Review
von Leimbacher-Mario
Der Mann, der zu wenig wusste
„Reminiscence“ ist finanziell einer der größeren Flops aus Hollywood des Jahres - doch das macht ihn natürlich noch lange nicht unsehenswert. Zu einem Topfilm ebenso wenig. Doch seinen eher abschreckenden Ruf hat er nicht verdient. Irgendwo zwischen ganz mildem Geheimtipp und solider Stangenware. Aber nie auch nur in der Nähe eines Totalausfalls. Seine Welt plus seine Stars waren wohl einfach zu heftig, teuer und aufwändig, um da einen grünen Ast auch nur in Sichtweite rücken zu lassen. Gerade kinoexklusiv. Als reines Netflix- oder eben HBO-Zugpferd hätte er sicher mehr Leute erreichen können. Denn gratis nimmt man einen Sci-Fi-Krimi mit Hugh Jackman und Rebecca Ferguson wohl lieber mit als ihn bei ohnehin spärlichem Marketing in seinen wenigen Kinos regelrecht zu aufzusuchen. Sei's drum. Der dystopische Thriller spielt in einer Nachkriegszukunft, in der viele Städte Amerikas überschwemmt wurden. So steht natürlich auch Miami unter Wasser und das Stadtbild ist geprägt von kleinen Boten, großen Dämmen und grauen Wänden. „Hard Rain“ trifft auf „Blade Runner 2049“ in etwa. Mit einem Schuss „Ready Player One“. Nur in bodenständiger und erwachsener. Und mitten in dieser nahezu postapokalyptischen Badesause sorgt eine Technik und ein Gerät, mit dem man gefühlsecht in seine eigenen Erinnerungen eintauchen kann, für die von vielen herbeigesehnten Gefühle, Bilder und die Befreiung von den Lasten der aktuellen Welt. Intime Nostalgie zum Fühlen und Verlieren…
„Reminiscence“ hatte einen wohl etwas zu viel versprechenden Trailer. Gemessen an ihm, den Möglichkeiten und Beteiligten hat hier nicht nur das Studio wortwörtlich nasse Füße bekommen, sondern das komplette Projekt. Vielleicht handelt es sich aber auch um einen kleinen Blender. Denn im Grunde ist es nur ein sehr banaler Krimi im Future Setting, mit einer austauschbaren Romanze, der vor allem unnötig aufgeblasen und verschachtelt daherkommt. Frau Ferguson ist ohne Frage anschmachtungswürdig, doch hier auch nur eine erweiterte und recht altmodische „Damsel in Distress“. Das Ende ist Kitsch pur. Die Action verblasst zusehends. Der Score bleibt nicht hängen. Und visuell wirkt das bodenständig, realistisch und gut - aber nie ansatzweise auf Augenhöhe mit seiner leicht für Vergleiche heranzuziehenden Konkurrenz. Nicht falsch verstehen: „Reminiscence“ bereut man nicht geguckt zu haben. Für und in dem Moment ist das gelungene Gebrauchtware. Aber schon am nächsten Tag stellt man sich die Frage: „War da was?“.
Fazit: feuchter, aber nicht unbedingt fröhlicher Cyber Noir zwischen „Inception“, „Strange Days“ und „Waterworld“. Chice Chancenunverwertung.