Review

Nicht nur das "große" Hollywood versorgt uns in letzter Zeit verstärkt mit Fortsetzungen, nach denen eigentlich niemand gefragt hat, auch das US-TV mag sich die Gelegenheit, auf eine Erfolgsproduktion noch einen draufzusetzen, offenbar nicht entgehen lassen.

So gibt es hier also ein "Prequel" zum "Haus der Verdammnis" - soll heißen: Was sich in Laufe des Vorgängerfilms als Ursache bzw. Vorgeschichte des ganzen Spuks herausgestellt hat, wird hier noch einmal komprimiert auf Gott sei Dank kurzen 80 Minuten zur Ansicht gebracht. Wir erleben also die wenig glückliche Ehe der Hausherrin des "Rose Red" Anwesens, Ellen Rimbauer, deren Ehemann sich alsbald als liebloses Scheusal mit eher abseitigen sexuellen Präferenzen herausstellt. Und natürlich wird auch das nach wie vor recht eindrucksvolle Spukhaus aktiv, so verschwinden diverse Menschen, darunter Ellens leicht behinderte Tochter, und die Bauarbeiten gehen auch weiter ...

Um es kurz einzuflechten: Ich fand den Vorgänger/Nachfolger nicht so übel, zwar überlang und nicht besonders stringent, aber immerhin ganz unterhaltsam. Warum aber nun dieses glanzlose Prequel hinterhergeschickt werden musste, erschließt sich mir dagegen ganz und gar nicht. Die Story bietet nun wirklich nichts Neues - wie sollte sie auch ? Irgendwelche erhellenden Zusatzinformationen etwa zur Ursache des Ganzen habe ich jedenfalls nicht entdeckt. Auf die Frage, womit denn der Zuschauer statt dessen zu fesseln wäre, wissen die Macher des Streifens offenkundig keine Antwort. Im Wege stehen dabei in erster Linie die Restriktionen des kommerziellen US-TV. Während sich die Bezahlsender wie HBO in punkto Sex und Gewalt keinerlei Zurückhaltung auferlegen, strömt hier aus jeder Szene eine derart heftige Selbstzensur, die den Film manchmal schon fast lachhaft erscheinen lässt. Insbesondere die Ausschweifungen und die sexuelle Abseitigkeit des Ehemanns werden dermassen prüde dargestellt (oder besser angedeutet), als wären wir im Doris-Day-Kino der 60iger. Demgemäß ist natürlich auch in Sachen Horror nichts wirklich Erschröckliches zu erwarten; einziges echtes Gruselelement sind einige kurze Toneffekte und ein paar äußerst minimalistische Tricks, kurz: Nichts, was es bei Hui-Buh, dem Schlossgespenst nicht auch schon gegeben hätte. Das ganze wird nebenbei bemerkt noch dadurch verstärkt, dass auch technisch das TV-Niveau von vorgestern herrscht (enges 4:3 Bild, 2.0 Soundeffekte auf der deutschen Tonspur, wodurch gerade bei einem Horrorstreifen viel von der möglichen Wirkung verschenkt wird).

Die schnell aufkommende Langeweile ist zwar durchaus von der gepflegten Sorte, man kommt nicht unbedingt in die Versuchung, auf die Stopptaste zu drücken. Immer wieder gibt es eine Einstellung oder Sequenz, die wieder so etwas wie Interesse weckt, so z.B. das Verschwinden der Tochter. Nachdem aber auch im Finale nicht mehr wirklich viel passiert, bleibt insgesamt ein sehr mäßiger Gruselstreifen auf äußerst biederem TV-Niveau mit längst bekannter Story, kaum Spannung und erst recht keinem Horror.

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