„Godzilla“-Regisseur Ishirô Honda zeichnet für zahlreiche weitere Kaijus verantwortlich, so auch für den im Jahre 1964 veröffentlichten „X 3000 – Fantome gegen Gangster“. Zumindest dessen deutsche Synchronfassung ist eine echte Rarität, denn diese lief 1966 im Kino, hat aber nie eine Heimkinoveröffentlichung oder TV-Ausstrahlung erfahren. Von 35 mm ist sie aber alle Jubeljahre mal auf Filmfestivals zu sehen, sodass auch ich in den Genuss kam.
Eine unbekannte außerirdische Macht lässt zunächst Raumschiffe und später auf der Erde sowohl Diamanten als auch Kohlenvorräte verschwinden. Wie sich herausstellen wird, handelt es sich um eine extraterrestrische Riesenqualle, die es auf Kohlenstoff abgesehen hat und diesen inhaliert wie ein gigantischer Staubsauger. Die Polizei verdächtigt zunächst die üblichen Ganovenbanden des Diamantendiebstahls. Zusammen mit dem US-amerikanischen „Diamanten-G-Man“ Wolf Hanter (Robert Dunham, „Mothra bedroht die Welt“) und dem wissenschaftlichen Diamantenforscher Dr. Munakata (Nobuo Nakamura, „Barfuß durch die Hölle“) kommt Inspektor Kommei (Yôsuke Natsuki, „Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidorah“) mit der Zeit dahinter, dass die unheimliche Lebensform, die sie Dogora taufen, dahintersteckt… Doch wie lässt sie sich besiegen?
„X 3000 – Fantome gegen Gangster“ ist ein konfuses Kuriosum, eine eigenartige Mischung aus Gangster-/Agentenkomödie und Science-Fiction-Horror. Nach einer recht starken, spacig-unheimlichen Eröffnungssequenz verwässern Honda und sein Team die eigentlich interessante Geschichte leider mit Gangster-Klamauk und zudem viel unfreiwilliger Komik. Hanter ist eine ambivalente Figur, von der man sich nie sicher sein kann, was sie wirklich im Schilde führt und für wen sie tatsächlich arbeitet; dennoch unterwirft sich die japanische Exekutive dem blonden Yankee regelrecht. Im Prinzip sind drei Parteien hinter Diamanten her: Das Monstrum Dogora, eine Ganvovenbande und Wolf Hanter. Es sind jedoch gefälschte Edelsteine im Umlauf, was sich darin äußert, dass Dogora an ihnen kein Interesse hat. Der existenziellen Bedrohung aus dem All zum Trotz liefert man sich auf der Erde Verfolgungsjagden, Schießereien und will sich ständig gegenseitig den Garaus machen, was mit ein paar müden Kampfsporteinlagen (Hanter kann Karate, das dem Judo seiner Gegner aber anscheinend unterlegen ist…) und Pseudospannungsszenen einhergeht. Den Vogel schießt dabei die unnötig komplizierte und lachhaft inszenierte Rettung vor einem Sprengstoffattentat ab, an deren Ende offenbar extrem dünne japanische Fensterscheiben dran glauben müssen.
Wesentlich besser ist der Sci-Fi-Anteil gelungen: Die Zerstörungsspezialeffekte sehen prima aus und Dogoras Erscheinung, die zunächst als Wolke sichtbar wird und für die man später schlicht eine echte Tentakelqualle übers Bild legte, ist so einfach wie effektiv. Irgendwann kommt man darauf, dass Insektengift gegen den Eindringling hilft, enthält der Zuschauerschaft aber ein echtes Monsterspektakel als Finale vor. Stattdessen muss man mit den dämlichen Menschen vorliebnehmen, die sich am Strand gegenseitig abzuknallen versuchen, dem berühmten Monty-Python-Fuß nicht unähnlich aber von einem Felsbrocken dahingerafft werden (zumindest eine der Parteien).
Der Film wirkt, als habe man zwei halbfertige Drehbücher kurzerhand mehr schlecht als recht zusammengeführt, unterhält dabei aber durchaus – mal gewollt und gekonnt, mal, indem man aufgrund wirrer Handlung, hanebüchener Dialoge und dämlichen Verhaltens seiner Figuren eher über ihn statt mit ihm lacht. Und er macht bewusst: Ein Diamant ist auch nur ein Stück Kohle, das sich angestrengt hat.