Review
von Leimbacher-Mario
Der (Sauer)Stoff aus dem die Träume sind
Eine Frau ohne Erinnerungen wacht in einer Art Cryosarg auf und der Sauerstoff hält sicher nicht ewig. Das ist die Ausgangssituation von Alex Ajas „Oxygene“ mit einer aufopferungsvollen Melanie Laurent in einer schweißtreibenden One-Woman-Show!
Alexandre Aja ist mit harten (französischen) Krachern a la „High Tension“ oder seinen „Hügeln der blutigen Augen“ bekannt für kompromissloses Genrekino weit über dem Mainstreamhärtegrad. Mit seinem beengten und sparsamen Netflixtitel „Oxygen“ geht er aber deutlich weg von Gore und Gedärme, hin zu Spannung, Sci-Fi und Emotionen. Natürlich erinnert das an Titel wie „Phone Booth“, „Moon“ oder „Gravity“, jedoch ohne zu sehr zu zitieren oder gar kopieren. Style hat das Ding noch und nöcher, aus seiner einen Location wird viel herausgeholt, wir kommen der eingesperrten Person recht nahe (auch innerlich), das Sounddesign pusht und das Ende ist durchaus rund und befriedigend. Klar kann man von dem beschränkten Szenario keine totalen Wunder und Neuerungen erwarten, manche Lösungen kommen zu easy aus dem Nichts und erfahrene Genrekenner haben sicher nahezu alle Möglichkeiten und Wege, die folgen könnten, schnell im Kopf vorberechnet. Davon passt dann auch mindestens eine. 100%. Und wiedermal passt mein Satz: „Weit über 90 Minuten hätte der eigentlich nicht gehen müssen.“. Und dennoch: „Oxygene“ fesselt, hat markante Shots, eine einnehmende Persönlichkeit und genug Spannung, um einen am Sitzrand der Couch zu halten. Zumindest die meiste Zeit.
Fazit: stylisch, französisch, beklemmend, intensiv. One-Location-Thriller der adrenalintreibenden und wortwörtlich atemberaubenden Sorte. Kein „Buried“ - aber nah dran!