Stephen Kings Mini-Serien gehören, ohne Frage, mit zu den besten seines Genres. Auch wenn einige Leute bemängeln, dass King seine Geschichte meist etwas zu sehr in die Länge ziehen würde, so ist sich doch der größte Teil der Zuschauer einig, dass es sich bei Filmen wie "The Stand" oder "Sturm des Jahrhunderts" fantastisch gruseln lässt. Das letzte Ereignis dieser Art war Stephen Kings "Haus der Verdammnis", welche dem Spukhauses "Rose Red" (das wirklich in Seattle stehen soll) auf packende Art und Weise Leben eingehaucht hat. Da die TV-Mini-Serie ein absoluter Straßenfeger in den Staaten war, setzten sich King (dieses mal nur als Produzent) und Regisseur Craig Baxley, natürlich schnellstmöglich, an einen zweiten Teil der Saga ran. Heraus gekommen ist dabei ein weit weniger gruseliges aber dafür um so interessanteres Prequel der Geschichte.
"Das Tagebuch der Ellen Rimbauer" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ridley Pearson, welchen er kurz nach der TV-Ausstrahlung von "Rose Red", unter dem Pseudonym "Joyce Reardon", jener unglücksseligen Professorin aus dem Mini, auf den Markt gebracht hatte. Da er glücklicherweise auch gleich noch mit das Drehbuch verfasst hat, hält sich der Film wirklich erstaunlich eng an seine Literaturvorlage und ist mindestens auch genauso spannend und packend ausgefallen.
Es geht um Ellen Rimbauer und ihren Mann John, die sich das berühmt-berüchtigte Spukhaus in Seattle bauen lassen. Doch schon bei den Bauarbeiten kommt es zu tödlichen Unfällen, die schon vor der Fertigstellung des Hauses nichts Gutes erahnen lassen. Und fürwahr, als Ellen und ihr Mann endlich einziehen können, geschehen merkwürdige Dinge. Zugegeben, auf den ersten Blick mag das Ganze nur wenig Innovativ klingen, doch diese Tagebücher soll es ja angeblich wirklich geben. Wie viel Wahrheit in ihnen steckt darf sicherlich angezweifelt werden, doch für einen interessanten Roman- und Filmstoff reichen sie allemal aus.
Im Gegensatz zu "Rose Red" setzt das "Tagebuch der Ellen Rimbauer" aber dieses mal weit weniger auf Grusel und Horror, sondern erzählt eher das Drama, dass hinter Ellen und ihrem Mann steckt. Und das auf eine äußerst interessante Art und Weise. Das Skript ist nahezu löcherfrei und bietet viel Platz für die spannende Geschichte um die Rimbauers. Wir sehen u.a. dabei zu, wie Ellen langsam von den Mächten ihres Hauses besessen wird und erfahren, was wirklich hinter den Geistergeschichten des Spuk-Hauses steckt. Dabei werden natürlich auch einzelne Versatzstücke des TV-Minis aufgegriffen, z. Bsp. die Szene in der sich der Onkel der Kinder April und Adam Rimbauer, mit einem Strick erhängt. Diese Szene wurde schon als Traum von Steve Rimbauer (dem Enkel von Adam) im Mini benutzt. Und einige der damaligen Erzählungen von Joyce Reardon, erhalten endlich eine Gestalt. Alles in allem hat Pearson das Kingsche Skript zu "Rose Red" passend und interessant weitergeführt (bzw. zurück geführt).
Wirklichen Grusel darf man dabei allerdings nicht erwarten. Denn darauf wurde hier leider größtenteils verzichtet. Da man sich mehr auf die Story und weit weniger auf die Gruseleffekte besonnen hat, dürften wohl so manch ein Zuschauer enttäuscht sein. Nur ab und an mal ein verdächtiges Knarren hier und da und eine leicht gruselige Geisterbeschwörung, laden zum bibbern ein. Ansonsten ist in diesem Punkt leider Fehlanzeige und das ist dann doch etwas schade. Zumal sich deshalb auch ab und an ein wenig Leerlauf breit macht, den man aber verschmerzen kann.
Dafür trumpft das Geschehen allerdings wieder durch eine beeindruckende und atmosphärische (TV-)Inszenierung auf. Sowohl die Kulissen als auch die Kostüme passen perfekt in die Anfangszeit des 20. Jahrhunderts, in dem diese Geschichte spielt, und erwecken diese Zeit somit wohl aufs vortrefflichste zum Leben. Dazu der wunderbare und absolut passende Einsatz einiger subherber, teils herrlich kühler Farbfilter, die einem ebenfalls mit wohlwollen ins Auge fallen und für eine absolut glänzende Optik sorgen.
Zudem darf auch der Soundtrack nicht vergessen werden. Wie schon bei "Rose Red", komonierte auch hier Gary Chang den beeindruckenden Score. Auch wenn er sich sehr stark an seiner Musik vom Vorgänger bediente, so kann er dennoch, oder gerade deswegen, für eine wunderbare Untermahlung des Ganzen sorgen, die dann doch ab und an mal für Gruselstimmung sorgen kann, dort wo eigentlich keine ist. Und für ein paar gute Erinnerungen an den Vorgänger, ist sie ebenfalls gut zu gebrauchen.
Und als letztes seien dann noch die Darsteller erwähnt, die ebenfalls allesamt ein sehr gutes Bild machen. Auch wenn aus dem Vorgänger leider nur die fröstelnde Tsidii Leloka, als Hausmädchen Sukeena, übrig geblieben ist, so kann auch der neue Cast überzeugen. Lisa Brenner macht als geknickte, angepasste Ehefrau Ellen eine absolut glaubwürdige Figur und Steven Brand ist als notorisch untreuer Ehemann John ebenfalls nicht zu verachten. Man darf zufrieden sein.
Fazit: Interessante und packende Vorgeschichte zu "Rose Red", einem der besten King-TV-Grusler überhaupt. Auch wenn die Grusel-Elemente dieses mal nur sehr geringfügig ausgefallen sind und auch ein paar Längen in den 85 Minuten Film nicht ganz zu übersehen sind, so bleibt die Geschichte an sich, trotzdem durchgehend interessant und spannend. Dazu kommen die wunderbare Inszenierung und gute Darstellerleistungen. Mit dem TV-Mini können die Tagebücher der Rimbauer zwar nicht mithalten aber man darf zufrieden sein.
Wertung: 7,5/10 Punkte