltenen Kunden plagen muß. Leider teilt auch niemand seine große Leidenschaft, der er seit kleinauf hegt und pflegt: während nämlich die anderen Kinder Fußball spielten, widmete sich der kleine Sebastian dem Knacken von Safes. Ein exquisites Hobby, mit dem man garantiert immer allein bleibt, selbst auf youtube gibts dafür keine Klicks.
Doch eines Tages spricht ihn nach all den Jahren Einsamkeit ein junges Mädchen in seinem Stamm-Café an, das sich für seine Safeknackerkünste interessiert: Gwendoline Starr (Nathalie Emmanuel) verschafft ihm ein Ticket zu einem illegalen Wettbewerb, den Sebastian wider Erwarten gegen drei Gegner tatsächlich gewinnt. Danach soll er sich Gwendolines vierköpfiger Bande anschließen, die ganz Großes plant: die haben es nämlich auf die am schwersten zu öffnenden Tresore der ganzen Welt abgesehen, welche - einst vom Münchner Schlossermeister Wagner gefertigt - nun an verschiedenen Orten stehen. Benannt nach bekannten Opern von Namensvetter Richard (Walküre, Rheingold, Siegfried und Götterdämmerung) stellen diese gut bewachten Tresore für Safeknacker eine Herausforderung dar, die der entflammte Sebastian gerne aufzunehmen bereit ist. Doch auch Interpol hat Wind von dieser Challenge bekommen, außerdem teilen nicht alle Teammitglieder den sportlichen Ehrgeiz des jungen Bankangestellten...

Als Prequel zum gerade erschienenen Army of the Dead von Zak Snyder apostrophiert erwartet der geneigte Zuschauer eher größere Zombiehorden und fulminante Action, doch das deutsche Tresorknacker-Märchen aus der Feder von Regisseur und Hauptdarsteller Matthias Schweighöfer entpuppt sich dann als ein watteweicher Familienfilm, in dem Gut und Böse fest verankerte Plätze haben und Zombies gerade mal in wenigen Sekundeneinblendungen als Alpträume des jungen Helden auftauchen.
Der ist dann erwartungsgemäß den ganzen Film über damit beschäftigt, die Einstellräder der stählernen Kisten mittels seines Gehörs in genau jene Stellung zu bringen, die deren tonnenschwere Deckel in Bewegung setzen. Von ein paar blutigen Nasen für Securities sowie dem mehrfachen Gebrauch des Wortes "Arschloch" (und einmal auch "ficken") abgesehen sollte Army of Thieves eigentlich ohne Altersbeschränkung durchgehen.

Trotz der vorhersehbaren Story um den Außenseiter, der am Ende natürlich triumphiert und seinen wirklich netten Mitspielern (von denen nur einer nicht ins Bild passt, der sich Brad Cage nennt und genau das Gegenteil von Sebastian und daher folgerichtig das erwähnte "Arschloch" ist) gehört Schweighöfers Streifen nicht zu jener Sorte, bei denen man schon nach 10 Minuten einzuschlafen droht, sondern weiß durch auf den Punkt gebrachte Dialoge und einem sorgsam auch mit Selbstverarschung nicht sparenden Drehbuch so gerade bei Laune zu halten. Die aufwändigen Computerspielereien mit den Safeschlössern, deren Schnallen, Federn, Achsen und Bänder nacheinander langsam aber sicher in die richtige Stellung gebracht werden (klick, klick, klick) tun ein Übriges, wiederholen sich zwar immer wieder (es gibt schließlich drei solcher Tresore zu knacken), stellen in ihrer Detailverliebtheit jedoch den markantesten Punkt dieses Prequels dar, der einem auch nach Filmende noch im Gedächtnis bleibt.

Fazit: Army of Thieves hat mit dem Hauptfilm Army of the Dead und dessen gewalttätigen Einlagen zwar so gut wie gar nichts zu tun (von der Rolle Schweighöfers als Safeknacker mal abgesehen), vermag dennoch leidlich zu unterhalten: 5 Punkte.

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