Schon nach 5 Minuten packt einen das Verlangen nach der Fernbedienung. Und als ausgewiesener Filmfreund der immer den Kinobesuch dem Couchsitting vorziehen wird, ist man regelrecht dankbar, dass diese Produktion nicht wie angekündigt in den Lichtspielhäusern, sondern beim Streamingportal von Amazon gelandet ist. Dabei sah auf den ersten Blick alles so vielversprechend aus. Actionexperte Antoine Fuqua und Actionstar Mark Wahlberg taten sich nach dem knackigen Scharfschützen-Hit SHOOTER erneut zusammen, um die Leinwand in Flammen zu setzen. Aber mehr als viel Rauch brachten sie diesmal nicht zustande und hat der sich erst mal verzogen, hat man einen Panoramablick auf die unendlichen Weiten dieses filmischen Schrottplatzes.
Der Einstieg ist ein paar Sekunden noch richtig griffig. Gut, eine Highspeed-Autoverfolgung zum Auftakt haben uns schon Bond und Dom beschert und damit die Messlatte ordentlich hoch gelegt. Aber man ist ja auch schon mit solidem Handwerk zufrieden. Wenn allerdings in dieses unvermittelt die CGI-Abrissbirne einschlägt und wie aus dem Nichts ein Erklärbar sich zum Platitüdenmonster aufplustert, dann ist die Vollbremsung perfekt und der Totalcrash kaum mehr zu verhindern.
Gut, die Fernbedienung war relativ weit weg, vielleicht war aber auch die Fassungslosigkeit ob einer möglichen Bruchlandung des Teams Fuqua-Wahlberg zu groß, um sofort die Reißleine zu ziehen, jedenfalls flimmerte das Science Fiction „Epos“ INFINITE fröhlich weiter über die Mattscheibe. Und so wurde man Zeuge einer kruden Fantasy-Baukasten-Story um einen Superheldengeheimbund von ein paar dutzend Unsterblichen, der sich in zwei sich bekriegende Lager gespalten hat. Die Believers, die Guten, wollen ihr jahrhundertealtes Wissen weiter geben und in den Dienst der Menschheit stellen und die Nihilists, die Bösen, haben genug von den ewigen Wiedergeburten und wollen dem ganzen Inkarnations-Treiben ein Ende setzen und im selben Aufwasch gleich die ganze menschliche Spezies erledigen.
Natürlich, man ahnt es schon zwischen zwei Gähnattacken, gibt es mal wieder so etwas wie einen Auserwählten und - Überraschung - natürlich ahnt der nichts davon. Mark Wahlberg gibt diesen Verdutzten (Evan McCauley) ein wenig zu überzeugend, denn er scheint sich nicht nur zu fragen, wer er eigentlich ist, sondern vor allem wie er hier reingeraten ist. Hätte nur mal der zunächst vorgesehene Chris Evans nicht absagen müssen, aber alles Jammern hilft nichts, jetzt muss er eben den Connor MacLeod für das 21. Jahrhundert geben. Also schmiedet er erst einmal ein Samuaraischwert.
Leider hat er den Silberblick nicht halb so überzeugend drauf wie weiland Christopher Lambert und ein Costar wie Sean Connery ist ebenfalls weit und breit nicht in Sicht. Sein „Mentor“ ist die Kampfamazone Nora (Sophie Cookson), die wie aus dem Actionheldinnen-Discountregal des modernen Blockbuster Kinos daher kommt. Also im schwarzen Lederdress, mit kesser Lippe, geschult in einem unidentifizierbaren Mix verschiedenster asiatischer Kampfstile und beseelt von dem Wunsch, einmal so cool wie Black Widow zu sein. Kurz: Komplett austauschbar.
Ach ja, selbstredend stehen die Believers unter ungemeinem Zeitdruck, denn es gilt ein mysteriösen Ei - nein, das ist kein Scherz - zu finden, bevor sich die üblen Nihilists daran vergreifen und mit ihm gleich die ganze Menschheit in die Pfanne hauen. Leider ist das Versteck in den Hirnwindungen des guten Evan verborgen und der gilt als schizophren …
Man glaubt kaum, dass dieser in jeder Hinsicht unausgegoren Quark auf einem Roman basiert, vielmehr wirkt das Ganze so, als haben die Filmemacher ihre all time favorites MEMENTO, MATRIX und vor allem HIGHLANDER in einen Topf geworfen und die daraus destillierte Suppe für eine neue Gourmet-Sensation gehalten. Bei dem groben Ergebnis war vermutlich der Thermomox im Einsatz, jedenfalls wurden sämtliche Besonder- und Eigenheiten der Zutaten gnadenlos zerschreddert, so dass nur noch eine geschmacklose, wässrige Brühe übrig blieb.
Wer also die ersten Minuten ohne Abschaltreflex übersteht, der sei ausdrücklich gewarnt. Besser wird’s nicht mehr, aber schlimmer immerhin auch nicht. Soll heißen Fuqua liefert in angenehm kurzen Abschnitten diverse Actioneinlagen, die zwar die unschöne CGI-Keule schwingen, aber dank seiner handwerklichen Fähigkeiten in diesem Bereich einigermaßen solide daher kommen. Und der Bär trollt sich nach seinem großen Startauftriit auch wieder zurück ins Unterholz. Am Ende sind alle froh, den Reinkarnations-Ringelreihen überstanden zu haben. Insbesondere Mark und seine Fans wurden arg geschunden, aber vielleicht war ja auch alles nur ein böser Traum. Also wie in INCEPTION. Aber Achtung, nicht dass jemand noch auf die Idee für eine Fortsetzung kommt. Für die Infinites ist jetzt hoffentlich Finito.