'Fortführung' der ursprünglich 2018 ausgestrahlten Fernsehserie Flying Tiger als Zusammenarbeit von Youku und Shaw Brothers, die sowohl in der Volksrepublik China als auch in HK selber trotz eines insgesamt auch angezogenen Budgets von 17. Mio USD (für 30 Episoden) ein größerer Erfolg war und eine Weitererzählung dessen kein Wunder ist. Dabei wurde die Besetzung behalten, mit dem Clou und Kniff nämlich, dass Flying Tiger II nur eine thematische Fortsetzung ist, keine konkrete, und dass die Darsteller getreu ihrer Funktion zwar eingesetzt werden – der in HK ausstrahlende Sender TVB besetzt seine Leute strikt nach Image – , aber mit anderen Namen und zuweilen auch anderer Zuordnung. Die Idee dahinter ist so schlecht nicht, wird Bekanntes durchaus beibehalten, aber für Neueinsteiger ist vorheriges Wissen nicht zwingend notwendig; eine Art Frische trotz oder aufgrund der Varietät von Tradition, was durchaus eigenes Interesse erweckt.
Um HK vor den Gefahren einer finanziellen Übernahme und dem großangelegten Vertrieb von Drogen und Waffen zu schützen, wird unter Genehmigung von Paul Poon [ Lawrence Ng ], Commissioner of Police, eine geheime Anti-Terror Task Force namens "A Team" unter Aufsicht von Lok Ga-Sing [ Michael Miu ], Chief Superintendent of the Special Duties Unit gegründet, die u.a. die Mitglieder Eddie Wang Gwok-Dong [ Bosco Wong ], Senior Inspector of the Regional Crime Unit, Cheung Man Long [ Ron Ng ], Senior Inspector of the Narcotics Bureau, Ding Hou-Yin [ Kenneth Ma ], Senior Inspector of the Criminal Intelligence Bureau, Yiu Ka-Nam [ Jennifer Yu ], Senior Inspector of the Identification Bureau, und die Computerspezialistin Mou Yat-Man [ Jacky Cai ] umfasst; mit tatkräftiger Unterstützung von Mr. Brown [ Michael Wong ], Senior Superintendent der im Ernstfall tätig werdenden SDU. Probleme machen v.a. die Triadengruppierung Luen Yee, welche insgeheim vom Geschäftsmann Au Yeung-Ching [ Dominic Lam ] geführt wird, der auch schnell dem scheinbaren Undercoverpolizisten Tong Wing-Fei [ Oscar Leung ] auf die Schliche kommt. Währenddessen scheint auch die mit Eddie Wang befreundete Jean Yau [ Kelly Cheung ] und der MI6 Agent Sam Colin [ Lee Pace ] mehr zu wissen, als ursprünglich gedacht, während von der gegnerischen Seite als Unterstützung v.a. Councilor Chu Cher-ping [ Eva Lai ] von "Social Frontline" und der Medientycoon Wan Hoi [ Evergreen Mak ] intrigrieren. Dann taucht auch noch der mysteriöse Charles Ho Chun [ Joel Chan, der die zunehmenden Hänger mittig nahezu allein wieder wettmacht ] auf und bringt das eh schon nervöse Geschehen vollends aus dem Ruder.
Veränderung ist diesmal vor allem auch durch einen neuen Regisseur gegeben, war es zuvor ein (verhältnismäßig bekanntes) Trio aus u. a. den (beibehaltenen) Cha Chuen-yee und Raymond Lee, so ist nun mit (dem Mitte 2020 verstorbenen) Billy 'Bloody' Tang und damit ein Urgestein des HK-Kinos und auch des Fernsehens vorhanden. Tang hat Anfang der Neunziger neben der Beaufsichtigung der Hong Kong Criminal Archives für Asia Television Limited (ATV) bspw. auch die eindeutigen Category III Klassiker Run and Kill (1993), Red to Kill (1994) und Brother of Darkness (1994) gedreht und wird als Executive Director bei Dr. Lamb (1992) aufgezählt. Das größte Problem hierbei wird für ihn nicht die Koordinierung der vielen Stars oder die Anlage größerer, teils erstaunlich stuntintensiver, aber quantitativ eher unterforderter Actionszenen gewesen sein, sondern das politische Klima, die das Senden der Serie in China selbst schon im Herbst 2019, in HK aufgrund der damals noch anhaltenden Proteste der Bevölkerung gegenüber der Regierung und Unmut auch der Organisation der Polizei eine zeitnahe Ausstrahlung verhinderte; zumal hier eine Art Carrie Lam im 'Vorstand' sitzt und auch Themenbereiche wie Polizeitransparenz, Medienfragen, Journalismus als Störfaktor, das Relativieren von Sicherheitsfragen der Allgemeinheit gegenüber dem Individuum, die Vorteile eines Big Brother Staates in der Kriminalitätsbekämpfung etc. angesprochen werden und abgewiegelt. Ein Dreiviertel Jahr später sind die Prioritäten etwas anders angelegt.
