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Neben einer Handvoll Genre-Meisterwerke hat Jesus Franco eine unüberblickbare Anzahl von Trash-Granaten in die Welt gesetzt, die selbst dem eingefleischten Genre-Fan nur schwer zumutbar sind. Eine geringe Anzahl seiner Filme fällt jedoch in keine der beiden Kategorien, sie reißen niemandem vom Stuhl, sind aber auch keine Totalkatastrophen. Kein Wunder also, daß sie zu seinen unbekanntesten Werken zählen.
Franco hat dem Frauengefängnisgenre mit "Sadomania" einen zwar schludrigen, aber auch extrem schlüpfrigen und sadistischen Höhepunkt beschert, wie zuvor schon mit "Frauengefängnis" und "Frauen für Zellenblock 9", formal und schauspielerisch besseren Filmen. "99 Mujeres" konnte mit Maria Schell und einem der besten Soundtracks (von Bruno Nicolai) überzeugen, obwohl er auf extreme Grausamkeiten und exzessive Sexszenen verzichtet.
"Los Amantes de la isla del diablo" ähnelt - zumindest in der verfügbaren DVD-Fassung - am stärksten "99 Mujeres", obwohl manche Szenen auch fast 1:1 in den späteren, erwähnten Werken vorkommen. Angeblich existieren von diesem Film auch mit Sex und Gewalt aufgemotzte Fassungen.
Der Film beginnt etwas konfus, wird dann aber rasch zu einem ziemlich eingleisigen Werk, wenn auch der erste, kürzere Teil in einem Rückblick auf die Intrige (die man dann vergesen kann, da deren ziemlich konstruiert wirkenden Details danach überhaupt kein Gewicht mehr haben), und der zweite Teil in einem Rückblick auf die Gefangenschaft und Flucht des Pärchens - "die Liebenden von der Todesinsel" eben - besteht. Die Gefangenschaft des Mannes wird so gut wie ausschleßlich durch Szenen der Zwangsarbeit im Steinbruch gezeigt, während die Haft seiner Geliebten in die Frauengefängnisklischees hinübergleitet, ohne die bekannte Liste an WIP-Bestandteilen auch nur annähernd vollständig abzuarbeiten. Weder sind die Frauen ständig nackt, wie in Francos späteren Filmen, noch sind außergewöhnliche Brutalitäten zu sehen. Eine Elektroschockszene paßt eigentlich gar nicht in das ganze Ambiente, aber auch diese ist keineswegs hart. Da die gesamte Gefängnishandlung - Einlieferung, Eingewöhnung, Flucht, Bestrafung der Fluchthelferin, Exekution - erwartbar eingleisig abläuft , taugt sie lediglich als Demonstration der pessimistischen Sicht auf das Justiz- und Strafsystem, eine Sicht, die durch den Rechtsanwalt Lindsey sehr gut personifiziert wird. Die anderen Personen spielen passabel. Die Intrigantin, gut besetzt und gute Ansätze zeigend, kann ihre Rolle überhaupt nicht ausspielen, da der ganze, vielleicht interessant sein könnende Plot nur als Aufhänger verwendet wird, um dann doch eine relativ konventionelle Gefängnisgeschichte zu bringen, deren Charaktere sich dann aber auch nicht entfalten können, da zuviel Zeit mit der Vorgeschichte vertan wurde. So bleibt alles lau und der Film ist definitiv einer jenen WIP-Filme Francos, die man nicht gesehen haben muß.

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