Review
von Leimbacher-Mario
Eco, Öko, Evo, Psycho
Ein Wissenschaftler geht mit einer Parkrangerin zur Routineutersuchung von Material in den Wald. In der restlichen Welt tobt ein gefährlicher, kaum näher erläuterter Virus. Zeit also zum Entspannen und Abschalten im wilden Grün? Natürlich nicht, denn gerade in der dominanten Natur lauern noch ganz andere Gefahren…
Ich halte Ben Wheatley für einen der begabtesten und fordernderen Genreköpfe der aktuellen Zeit. Allein „Kill List“ spricht Bände über das, was der Mann wenn’s gut läuft zu leisten im Stande ist. Sein neuester Streich „In The Earth“ verbindet mit „Viren“ und „Natur“ die zwei dringlichsten Themen unserer Zeit, die ja auch in echt unweigerlich zusammenhängen. Das gibt technisch und thematisch (wie schon in vergleichbaren Titeln a la „Gaia“ oder „Unearth“) einiges her. Der Wald, das Zwitschern, der Wind, das teuflische Kind. Mutter Natur als Biest der Rache. Kulte, Sekten, Verbindung zur Natur. Einbildung oder Wahrheit? Heilung oder Zerstörung? Weg der Erleuchtung oder Verblendung? Audiovisuell oft zum Zungeschnalzen. Obwohl ich es nicht mag, wenn Wheatley auf seinen „A Field In England“-Collagemodus schaltet. Gerade derart exzessiv und alles andere erdrückend wie hier in der zweiten Hälfte. Das zusammen mit der kaum vorhandenen Geschichte und massiv schwächelnden Figurenzeichnung ergibt einen arg abgestandenen Kompott. Und in mir Zweifel, ob Wheatley momentan nicht doch auf dem vollkommen falschen Weg ist. Immerhin der Score dröhnt gehörig und geil. Aber das reicht nicht. Esoterisch, generisch, zäh und… leider… langweilig.
Fazit: eine starke Klangwelt und akute Aussagen täuschen nur im ersten Moment über eine sehr spärliche A-Note, Geschichte samt generischen Figuren, weg. Hier blitzt Wheatleys Genie nur sehr scheu durchs Gestrüpp. Plus seine psychedelische Seite trübt weiter. Geschmacksache ist’s hier mehr denn je.