Review
von Leimbacher-Mario
Tonleiter der guten Laune
„Sing“ war vor fünf Jahren für mich ein top aufgelegtes, modernes, aber im Endeffekt ziemlich durchschnittliches Musical oder Musikvideo in Animationsfilmform. Bis zum Finale, das ich noch lebend in Erinnerung habe, das die Bude damals gerockt und den Film auf einer exzellenten Note enden lassen hat. Nun kommt die relativ späte und famos uninspirierte Fortsetzung. Ein paar Figuren fallen weg, ein paar Neuzugänge füllen die Lücken. Wieder prominent und 1A besetzt, gesprochen und gesungen u.a. von McConaughey, Egerton, Witherspoon, Johansson. Dieses Mal träumt unsere bunt gemischte Gesangsgruppe von ihrem großen Durchbruch im Showgeschäft, etwa als extravagantes Musical in Las Vegas. Doch bis dahin ist’s noch ein langer Weg, dem nicht nur Ausrutscher bei den Proben oder gierige Investoren samt egoistischer Luxustöchter entgegenstehen…
„Sing 2“ wird in weiten Teilen der Welt ohne Nummerierung im Titel vermarktet. Hübscher oder unnötig verwirrender? Ich tendiere deutlich zu Letzterem und heisse diesen aktuellen Hollywoodtrend nicht gut. Was jedoch keinen Minuspunkt für den Film an sich gibt. Der ist, insbesondere und natürlich für Fans des Originals, vollkommen brauchbar. Oder sogar richtig spaßig. Die Musik lässt keine Sekunde nach, ist voll von gecoverten Superhits von damals wie heute. Mit deutlich größerer Aktualität als beim Vorgänger würde ich sagen. Die Sprecher passen perfekt zu ihren toll. Der Look ist detailliert, bunt und in jedem Frame freundlich zum Auge. Und auch hier ist das Finale mit mehreren Songs, Genres und dutzenden munteren Musicalminuten auf der Uhr fast schon aus den Sitzen katapultierend gut. Leider ist der Rest (Handlung, Herz und Ideen) für mich völlig „Filmemachen nach Zahlen“, 08/15-Familykino, Sequelstangenware, Hollywoodeinheitsbrei. Musikalische Mischpackung auf Castingshowniveau. Nur ohne deren gehässigen bis teuflischen Unterton, ohne Schadenfreude, ohne Fremdscham und ohne Allerleishaming. Aber im Grunde genauso geldgierig.
Fazit: „Sing 2“ ist bunt, hübsch, familienfreundlich und mit tollen Stimmen besetzt. Im Endeffekt aber doch nur ein recht seelenloses Castingprodukt. Nicht-wirklich-bravo-Hits 2.