Die Flußpiraten vom Mississippi
Deutschland/Italien/Frankreich 1963
Regie: Jürgen Roland
Das neue Glück kommt frei Haus!
Der Bandit Kelly (Horst Frank), ein unehrenhaft entlassener Armeeoffizier, und seine Bande sind auf dem Weg zum Mississippi, um dort ein Floß zu überfallen. Alle Insassen des Floßes werden getötet, einschließlich einer Frau. Durch einen weg geworfenen Zigarrenstummel und dass die getötete Frau die Verlobte des Waldläufers James Lively (Hansjörg Felmy) war, hat er sich ein sehr großes Problem eingefangen. Den Livelys Ruf eilt ihm voraus: Ein bedeutender Waldläufer und Blutsbruder des Cherokee Häuptlings Schwarzer Adler (Tony Kendall). Livelys Suche nach den Schuldigen war bisher vergebens. Da die Banditen aber immer noch aktiv sind und mitten in der Nacht die Bank des Örtchens Helena ausrauben, nachdem es Ihnen gelang, den Schlüssel zur Bank dem Sheriff zu entwenden, indem sie ihn mit einer Saloonschlägerei, in die auch Tom Cook (Brad Harris), verwickelt war, abzulenken. Der Überfall gelingt, nach Aufsprengen des Tresors machen sie reiche Beute und da der Sheriff sich ihnen in den Weg stellt, wird er erschossen. Dabei sieht eine Bewohnerin der Stadt, wie Kelly ein Mitglied seiner Bande, der schwer verletzt im Staub liegt, bei der Flucht aus der Stadt erschießt. Dies wird später noch eine große Rolle spielen, denn der Getötete war der Bruder seiner Geliebten Georgia (Dorothee Parker). Da die Bewohner Tom Cook der Mittäterschaft bezichtigen, wollen sie ihn lynchen, was der in diesem Moment hinzukommende Lively, durch einen gezielten Schuss in den Strick, verhindert. Mangels Alternativen wird Lively sofort zum Sheriff ernannt und da Tom Cook ein guter alter Bekannter von ihm ist und er für ihn bürgt, wird dieser sein Deputy. Und wie es sich gehört, wird das erstmal im Saloon bei Freibier und Whisky gebührend gefeiert. Aber ohne den neuen Sheriff, der sofort eine Tatortbesichtigung durchführt, den er vermutet einen Zusammenhang zwischen den Überfällen auf die Bank und das Floß seiner Verlobten. Und tatsächlich findet er am Tatort, zusammen mit seiner neuen Schreibkraft Evelyn (Sabine Sinjen), der Nichte des Saloonbesitzers, wieder einen Zigarrenstummel der gleichen Art, mit dem Kelly die Zündschnur des Sprengstoffes angezündet hatte und ihn achtlos wegwarf.
Da Kelly merkt, dass ihm Lively immer näherkommt, beschließt er, ihn in eine Falle zu locken, um ihn zu beseitigen, bevor die Bande ihren größten Coup durchführt, damit dieser nicht gefährdet wird: Dem Überfall und Raub eines großen Schaufelraddampfers mit viel Gold an Bord, so dass sie im Falle des Auffliegens mit diesem notfalls in den Golf von Mexiko flüchten können!
Um dies in die Wege zu leiten, schickt er seine Geliebte Georgia nach Helena, die den Sheriff unter einem Vorwand in die Wildnis locken soll. Es gelingt ihr, ihm einen Talisman seines Blutsbruders zu entwenden. Mit diesem macht sich Kelly auf den Weg zu Schwarzer Adler und tischt ihm falsche Behauptungen auf, dass sein Vater, der große weise alte Häuptling der Cherokee, der beim Präsidenten in Washington war, auf dem Schiff gefangen wäre und Lively als Regierungsbeamter ihnen ihr Land wegnehmen wird. So kann er Schwarzer Adler überzeugen, sich mit seinen Kriegern an dem Überfall auf das Schiff zu beteiligen.
Georgia hat jedoch weniger Glück und kann Lively nicht dazu bewegen, ihr zu folgen. Beim Abschied bekommt sie jedoch bei einem Gespräch im Saloon mit, wie ihr Bruder wirklich zu Tode kam und reagiert sehr emotional.
Hat sie sich damit als Komplizin verraten?
Welche Rolle spielt Wichita, die Schwester von Schwarzer Adler?
Da die Lage für die Bewohner von Helena sehr brenzlig wird, wird Unterstützung aus Fort Bernadotte angefordert, trifft diese Unterstützung noch rechtzeitig ein?
Gelingt der Überfall auf das Schiff?
Wer ist der eigentliche Drahtzieher im Hintergrund, immer nur der Boss genannt?