Aus dem eher dynamischen, mit Hip-Hop und Rap unterlegten bzw. aufgeteilten Duett zweier Männer wird hier als Titelsong der Serie eine weibliche Ballade gewählt, romantischer Subplot von verschiedenen Individuen auch in den ausgesuchten Bildern des Intros, als Beilage der Aufzeichnung der zahlreich vorhandenen, noch angewachsenen Riege der Stars. Plus natürlich, aber eher untergehend auch das Versprechen von Spektakel in Form von Explosion und Destruktion, womit die Serie auch wirbt, hier aber nicht so wirkt und das Ganze im Vergleich zu Flying Tiger auch reduziert; das ursprüngliche, aus der ersten Serie übernommene musikalische Main Theme wird in Schlüsselmomenten wie als Hommage und als Closing eingespeist, ansonsten ist die Musikregie mehr als bescheiden, die Ballade hier (von Karen Mok) wird in jeder Folge gleich mehrfach bei vermeintlich emotionalen Bildern angespielt und zehrt in seiner Penetranz zunehmend an den Nerven. Auch der Rest der Arbeit vom Tonmeister verlässt sich auf die gleichen Handvoll Klänge, und das bei einer Laufzeit von ca. 20 Stunden.
Was wirkt, zumindest in der Serie, wenn auch nur eingangs selber ist der getane Aufwand und die vorhandene Finanzkraft dahinter, sieht man dergleichen Bilder heutzutage nur noch im Kino und dann auch nur noch selten; HK-Produktionen sind nicht bloß zahlenmäßig stark geschrumpft, sondern haben sich deswegen auch auf andere, preiswerte Genres oder gar Independent-Dramen verlagert, zudem wurde das Filmgeschäft letztes Jahr durch die politischen und gesellschaftlichen Unruhen empfindlich gestört und diesjährig aufgrund der Weltgesundheitskrise. Andere, reine TVB-Produktionen haben alleinig nicht die Mittel bzw. lohnt sich ein eventuell gemachter zusätzlicher Budgetzuwachs nicht – die Serie selber hat wie Flying Tiger trotz Starbesetzung auch eher mediokre Einschaltquoten bei der Ausstrahlung abgeholt, was nicht allein auf die Verschiebung zurückzuführen ist, da es ja auch den Erstling schon betraf – , sodass man dort auch keine entsprechend großen Bilder wie hier, sondern eben deutlich TV bekommt.
Dass man die Schauspieler bis auf wenige Ausnahmen wie leider die fehlende Eilza Sam oder auch Hugo Wong großteils übernommen hat und auch großteils in die gleiche Funktion, wenn auch mit anderen Rollennamen steckt, hilft den Kennern des Originals naturgemäß bei der Zuordnung, startet man hier zwar mit einem festen Szenario einer Razzia im Hafen am Kwai Chung Terminal, um die sich der weitere Verlauf dreht und wovon die Geschichte ausgeht, wird aber mit Vorinformationen ebenso gespielt wie mit verschiedenen Einsatzteams und damit auch verschiedenen Aktivitäten und Motiven. Eine gezündete Sprengladung an einem Verladecontainer beim Vollzug der ersten Polizeitruppen gibt den Startschuss zu einer aktionistischen Sequenz vor, die sich getreu den Begebenheiten ebenfalls auf mehrere Schauplätze wie ein Schusswechsel, eine rabiate Verfolgungsjagd zweier LKW durch das Industriegebiet inklusive nicht nur Autoleichen, der Stürmung eines Frachters und einer weiteren Schießerei beim tatsächlichen Waffendeal ausweitet und verteilt. Ein zehnminütiges Crescendo, welches aber eher Masse statt Klasse ist und eigentlich und erstaunlich nur in der robusten Einlage mit den beiden Transporter auf den Straßen vor der Stadt das nötige Adrenalin und dort auch echte Herausforderungen wie das Hineingeraten eines ahnungslosen PKW unter das Fahrgestell des Güterkraftfahrzeuges aufweist.
