Hab mir gestern, probehalber, mal eine "romantische Liebeskomödie" ausgeborgt(heisst TipToes)...so ein High Budget Hollywood-Produkt mit einer ganzen Riege erstklassiger Schauspieler(Gary Oldman,Patricia Arquette,Kate Beckinsale...). Laut Klappentext geht es darum,dass ein junges Paar, das seit einem Jahr zusammen ist,plötzlich ein Kind bekommt(Also zumindest Sie bemerkt, dass sie schwanger ist und kommt dann im Zuge der Schwangerschaft drauf,dass ihr Mann aus einer Familie von sogenannten"Kleinwüchsigen", also Lilliputanern, stammt). Er ist der einzige Großgewachsene, alle anderen sind mini. Er hat auch einen Zwillingsbruder, der leicht verkrüppelt(Buckel,hinkt) und klein ist.Also besteht die berechtigte Sorge dass das Kind auch als Kleinwüchsiger auf die Welt kommen wird.
So weit, so gut(?)Klingt ja nicht so übel und ist vielleicht mal was abseits der Mainstream Lovestorys habe ich mir gedacht. Aber nix. Abgesehen davon, dass die Rolle des Mini-Bruders von Gary Oldman gespielt wurde(Dem man phototechnisch die Beine wegretuschiert hat...es ist offensichtlich dass er den ganzen Film auf seinen Knien herumrutscht..darum auch der Stock/das Hinken, um seinen blöden Gang zu rechtfertigen...weil man anscheinend, so wie man früher,in den Urzeiten des Films,die Schwarzen durch geschminkte Weisse dargestellt hat, keinem Lilliputaner eine solche Rolle zugetraut hat) sind natürlich alle stinkend reich. Die Lilliputs haben alle grosse Häuser mit Swimmingpools und jedem Luxus, ebenso die grossen"Normalen", alles wirkt so wie im Nobelviertel von Beverley Hills gedreht(Wurde es wahrscheinlich auch)Also echt wie im richtigen Leben. Was arbeiten diese Menschen um sich einen solchen Luxus leisten zu können? Keine Ahnung...anscheinend gar nix, da die ganze Zeit nur Bar-b-q oder Party stattfindet. Die USA sind scheinbar einfach so sozial und stellen jedem, der ein gewisses Alter erreicht hat,einen Bungalow zur Verfügung. Toll... ein Land in dem es keine Diskriminierung und keine Armut gibt.Danke, Onkel Sam!
Allerdings-halt-eine Person ist nicht SO wohlhabend...ein französischer Lilliputaner, der mit seinem Chopper durch die Gegend bügelt- der,wenns brenzlig wird schon mal die Knarre auspackt-und-der sich ein normalgewachsenes blondes Dummchen aufreisst(Patricia Arquette).Der Typ ist auch der sympathischste des ganzen Films, obwohl er offensichtlich als Bösewicht angelegt wurde. Ist er doch der Party-Pupser und beschuldigt die braven,reichen,amerikanischen Kleinwüchsigen, burgeouise Arschlöcher zu sein und alles nur niedlich darstellen zu wollen um von den wirklichen Problemen abzulenken. Sehr schnell wird er aber ruhiggestellt und von allen mild belächelt. Er ist Marxist...er ist Franzose...er hasst das amerikanische Essen und den american way of life...der typische Europäer halt:-)
Ganz offensichtlich wurde diese Rolle, neben der von Patricia Arquette als "Rockerbraut", aber erst nachträglich ins Skript geschrieben, um dem ganzen Tinnef doch noch eine soziale Komponente zu geben. Beide Charaktere haben nämlich absolut nichts mit der Handlung zu tun und verschwinden gegen Ende hin auch plötzlich spurlos, ohne dass irgendwer erklären würde wo die Beiden denn plötzlich hin sind....Naja.
Zum Schluss dann sitzen die Alte des"Riesen" mit ihrem Kind(Ist das jetzt auch zwergenwüchsig oder nicht? ist ja wurscht...) und der Lilliputaner auf der Terasse seines luxuriösen Hauses,mitten im Wald(Schönen Gruss von den Gebrüdern Grimm)und sie erlaubt ihm,sie zu küssen, wenn er möchte. Gary Oldman, als Lilliputaner getarnt und noch immer vom amerikanischen Publikum unerkannt, beugt sich vor und haucht Beckinsale einen Kuss auf ihren(zugegebenermassen schönen) Mund, Vorhang.
Jetzt müsste eigentlich ein kleiner Mann mit einem Schild über den Bildschirm flitzen auf dem hingemalt steht:"TABUBRUCH"!Sonst merkt das nämlich keiner von denen, die noch nicht eingeschlafen sind.Denn offensichtlich wurde es darauf angelegt...die Schöne und der Zwerg oder was weiss ich.
Kurz und gut: Gary Oldman ist wohl wieder mal knapp am Oscar vorbeigeschrammt(Schade,den hätte er auf den Knien rutschend von David Copperfield oder von Siegfried ohne Roy in Empfang nehmen können) und Hollywood hat einmal mehr bewiesen dass es zwar Filme über riesige Schlachten und Historienepen drehen kann, aber in seiner Gigantomanie an den einfachen Geschichten, an den menschlichen Zwischentönen und an allem was nicht "hip" oder "Mainstream" ist, scheitert.
Dieses verlogene, politisch korrekte Vorzeigedrama,erhält von mir nur 2 von 10 erreichbaren, den zweiten Punkt aber nur wegen Patricia Arquette und ihrem Rockerfreund:-)