Ist Evelyn nur die Schreibkraft des Sheriffs oder kann sich dabei noch mehr ergeben?
Kann Lively seinen Blutsbruder doch noch von seiner Redlichkeit überzeugen?
Nach dem phänomenalen Erfolg der Karl May Verfilmung „Der Schatz im Silbersee“ ein Jahr zuvor und dem Beginn der Erfolgsserie weiterer Karl May Verfilmungen suchten deutsche Produzenten händeringend nach Stoff, um an diesem Erfolg teilzuhaben. Dabei fiel die Wahl auf den Roman des deutschen Reiseschriftstellers Friedrich Gerstäcker (1816-1872), die Flußpiraten vom Mississippi, der 1848 erstmals veröffentlicht wurde. Im Gegensatz zu Karl May hat Friedrich Gerstäcker die USA auch tatsächlich bereist und dort mehrere Jahre gelebt. Anscheinend hat May auch Gerstäckers Werke gelesen und davon profitiert, aber Mays Bekanntheitsgrad ist größer. Es ist auch keine 1:1 Verfilmung erfolgt, der Stoff wurde filmgerecht adaptiert, im Roman führt Kelly ein Doppelleben, während es im Film einen geheimnisvollen Boss im Hintergrund gibt.
Gedreht wurde ebenfalls in Kroatien in der Nähe von Rijeka, die Save wurde zum Mississippi, der Aufwand war gigantisch, eine komplette Westernstadt wurde aufgebaut (und dann filmgerecht auch abgebrannt), ebenso wurde ein typischer und schwimmfähiger Schaufelraddampfer (im Gegensatz zu Matalo, wo nur ein Modell benutzt wurde) entworfen, der im Film in die Luft gesprengt wird. Die Produktionskosten beliefen sich auf über 3 Millionen DM, bekannte deutsche Schauspieler wie Horst Frank, Sabine Sinjen und Hansjörg Felmy wurden engagiert, für die Internationalität sorgen Brad Harris (der auch für die Kampfszenen verantwortlich war) und Dan Vadis, es wurden tolle Kamerabilder der Landschaft in Kroatien eingefangen, Regisseur Jürgen Roland agiert sorgfältig und routiniert, (einige Szenen des Films wurden von Gianfranco Parolini, uns Italowestern Freunden besser bekannt als Frank Kramer inszeniert), ein passender Soundtrack (Roy Etzel spielt die Trompete) komponiert, (leider kein Titellied). Trotzdem kann der Film nicht wirklich überzeugen, die Schwachstelle ist die Geschichte. Eine klare Gut – Böse Einteilung von Anfang an, deshalb keine Überraschungen, ein Westernstädtchen wird terrorisiert (schon gefühlt 100-mal gesehen), Indianer werden korrumpiert und zu Gewalttaten gedrängt, ein „geheimnisvoller“ Boss im Hintergrund (nach wenigen Auftritten ist schon klar, wer das ist). Einige Nebenfiguren wie Karl Lieffens Doc Monrove oder auch Evelyn sorgen zwar für Aufheiterung, aber die Nebenstränge laufen ins Leere. Warum wurde das Floß überfallen? Keine Antwort. Undankbar wäre aber, den Film total abzuschreiben, ein nostalgischer Unterhaltungswert ist vorhanden, es passiert eigentlich immer was. Und das Wichtigste: Das Genre steckte noch in den Kinderschuhen. Meine Wertung daher 5,5/10.
Stimmen zum Film:
Bluntwolf von sphaghetti-western.net spricht in seiner Review von einem „billig produzierten aber trotzdem recht unterhaltsamem kleinen Eurowestern mit klasse Besetzung. Die Geschichte ist allerdings nicht besonders originell und spult das im Eurowestern oft gebrauchte Schema des von Banditen terrorisierten Städtchens ab, wo hier zusätzlich wieder einmal die Indianer in den Sog der Intrigen des weißen Mannes gezogen werden“.
Scherpschutter stellt in seiner Review auf der SWDB sogar in den Raum, dass Sergio Leone von diesem Film inspiriert geworden sein könnte:
Die Szene als Lively den Strick durchschießt (Tuco/Blonder), als Georgia mit der Kutsche in Helena eintrifft (Jill McBeans Ankunft in Sweetwater), die Szene in der Wichita das Gitter am Gefängnisfenster mit einem Pferd herausreißt (ähnliche Szene in „Für ein paar Dollar mehr“) und der Mann im Rollstuhl.
Was für eine Ehre!!
(Damals noch) Koch Media sei Dank, erfolgte eine ansprechende Veröffentlichung in der s.g. Teutonen Western Collection zusammen mit „Die Goldsucher von Arkansas“ und „Die schwarzen Adler von Santa Fe“, in einer sehr guten Bild- und Tonqualität.