Aufgrund dessen, dass Vor- und Nachspiel der Razzia gut zwei Drittel der Einstiegsepisode ausmacht, und kurz darauf noch eine zweite (theoretisch bessere) Actionszene in Form einer Vorführung der SDU und CTRU (= Hong Kong Police Counter Terrorism Response Unit), eines Drill Exercise vor versammelter Medienlandschaft aufweist, geht die Einleitung selber recht schnell vorüber und vorhandene Schwächen (teils das Schauspiel, allen voran auch das der westlichen Darsteller) flott vorbei. Das angedeutete Geklüngel im P(i)lot um Machenschaften von MI5 und/oder MI6, Hintergründen zum Dschihad und anderen terroristischen Vereinigungen, Frontline Aktivismus, das Dark Web, Cybercrime und Identitätsdiebstahl, Doppelspionage, dem Interesse der Russen und den lokalen Einflüssen der Triaden und dem angedrohten Aufbau eines Special Teams zur Bekämpfung dieser Gefährdungen wirkt dabei eher als Bremsstein. Folge 2 ist dann eher als hoch technisierter Spionagethriller angelegt, eine mit allen Mitteln durchzogene Überwachungs- und Observierungsepisode, die sich vor allem auf den Stadtteil von Wanchai fokussiert und dort auch mit einer durchaus gelungenen Spannungssequenz das weitere Geschehen, bis in Folge 3 zu einem wilden bleihaltigen Zusammenstoß gleich dreier Gruppierungen in und auf einem Wohnkomplex und dort einem furiosen Stelldichein im Kugelhagel motiviert.
Folge 4 wiederholt diese Bravour mit einem Sturm der SDU auf eine stillgelegte Fabrikanlage in Sai Kung, in der arabische Waffenhändler residieren, während Folge 5 außer einem Abstecher nach London und dort dem Einfangen von touristischen Postkartenaufnahmen eher unnütz, viel mit gleich mehreren uninteressanten Familien'zusammenführungen', zwei neu eingeführten Darstellern und erstaunlich unverständlichen Dialogkessel ist. Folge 6 schließt mit einem Cliffhanger inmitten einer Razzia in Yuen Long, dem Ausheben eines Waffen- und Munitionslagers durch die einberufene SDU, wobei zu Beginn von Folge 7 eine direkt anschließende Amokfahrt eines Kleintransporters auf der Flucht Richtung Tsuen Wan und dessen praktische Stuntarbeit völlig unverständlich durch allerlei unnötige und auch äußert mäßige CGI zerstört werden; auf jede gelungene Einstellung und dem Einsatz des Second Unit Teams folgt praktisch eine schlechte. in Folge 8 gibt es eine kleinere, aber technisch saubere Sniper-Attacke erst auf eine Wohnung und anschließend noch in der Seitenstraße, mit gleich mehreren Angreifern und mehreren Verlusten, während in Folge 9 ein Drogendeal mit Japanern und Koreaner gestört wird.
Ab dann an ist auch die Undercoverplotte freiliegend, die erste Katze aus dem Sack, sodass man ab Folge 10 die Geschichte von einer etwas anderen Warte aus aufziehen kann und natürlich auch erstmal die Emotionen frei liegen. Nach einer versuchten Befreiungsaktion zu Beginn von Folge 11 sind drei der Figuren im Hospital, im unterschiedlichen Zustand, was die Handlung phasenweise und bis auf das Eliminieren eines zwielichtigen Mannes durch das Hinunterwerfen vom Dach am Ende in Folge 12, dem Stellen des (weiblichen) Attentäters in Folge 13 und dem Stellen eines zweiten Attentäters an einem Taxistand in Folge 15 und dies bis einschließlich Folge 19 (dort mit mehreren Kidnapping und in Folge 22 einer großangelegten Geiselbefreiung) arg erlahmt und fast zu einer Krankenhausserie werden lässt, außerdem stehen wieder die lästigen Reporter vor der Tür: "(...)Paul, get in touch with the reporters. We must pay attention to the citizen's impression of us. Do not undermine their trust or it will become a blow to our morale. Be careful with future operations. We must take into account the citizen's and the media's impression of us." Darstellerisch ist die zunehmend labberige Räuberpistole um vergangene Schandtaten, doppelte Identitäten und stets dem gleichen 'Agenten'- und 'Politik'geklüngel mäßig bis solide, das Trio aus dem Vorgänger vor allem, während ansonsten nur noch Kenneth Ma in einer anderen Rolle als üblich positiv – der Darsteller ist eher bekannt für Arzt- und andere Medizinserien – und eigentlich auch nur durch seine schlichte Anwesenheit und sonst noch Jennifer Yu sowie Routinier Lawrence Ng und Kelly Cheung (durch ihre spröde Schönheit) auffällt.