Jemanden wie Tom Hanks kann man problemlos für mehrere Figuren in einem Film besetzen („Cloud Atlas“) oder ihm die Bühne für eine One-Man-Show überlassen („Cast Away“). Einen lupenreinen Alleingang bestreit Hanks in dem Endzeitdrama „Finch“ jedoch nicht, denn der eigentliche Fokus ist auf das Zusammenspiel mit einem Roboter gerichtet, was sich wie eine wachsende Vater-Sohn-Beziehung anfühlt.
St. Louis in nicht allzu ferner Zukunft: Eine Sonneneruption hat die Menschheit weitgehend dahingerafft. Die Vegetation liegt hernieder, es herrschen Sandstürme und Temperaturen über 60 Grad. Erfinder Finch (Hanks) kümmert sich um seinen Hund Goodyear und hat soeben einen Roboter fertig gestellt, eine sprechende, künstliche Intelligenz, der die wesentlichen Dinge des Lebens noch beizubringen sind. Ein Road Trip nach San Francisco bietet hierfür eine passende Gelegenheit…
Nicht ganz zufällig stimmt die Hauptfigur zum Einstieg „American Pie“ an, was textlich ein wenig über seine derzeitige Situation aussagt, denn der Techniker ist gesundheitlich merklich angeschlagen und konstruierte Jeff, wie sich der Roboter im Verlauf selbst tauft, eigentlich nur, weil er seinen Hund immer geschützt und in guten Händen wissen möchte. Der Werdegang von Jeff ist glücklicherweise mit einigen humorigen Einlagen gespickt, die aufgrund des gewinnbringenden Charakterdesigns wunderbar funktionieren. Ob er laufen lernen muss oder später den umgebauten Camper steuert, sich Regeln der Erkundung in Trümmerstädten zu eigen macht oder bei sprachlichen Floskeln nachhakt, - es herrscht eine einnehmende Chemie zwischen Mensch und Maschine.
Leider kommen die Bedrohungen der Reise ein wenig zu kurz, zumal die Gestaltung der Sets durchaus etwas hermachen und die Folgen eines Tornados eindrucksvoll in Szene gesetzt sind. Zudem tendiert das Konfliktpotenzial gegen Null, obgleich Humor und Tragik zuweilen dicht beieinander liegen. Zwar gerät die Erzählung nie zu rührselig oder gar kitschig, allerdings auch nicht allzu tiefsinnig, komplexere Themen wie die Definition von Vertrauen werden jeweils nur kurz angerissen, ferner hinterfragt sich Jeff zu keiner Zeit selbst, was in Hinblick auf seine emotionale Entwicklung eher weniger glaubhaft ausfällt.
Dennoch bereitet die Reise einige Freude, der Hund ist toll (und genauso gut trainiert), während der eine oder andere Song („Road To Nowhere“ von Talking Heads) die jeweilige Stimmung genauso treffend untermauert wie der effektiv abgestimmte Score. Zwar wird Tom Hanks nicht über Gebühr gefordert, doch allein auf weiter Flur schlägt er sich gewohnt tapfer, den Rest erledigt seine Präsenz und die grundsolide Ausstattung einschließlich eines ansprechend gestalteten Roboters, der nicht ganz zufällig immer menschlichere Verhaltensweisen an den Tag legt.
7,5 von 10