Review

The Sequelizer


Stephen Lang als namenloser blinder Kriegsveteran war im sensationellen Original der unangefochtene Star der wendungsreicher Home Invasion-Show. Er war kein Held, nichtmal mit einem „Anti“ davor, eher ein gefährliches Monster - doch er war und ist eben das Aushängeschild, der Kopf, das, an was man sich ewig erinnern wird, wenn man an „Don't Breathe“ denkt. Schon damals immer zwischen genial-ikonisch und deutlich drüber, aber ohne Frage mit Wiedererkennungswert und Eiern. Letzteres (wenn auch in seinen ethischen wie logischen Grundsätzen diskutierbar) beweist man nun auch mit der Fortsetzung, irgendwo zwischen garstigem Add-On und plumpem Cashgrab, in der Langs düstere Figur ohne Augenlicht nun nahezu ohne charakterliche Schatten zum Helden und Beschützer eines kleinen Mädchens hochgepusht wird - und dieses natürlich mal wieder gegen (nun wesentlich fiesere und eindeutig bösere) Einbrecher und Entführer verteidigen muss, wobei er erneut alles andere als zimperlich vorgeht, irgendwo zwischen einem ergrauten Michael Myers, John Rambo und Zatoichi…

„Don't Breathe 2“ kann komplett in sich zusammenfallen, wenn man die oben genannte Tatsache und Charakterverdrehung und nahezu totale Ignorierung des Vorgängers nicht mitgeht. Dann wird aus einem deutlich schwächeren, aber immer noch soliden Teil 2 schnell ein absoluter Reinfall. Doch da ich mich mit der Entscheidung dann doch noch anfreunden konnte, sehe ich dieses Sequel nicht im roten Bereich. Klar hätte auch ich es sicher nicht gebraucht, gucke ich lieber das Original, ist Sayagues kein Alvarez. Auch ist der Film oft zu dunkel aufgenommen und wiederholt viele der gewohnten Beats aus seinem überlegenen Vorgänger. Aber er hat ebenso Zutaten, die ich fast Schauwerte und Kurzweileverbreiter nennen würde. Zum einen natürlich Lang, der diese Rolle einfach einmalig verkörpert. Dann ließ man dem Kameramann scheinbar großen Freiraum - und der liefert ein paar wirklich nette Schwenks, One-Shots und Spielereien. Dann bleibt der knallharte Krimi keine Sekunde zu lang, er lässt sich gut weggucken, hat einige echt feine Gorespitzen und sogar eine Kinderfigur, die null nervt oder dumm handelt. Daher ist „Don't Breathe 2“ für mich ein durchaus solides Beiwerk. Hat keiner nach gekräht, hat jeder sicher schnell vergessen. Hat dennoch schön pulpige Spuren (vor allem in seinen karikaturesken Bad Guys) und nimmt sich in seinen Kills nicht zurück. 

Fazit: an und für sich als harter Thriller durchaus dreckig und annehmbar. Als Fortsetzung jedoch mit einigen dicken Fragezeichen oder gar Problemen - sowohl filmübergreifend-charakterlich wie auch von seiner Kreativität, Daseinsberechtigung, Spannung. Spürbar eine Fortführung, die nur auf Grund des Erfolgs und der Qualität des Originals entstand, vorher nie auch nur angedacht war, eigentlich keinen Sinn macht. Dafür dann aber wiederum guckbar. 

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