In Amsterdam, der Stadt der Grachten, hat sich der titelgebende Ferry Bouman (Frank Lammers) als Enforcer emporgedient und ist mittlerweile die rechte Hand seines Boss´ Brink (Huub Stapel). Die Drogengeschäfte dieses distinguiert auftretenden Mittfünfzigers laufen recht erfolgreich, nur sein Sohn, der noch nicht so richtig in die Fußstapfen seines Vaters treten will, macht ihm Sorgen. Eines Tages werden Brink und seine Männer während des Geldzählens in einem Hinterzimmer überfallen und ausgeraubt, was den Drogenhändler mächtig sauer macht, da auch sein Sohn dabei angeschossen wurde. Also wird Ferry losgeschickt, die Sache zu klären - die drei Täter hatten offenbar einen Tip bekommen und erste Hinweise deuten auf deren Herkunft aus dem Süden der Niederlande hin, wo auch Ferry einstmals aufwuchs. So macht sich der wortkarge, bullige Mittvierziger dann alleine auf den Weg nach Brabant. Ein Besuch bei seiner Schwester, mit der er seit Jahren heillos zerstritten ist, bringt ihn zumindest auf die Spur der Täter, denn deren Ehemann (der früher selbst im Milieu aktiv war) erkennt einen der drei auf den Bildern der Überwachungskamera. Diesem Hinweis folgend mietet sich Ferry dann in einem belgischen Wohnwagenpark ein und wartet...
Ferry ist von der belgischen Regisseurin Cecilia Verheyden eigentlich als Prequel zu ihrer bereits existierenden Serie Undercover konzipiert worden und beleuchtet den Werdegang des Hauptdarstellers Ferry. Als Kind der Provinz ging jener nach einem familieninternen Streit nach Amsterdam und schloss sich, als regelmäßiger Kokser im Drogenmilieu unterwegs, irgendwann dem Brink-Clan an. Seine nicht sonderlich ausgeprägte soziale Ader machte der übergewichtige Ferry jedoch mit absoluter Loyalität wett, und so ist es kein Wunder, daß Brink ihm den Auftrag gibt, die Sache zu "klären" - wobei hier nicht die Wiederbeschaffung der Beute gemeint ist, sondern das "Ausschalten" der Täter, was Ferry mit kurzem Nicken bestätigt.
Nicht, daß die Handlung größere Spannung verspricht oder der schon häufiger gesehene Plot einer Abrechnung unter Gangstern etwas Neues wäre, ist es eher die Figur des Ferry, die den Film interessant macht: Denn der geht ohne größere Vorbereitung vor, achtet nicht auf Deckung und verläßt sich eigentlich nur auf seine Fäuste und seine Pistole. Daß er auf dem Campingplatz dabei die Bekanntschaft der alleinstehenden, lebenslustigen Daniëlle (Elise Schaap) macht, fädelt er zwar nicht ungeschickt ein, läßt jedoch ebenfalls nicht auf besondere Planung schließen - die Dame putzt nämlich zufällig im Haus des auswärts weilenden Gangsters. Als dieser dann zurückkommt, erlebt er eine unschöne Überraschung, die mit einer wenig sportlichen Einlage in einer Kiesgrube endet. Ferry ist das aber alles ziemlich egal, der Mann mit dem Bullenbeißergesicht zeigt wie immer keinerlei Emotionen, und dennoch wird er, nachdem ein Teil des Auftrags erledigt ist und er wortlos verschwinden will, wieder mit Daniëlle zu tun haben.
Das Prequel um den späteren Serien-Hauptdarsteller (dessen dortiges Erscheinungsbild erst auf den letzten Filmmetern kurz eingeblendet wird) ist ein eigenständiges Gangsterdrama, und obwohl Lammers keineswegs als Sympathieträger taugt (und auch sonst niemand in diesem Film), so ist es doch ganz unterhaltsam, wie sich die Geschichte um den schweigsamen Killer und die flippige Daniëlle entwickelt: 7 Punkte.