Review
von Leimbacher-Mario
Monkey Business
„Vivo“ wurde von Netflix (ähnlich wie der noch wesentlich bessere „The Mitchells vs. The Machines“ früher dieses Jahr) aus Sonys Händen sowie den Kinos weggekauft. Allzu viel Vertrauen scheint man bei Sony Animation in seine familienfreundlichen Projekte nicht zu haben. Im Grunde aber auch zweitrangig wie und wo ich „Vivo“ sehen kann. Viel wichtiger ist, ob er etwas taugt oder ob es sogar vielleicht seine Gründe für die Auslagerung gibt. Erzählt wird vom titelgebenden, gelben Äffchen (?), das Musik im Blut hat und so jeden Tag mit seinem alten Menschenfreund an der Promenade von Havanna die Leute fasziniert. Tanzend, rappend, fließend. Als sein Herrchen kurz vorm Abflug nach Miami zu seiner alten Flamme und Duettpartnerin plötzlich verstirbt, nimmt sich sein kleiner Tänzer und Reimer ein Herz und begibt sich stellvertretend auf eine abenteuerliche Reise…
„Vivo“ ist bunt und südamerikanisch, „Vivo“ ist herzlich und simpel, „Vivo“ ist kindgerecht und flott. Ein launiger Animationsspass ohne je die erste Liga seiner Kunstform anzugreifen. Aber dennoch mit coolen Songs, optischer Finesse, einem fließenden Stil und jeder Menge Herz. Total safe und berechenbar. Aber das gibt nur Abzüge in der B-Note. „Vivo“ feiert die Musik, die Freundschaft, die Familie und natürlich die Liebe. Er spürt den Beat, sowohl der Drums als auch des Herzens. Vor allem die visuellen Stilwechsel, auch mal auf 2D und expressionistisch, kriegen Bonuspunkte. Und Mirandas Songs und Stil sind natürlich momentan eh unangefochten und unverkennbar. Obwohl er natürlich aufpassen muss, nicht ein wenig zu oft und dauernd aufzutauchen, einem jetzt schon auf die Nerven zu gehen, immer in etwa dasselbe zu machen und sich nicht neu zu erfinden. Denn „Hamilton“ wiederholt man so natürlich nicht.
Fazit: rhythmisch, schwungvoll, exotisch, tierisch stark, außergewöhnlich hübsch, sehr süß und nur manchmal nervig (das kleine Mädchen) - dieses (Lin Manuel Miranda-)Jahr leider neben animierten Hochkarätern wie „Encanto“ etwas untergegangen. Eher „Rio“ als „Soul“.