Eine Frau erwacht aus dem Tiefschlaf in einem Krankenbett - und muß feststellen, daß dieses zwar hochmodern mit allerlei Diagnose-Instrumenten, Bildschirmen etc. um sie herum ausgestattet ist, sie jedoch wie in einem überdimensionalen Sarg gefangen hält. Sie hat keine Ahnung, wie sie dort hineingeraten ist und was sie überhaupt dort macht. Der installierte Sprachcomputer, eine künstliche Intelligenz namens M.I.L.O., kann ihr nur sehr wenige und unbefriedigende Antworten geben, und so muß sich Elizabeth Hansen (Mélanie Laurent) ganz auf ihr nur schemenhaft vorhandenes Gedächtnis verlassen - immerhin läßt sie M.I.L.O. im Internet recherchieren, findet ihren eigenen Namen heraus und daß sie eigentlich verheiratet ist. Dennoch möchte Liz, die an einigen Leitungen und Schläuchen hängt und sich in ihrem kommoden Sarg im Liegen zwar halbwegs frei bewegen aber nicht aufrichten kann, unbedingt den Deckel öffnen, doch dies ist ihr verwehrt und funktioniert laut M.I.L.O. nur mit einem speziellen Code, den sie nicht hat. Als die zunehmend hektisch werdendere Eingeschlossene auf eigene Faust probiert, den Deckel aufzuhebeln, erhält sie leichte Stromschläge, die zum Schutz dieses seltsamen Krankenbetts installiert wurden. Zu allem Übel sinkt während dieser Zeit auch noch der Sauerstoffvorrat, was Liz zusätzlich unter Druck setzt. Als die künstliche Intelligenz eine Telefonverbindung zu einer Notrufzentrale herstellen kann, scheint ein Officer ihr wirklich helfen zu wollen...
Der Franzose Alexandre Aja hat sich als Regisseur mit seinem vielbeachteten 2003er Horrorschocker High Tension einen Namen gemacht und diesem einige ähnlich erfolgreiche Werke - wie das Remake von The Hills Have Eyes oder auch Mirrors - folgen lassen, doch zuletzt sein 2019er Crawl, ein schwacher Tierhorror-Streifen, hat mir nicht mehr gefallen und mit dem vorliegenden Oxygène verhält es sich nicht anders.
Die Grundidee des Films, an einem Ort mit nur einer dort eingeschlossenen Darstellerin zu beginnen, ist zwar nicht neu, kann aber aufgrund dessen moderner technischer Einrichtung samt KI zunächst Interesse wecken. Mit zunehmender Laufzeit jedoch erweist sich die Hauptdarstellerin schlichtweg als unsympathisch, da sie einerseits nur bedingt logisch reagiert und sich andererseits ihre (zeitweilig eingespielten) gedanklichen Rückblenden ihres bisherigen Lebens ausschließlich auf romantische Momente mit ihrem Ehemann beziehen. Diese mit Klaviergeklimper unterlegten Passagen, in denen ein stummer Mann ohne weiteren Aussagewert zu sehen ist, während seine Ehefrau in einem medizinischen Gefängnis eingesperrt bei stetig geringer werdendem Sauerstoffgehalt um ihr Leben kämpft, haben nichts miteinander zu tun und gehen vermutlich nicht nur mir meilenweit am Allerwertesten vorbei. Wenn man dann später noch feststellt, daß der komplette Film nur an diesem einen Ort spielt, sich die geringe Spannung ganz ausschließlich aus dem bewußten Vorenthalten von Informationen speist und überdies einige völlig sinnlose Begebenheiten nur zum Hinhalten und zur Verwirrung des Publikums eingebaut wurden, muß man sich schlußendlich verarscht vorkommen.
Dabei wäre es gar nicht so schwer, mit etwas nachvollziehbarerem Verhalten dem Plot mehr Logik zu verschaffen: in einem geräumigen Sarg eingesperrt, würde man als erstes laut rufen und sich mit Klopfgeräuschen bemerkbar zu machen versuchen; weiters würde man z.B. versuchen, die Beine anzuziehen und damit den Deckel aufzustemmen. Liz aber versucht stattdessen, die Dichtung zwischen den Schalen wegzukratzen, wozu sie außer ihren Fingernägeln auch (gar nicht dumm) eine abgezogene Spritze verwendet. Die zahlreichen Schläuche, an denen sie hängt, entfernt sie dagegen wieder relativ spät (Füsse, Stichwort Bewegungsfreiheit) und so setzen sich die Ungereimtheiten fort.
Leider kann man auf viele Details des Films nicht näher eingehen ohne zu spoilern, das allergröbste Logikloch als solches (die Telefonverbindung!) sei jedoch erwähnt, ergibt sie doch - besonders nachdem klar ist, wo und in welcher Lage sich Liz befindet - so absolut gar keinen Sinn. Nach etwas mehr als einer Stunde Laufzeit ist dann die Katze aus dem Sack: in einer knapp zweiminütigen Sequenz wird - unterlegt von dramatischen Klängen - das Meiste (...) erklärt, doch damit ist der Film leider noch lange nicht zu Ende. Ein logisch denkender Zuseher, der dieses Szenario vielleicht vorausgeahnt hat, ist wie das restliche Publikum von den zuvor gesehenen falschen Spuren eher irritiert, in jedem Fall aber gelangweilt.
Die somit vorgefundene Situation, in der Liz steckt, ist zwar keineswegs innovativ, stellt aber einen wenigstens halbwegs interessanten Ansatzpunkt für eine Bewußtwerdung oder eine Diskussion dar - für dieses beim Regisseur (zu dessen Gunsten!) angenommene Anliegen gibt es Punkte, für die Exposition dagegen nicht. Oxygène würde als Kurzfilm mit 15 bis 20 Minuten Länge durchaus funktieren, das Auswalzen auf Spielfilmlänge hingegen schadet jener vermuteten Grundintention. Dazu kommt, daß man den Film, kennt man erst einmal die "Pointe", sicherlich kein zweites Mal anschaut. Gerade noch 4 Punkte.