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Die erfolgreiche Kunstrestauratorin Catherine Claire (Amanda Seyfried) aus Manhattan führt ein stressiges Leben zwischen Beruf und Familie. Ihre Essstörungen mühsam unterdrückend, zieht sie auf dessen Vorschlag hin mit Ehemann George (James Norton) und der 4-jährigen Tochter Franny alsbald auf ein ländliches Anwesen in einer weit entfernten Kleinstadt, ihre beruflichen Ambitionen damit allerdings vorerst begrabend. Doch jenes Haus birgt einige Geheimnisse, wie sich von selbst bewegende Gegenstände, einen nächtlichen Geist, der die Kleine erschreckt oder auch einen seltsamen Ring, der im Küchenfenster feststeckt. Catherine, für solch mystische Erscheinungen empfänglich, forscht nach den früheren Bewohnern, während ihr Gatte fröhlich-nonchalant seine neue Stelle einer Gast-Professur in einem nahe gelegenen Campus genießt. Doch die Schriften des Theosophen Emanuel Swedenborg, dessentwegen er dort arbeitet und die in jener Uni einen hohen Stellenwert genießen, interessieren ihn nicht wirklich, stattdessen nutzt der etwas linkisch, aber stets optimistisch-fröhlich auftretende George die erstbeste Gelegenheit, eine Studentin zu bumsen. Catherine, die davon nichts mitbekommt, gelingt es, mit Hilfe von Georges Uni-Vorgesetztem (einem überzeugten Swedenborgianer) die seltsamen Ereignisse in ihrem neuen Domizil zu ergründen: Nicht nur, daß sich dort ein böser Geist aufzuhalten scheint, auch mit ihrem Mann stimmt irgendetwas nicht...

Mit ihrem Haunted-House-Streifen Things Heard & Seen, der sich auf einen Buchtitel von Emanuel Swedenborg bezieht, legt das  Regisseurs- und Drehbuchautoren-Paar Shari Springer Berman und Robert Pulcini einen eher konventionell gestrickten Mystery-Streifen vor, der den geneigten Genrefreund zwar die meiste Zeit gut zu unterhalten vermag, es jedoch lange vermeidet, auf den eigentlichen Punkt zu kommen, erst spät das Tempo anzieht um dann in ein umso enttäuschenderes Finale zu münden.

Gegensätze, so heißt es, ziehen sich an, aber die Claires scheinen vom Wesen her so überhaupt nicht zueinanderzupassen, daß es schon auffällig ist: hier die sehr aufmerksame, unter Streß stehende und streckenweise zerbrechlich wirkende Catherine, dort der joviale Jung-Professor, der seine Umwelt hauptsächlich durch freundlichen Small-Talk gewinnt, ansonsten aber keine weiteren Charaktereigenschaften zu besitzen scheint. Die unheimlichen Mächte im alten Landhaus bringen die beiden, die die Geschehnisse so völlig unterschiedlich bewerten, noch weiter auseinander. Der zu erwartende Bruch läßt jedoch noch eine zeitlang auf sich warten, während der Zuseher langsam aber sicher auf Ungereimtheiten in Georges Vergangenheit aufmerksam gemacht wird: Kann er wirklich so gut malen, wie die Bilder in seinem Büro es darzustellen scheinen? Und wieso weicht er manchen Kollegen/innen so dezent aus?

Der deutlich spannendere Filmcharakter aber, nämlich jener der Ehefrau (Seyfried), dringt mit Hilfe der Swedenborgschen Theorien (inkl. dramatischer Séance mit fliegendem Tischtuch) immer tiefer in das Geheimnis um das Haus vor. Die beiden Buben des tödlich verunglückten Vorbesitzers, von Catherine recht schnell als Hilfsgärtner und Babysitter angestellt, sind allerdings ebenso wie die Schriften des Theosophen nur ein Vehikel und somit Füllmittel, um den etwas undurchsichtigen Plot in die Länge zu ziehen. Wieso die beiden, die bei einem Onkel wohnen, nun unbedingt wieder die Nähe des einst elterlichen Hauses suchen, bleibt - wie so manch anderes - völlig ungeklärt. Immerhin dient der ältere der beiden - unabhängig von der Affäre ihres Gatten - der zielstrebig darauf hinarbeitenden Catherine schon bald als jugendlicher Liebhaber. Doch auch Promiskuität ist in Things Heard & Seen nur eine Randerscheinung, genauso wie die nie wieder erwähnten Esstörungen.

Wer all dies geflissentlich ignoriert und beim sich durch reichlich Thriller-Elemente ankündigenden dramatischen Finale darauf hofft, daß gewisse Filmcharaktäre zur Rechenschaft gezogen oder wenigstens der böse Geist sich offenbart, muß mit einer herben Enttäuschung rechnen, denn der Streifen schließt mit einer mystischen Szene, die in jeder Hinsicht unbefriedigend bleibt und diejenigen Zuseher, die an eine Filmlogik geglaubt haben, mit einem Kopfschütteln zurückläßt.
Mehr Ehedrama als Horrorfilm kann Things Heard & Seen trotz ansprechender darstellerischer Leistungen dem schwachen Drehbuch geschuldet schlichtweg nicht überzeugen: 5 Punkte.

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