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Es gibt immer mal wieder einfache, mit geringen Budgets gedrehte Filme, die über den Umweg der Festivals zumindest in die Videotheken finden. Wenn man sich zum Genre "Science Fiction" oder ähnlich Abgedrehtes zählen kann, dann ist der Zugang zu den "Fantasy Festival"-Freaks am einfachsten und so fand auch "The big Empty" zu uns.

Bemerkt man dazu noch die exquisite Darstellerliste ist es eher überraschend, daß wir fast 4 Jahre auf diesen skurrilen Film warten mußten, in dessen Mittelpunkt der Möchtegern-Schauspieler John Person (Jon Favreau) steht, der inzwischen so erhebliche Schulden angehäuft hat, daß er sogar sein Bett verkaufen mußte. Außerdem sitzt ihm noch der Vermieter im Nacken und so überrascht es ein wenig, daß er das Angebot der sexy Nachbarin, die ihn noch dazu unverhohlen anhimmelt, ihm das Geld dafür zu geben, nicht annimmt.

Stattdessen nimmt er den Job an, den ihm ein weiterer merkwürdig verschrobener Nachbar anbietet. Er soll einen Koffer, dessen Inhalt er sich nicht ansehen darf, in einem Wüstenkaff an einen ominösen Cowboy übergeben. Dafür erhält er den exakten Betrag ,den er momentan an Schulden hat, immerhin knapp 27.000,00 Dollar. Als skeptischer Normalbürger, den John "Person" hier abgibt, wundert er sich natürlich über dieses Angebot. Da der nette Nachbar aber dazu noch bestens informiert ist über Johns Masturbationstechnik und dessen ausgiebigen Gebrauch von Vaseline, läßt er sich auf das Abenteuer ein...

Er fährt mit seinem leicht verbeulten VW-Bulli in die Wüsten-Einöde und landet in einem Motel, daß von einem paranoiden Typen geführt wird, der etwas von Außerirdischen erzählt und von ständig verschwindenden Leuten. Doch unser Freund John will nur seinen Koffer loswerden und wartet auf den Cowboy, der aber immer nur dann auftaucht, wenn er gerade bei der netten Dame (Daryl Hannah) nebenan in der Bar ist oder mit deren minderjährigen Tochter flirtet. Doch als wenn das nicht schon schwierig genug wäre, wird er von dem eifersüchtigen, gewalttätigen Freund der Tochter verfolgt und es taucht noch ein FBI-Agent auf, der den Mörder seines Nachbarn sucht .Nur, wo bleibt endlich der Cowboy ?

Merkwürdig, skurril, abgedreht, verrückt, gewalttätig, paranoid, minderjährige Verführerin, eifersüchtig usw. - Fällt da Jemand etwas auf ? - Genau, hier wurde aus dem Vollen geschöpft, dazu noch eine optisch spannende Location in der kargen Wüste, schöne Bilder und ein ruhiges Erzähltempo und fertig ist das originelle anspruchsvolle Movie. Nicht erstaunlich, daß hier Regisseure wie Lynch genannt werden, um diesem Panoptikum irgendeinen verkaufsfördernden Namen zu geben.

Doch ist das gerechtfertigt ? - Leider nein. Man spürt jede Sekunde die Anstrengung, unheimlich originell und anders sein zu wollen. Doch dabei verliert man wesentliche Erzählstrukturen aus dem Blick, beginnend mit der Hauptperson. Gar nicht schlecht gespielt, aber in seiner durchaus sympathischen Mischung aus Naivität und Normalität wenig mitreißend, denn er riskiert nichts. So läßt er sofort die Finger von der süßen Tochter, nachdem ihm deren Freund einmal gedroht hat. Zur Identifikation taugt er gar nicht, nur als halbwegs interessante Figur zur Beobachtung - wie eine weiße Maus im Forschungslabor.

Auch der eifersüchtige Freund behauptet nur brutal zu sein. Selbst wenn er drohend eine Waffe in der Hand hält, hat man keine Sekunde das Gefühl, es könnte etwas passieren - kein Vergleich zum oben genannten Lynch bei dem man schon die Gewalttätigkeit beim Anblick einer Wiese spürt. So dümpelt der Film ruhig vor sich hin und hält den Betrachter mit seiner Mischung aus paranoiden Wahnvorstellungen, merkwürdigen doppeldeutigen Dialogen und Zitaten und Anspielungen auf diverse Science Fiction Filme bei der Stange.

Und mit der Erwartungshaltung auf eine geniale Auflösung. Denn diese braucht der Film einfach, denn nur dadurch bekommt die offensichtlich konstruierte Story im Nachhinein einen Sinn, selbst wenn der völlig abgedreht wäre. Doch hier versagen die Macher völlig und tischen uns die profanste, schon in zig Varianten erlebte 08/15 Lösung auf.

Fazit : im Detail skurriler, optisch schöner Film mit guten Schauspielern. Leider ist die Story so bewußt auf originell getrimmt, daß sie jegliche Spannung verliert und die konstruiert wirkenden Konflikte nicht wirklich packen können. Eine Identifikation mit der Hauptperson entsteht ebenso wenig, so daß der Betrachter nur deshalb den Film weiter betrachtet, um endlich zu erfahren, was hinter dem gesamten merkwürdigen Geschehen steckt.

Hier gilt nicht die Regel, daß ein schwaches Ende die vorherige Leistung nicht in Frage stellt, denn hier hängt die gesamte Story an diesem Ende, weshalb der Film trotz aller Skurrilität und scheinbaren Nähe zu außerirdischen Aktivitäten, nicht wirklich empfehlenswert ist (4/10).

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