Review

Wenn man sich die Inhaltsangabe der VHS so durchliest, denkt man sofort an 08/15 B-Actionschund, der zu Recht in der Versenkung verschwand, doch so positiv überrascht wie von "The Last Warrior" bin ich schon lange nicht mehr worden. Es ist für mich ein Rätsel, warum Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Martin Wragge keine Angebote mehr bekam. Der Mann hat es wirklich raus, optisch perfekt zu inszenieren und mit den einfachsten Mitteln Spannung zu erzeugen. Allein schon erkenntlich an der idyllischen Inselkulisse, an Exotik kaum zu überbieten, verwandelt sich dieses hübsche Plätzchen in einen bedrohlichen Hintergrund. Nicht nur die Dschungelaufnahmen sind authentisch und versprühen Flair, sondern auch das Schiffswrack macht optisch viel her.
"The Last Warrior" spielt zu Kriegszeiten, die Amis und Japaner beharken sich mit ihren Kriegsschiffen auf dem Pazifik. Auf einer kleinen Insel hat der US-Soldat Gibb (Gary Graham) Stellung bezogen. Schon seit Monaten darbt er auf der Insel, vergnügt sich auch gerne mal mit den Schönheiten eines kleinen und naheliegenden Inseldorfes. Trotzdem möchte er gerne abgeholt werden, doch sein Vorgesetzter verneint dies.

Man wird sofort ein wenig an "Robinson Crusoe" erinnert, wenn man sieht wie Gibb lebt. Eine kleine Blechhütte nennt er seine Behausung, einzige Freunde sind ein paar Äffchen und das Funkgerät. Kurz gesagt Gibb ist es einfach langweilig, bis plötzlich ein japanischer Spähtrupp auf der Insel landet. Der Trupp stürmt auf das kleine Dorf zu und nimmt alle Dorfbewohner gefangen. Nur die Nonne Katherine (Maria Holvoe) kann sich verstecken. Scheinbar verlassen die Japaner wieder die Insel, doch Gibb will dem Frieden nicht glauben.
Und wir wissen, dass er recht behält, denn drei Mannen haben die Japaner dortbehalten. Auch wenn Gibbs Gegnerzahl sehr gering bleibt, bietet "The Last Warrior" doch genügend Action, um lückenlos zu unterhalten. Gibb ist auch kein Supermann, er hat stets große Probleme die Japaner mit ihren Samuraischwertern zu überwältigen. Um einige Nahkämpfe kommt er nicht herum und bei jedem Kampf muss er selbst ordentlich einstecken. Die Action ist nicht nur gut gemacht, besonders die Ruhe vor dem Kampf ist an Spannung kaum zu überbieten. Auf der Insel gibt es so viele Möglichkeiten einen Hinterhalt zu inszenieren, zudem muss Gibb nicht nur sein Funkgerät, sondern auch Katherine schützen. Doch Gibb gelingt es zwei Japaner zu erledigen, doch Mann Nummer drei (Cary-Hiroyuki Tagawa) erweist sich als besonders schwerer Brocken. Es beginnt ein harter Zweikampf.

Aber nicht so Einer, der nach Klischees verläuft. In den meisten Filmen wird der Japaner immer als tumbe Kampfmaschine dargestellt, oder besser gesagt Kanonenfutter, nicht in diesem englischen Kleinod. Sein Gegner ist hier ein Ehrenmann, der Gibb das Sterben in Würde lernen will. Er überwältigt Gibb, tötet ihn aber nicht, sondern zeigt ihm sogar, wie er mit einem Schwert oder Kampfstock umzugehen hat. Der Gegner soll dem Japaner ebenbürtig sein. Natürlich kommt es zwischen den Beiden noch zum Kampf, aber als Zuschauer ist man zwischen den Parteien hin und her gerissen, weil einem auch der Japaner auf einmal sympatisch ist. Er wird nicht als stumpfsinniger Mörder dargestellt, sondern gibt seinem unterlegenen Opfer eine fast faire Chance. Einen Endkampf lässt der Film trotzdem nicht vermissen.
Erstaunlich gut fällt das Können der Darsteller aus. Ich habe noch nie viel von Gary Graham (Flucht in den Tod, Alien Nation) gehalten, doch wie er seinen Charakter verkörpert, könnte nicht glaubwürdiger sein. Ihm absolut ebenbürtig ist Cary-Hiroyuki Tagawa (Showdown in Little Tokyo) und auch die recht unbekannte Maria Holvoe (Willow) macht einen großartigen Job.

Schmucker Geheimtipp, dessen zuerst simple Story unvorhergesehene Haken schlägt. Hochspannend, Actionreich und auch sehr brutal geht das Duell US-Soldat vs. japanischer Spähtrupp von Statten. Die Darsteller ringen sich Bestleistungen ab, der Score könnte ein wenig mehr Abwechslung vertragen, die Kulisse ist gelungen in Szene gesetzt. Wer das seltene Video irgendwo entdeckt, sollte zugreifen.

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