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Er ist ein strenger Lehrer, der alte blinde Norman Nordstrom (Stephen Lang), was die ca. 10-jährige Phoenix (Madelyn Grace) immer wieder erfahren muß, obwohl sie viel lieber mal alleine in die Stadt gehen würde. Doch der drahtige Alte weiß wovon er spricht, denn in dem Detroiter Vorort, wo er das kleine Waisenkind einige Jahre zuvor, nachdem dessen Elternhaus abgebrannt war, zu sich genommen hat, treibt sich nur Gesindel herum. So bleibt nur ab und zu eine Ausfahrt mit der Frau vom Lieferservice, die Norman Konservendosen und Lebensmittel bringt. Eines Tages jedoch wird die kleine Phoenix auf solch einer Rundfahrt von einem schmierigen Typen an einer öffentlichen Toilette dumm angemacht. Der sie begleitende Rottweiler kann die Situation noch für sie klären, allerdings verfolgt sie der Typ in seinem Wagen, in dem weitere finstere Gestalten mitfahren. Noch am selben Abend steigen die Männer geräuschlos in Normans Haus ein, was der Blinde allerdings mitbekommt, nachdem er seinen Rottweiler tot im Garten auffindet. Aus irgendeinem Grund haben es die Gangster auf Phoenix abgesehen, die im Obergeschoß schläft und sich auf Zuruf Normans gerade noch in einem metallenen Schrank verbarrikadieren kann. Der blinde Alte jedoch muß mit insgesamt 5 Gegnern fertig werden, die keine Skrupel kennen - doch er ist gut vorbereitet...

Unter dem Titel Don't Breathe 2 erschien 5 Jahre nach dem überzeugenden 1. Teil ein Sequel, das allerdings trotz des gleichen Hauptdarstellers keine wirkliche Fortsetzung, sondern vielmehr ein eigenständiger Film ist, der auch fast keinen Bezug mehr zum Vorgänger liefert. Das Findelkind, das der Alte wie seine eigene Tochter aufzieht, beschützt und auf die Widrigkeiten des Lebens vorbereitet, ist die zweite Hauptfigur des Streifens und diesmal Normans Verbündete, während er zuvor als Einzelgänger auftrat. Nicht geändert haben sich dagegen seine Gegenspieler, die auch diesmal irgendwo zwischen Unsympathlern und Arschlöchern zu verorten sind, woran auch ein kurzer Twist in der Mitte des Films nichts zu ändern vermag. Und damit sind dann auch die Fronten geklärt, denn Don't Breathe 2 findet bis zum bitteren Ende nur in 2 Locations statt: zuerst in Normans und dann in der Gangster Behausung.

Wurzelte der 1. Teil partiell noch im Horror-Genre, ist diese Fortsetzung deutlich actionlastiger geraten und läßt den Alten trotz seiner Blindheit erwartungsgemäß zur Höchstform auflaufen. Durch die Verwendung des bereits bekannten Musters, daß ein einzelner Blinder sich mehrere "Sehende" vom Leib halten kann, ist allerdings auch das Überraschungsmoment weg - zu keiner Zeit bestehen Zweifel, daß Norman am Ende obsiegen wird. Wie er das anstellt, ist größtenteils packend in Szene gesetzt, gleichwohl der Alte auch sehr viel einstecken muß, was er allerdings jedesmal erstaunlich gut übersteht.

Lobenswert ist die Atmosphäre, die Regisseur Rodo Sayagues für den Film heraufbeschwört - eine völlig heruntergekommene Gegend, in die kein normaler Mensch einen Fuß setzen würde: es gibt keine Polizei, keine Feuerwehr, keine Notrufnummer, ja nicht einmal einen freundlichen Nachbarn, der einem zu Hilfe kommen könnte, und die einzige Person, die zugunsten der Überfallenen intervenieren könnte, bekommt relativ früh im Film einen Vorschlaghammer in den Schädel gerammt.

In all der Action verhaspelt sich der Streifen aber auch das eine oder andere Mal und offenbart schon recht früh, daß das hohe Gewaltlevel oftmals nur dem reinen Selbstzweck dient. So gelingt es Norman, einem der Gangster Mund und Nase mit Klebstoff zu verschließen, was einen seiner Spießgesellen dazu bringt, mit einem Schraubendreher dem Kollegen nicht etwa den Mund aufzustemmen, sondern einfach ein Loch in dessen Backe zu stechen (wtf?). Nachdem der Betreffende wieder atmen kann, schneidet er sich mit einem Messer selbst den Mund auf, um wenige Filmminuten später wieder munter und fröhlich umherzulaufen. In einer anderen Szene schafft es die zierliche kleine Phoenix, am Abgrund hängend das Gewicht eines Erwachsenen mitzutragen, später gelingt es einem gerade blind gewordenen Gangster, zielsicher(!) dem blinden Alten einen Stich zu verpassen, und dergleichen Unglaubwürdigkeiten gibt es noch ein paar mehr.

Fazit: ein temporeich inszenierter Actioner mit einigen Schauwerten, der allerdings ohne weitere Figurenzeichnung oder Tiefgang stur sein Konzept des (Überlebens-)Kampfs durchzieht, sich damit in eine ganze Reihe ähnlich gelagerter Home-Invasion- und Revenge-Streifen einreiht und daher auch schon bald wieder vergessen ist. 6 Punkte.

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