Es ist eine ziemlich inhomogene Gruppe von Leuten, die sich da in Fabrizios (Francesco Russo) altem Hymer-Camper im Norden Italiens eingefunden hat, um mit dem jungen Kalabrier in Richtung Süden zu fahren: die Abiturientin Elisa (Matilda Lutz), der Mittvierziger Riccardo (ein Arzt) sowie das britisch-ukrainische Pärchen Mark und Sofia. Keiner von ihnen kennt sich, sie alle haben unterschiedliche Ziele. Der gemütlich wirkende Fahrer, ein selbsternannter Filmfreak, nimmt sie alle mit seiner Videokamera auf und verteilt auch das eine oder andere Bierchen, was den Briten irgendwann dazu bringt, selbst das Steuer zu übernehmen. Aber ach, die Fahrt endet wegen eines Rehbocks auf der Straße an einem Baum. Als die Leute wieder zu sich kommen, steht der Camper auf einer Waldlichtung in der Nähe eines Holzhauses: die Straße ist nicht mehr zu finden, die Handies haben keinen Empfang und Mark ist verletzt, in der merkwürdig gebauten Hütte ist niemand bis auf ein jüngeres Mädchen am Dachboden, dem die Zunge herausgeschnitten wurde und das dort offenbar gefangen gehalten wird. Als es dunkel wird, ertönt eine Sirene und das Holzhaus wird von Scheinwerfern beleuchtet, seltsame Gestalten mit hölzernen Hirschmasken betreten die Szenerie und schleppen den verletzten Briten ins Haus, dem auf einer Folterbank die Augen ausgestochen werden.
Fabrizio erinnert sich einer uralten kalabresischen Sage von drei Fremden aus dem Meer (Osso, Mastrosso und Carcagnosso), die dem seinerzeit hungernden Volk halfen, dafür aber Opfer forderten: ein Dorfbewohner mußte seine Zunge, ein anderer seine Ohren und ein dritter seine Augen lassen...
Die italienische Produktion A Classic Horror Story scheint schon in der ersten halben Stunde sämtliche Versatzstücke erfolgreicher Horror-Streifen zu zitieren und präsentiert dem Zuseher allerlei Déjà-vus: Angefangen vom Hindernis auf der dunklen Straße und den Unfall nachts über eine einsame Hütte im Wald und merkwürdig maskierte Rednecks, die dort hausen bis hin zu offenbar grausamen Ritualen, die in und um die Hütte abgehalten werden. Selbst die akustische Beschallung und die bunten Scheinwerfer kennt man bereits, die geringe Spannung ergibt sich eher durch die Frage, wer hinter den Masken steckt, die am nächsten Abend in großer Zahl vor dem Haus aufmarschiert sind, um auf einer Art Scheiterhaufen rituelle Opfer darzubringen. Dazu kommen - wie immer - einige Ungereimtheiten und erkennbar "falsche" Verhaltensweisen der Protagonisten, die man sich vorerst nicht erklären kann, die aber selbstverständlich pure Absicht sind und später noch ausreichend erläutert werden.
Durch die Fokussierung auf Elisa steht recht bald fest, wer das final girl sein wird, zumal sie sich als Einzige des stummen jungen Mädchens annimmt, während die anderen (deren Schicksal einem herzlich egal ist) eher nach Auswegen suchen, wo es keine Auswege gibt. Ein paar wenige blutige Szenen, im Gegenschnitt gedreht, lenken die Aufmerksamkeit dann wieder zunehmend Richtung Slasher, doch 20 Minuten vor Schluß wartet der Streifen dann mit einem Plot Twist auf, der zwar nicht ganz unerwartet kommt, die Situation jedoch in einem völlig anderen Licht erscheinen läßt - mehr sei nicht verraten.
Was man dem Drehbuch immerhin zugute halten kann ist der Umstand, daß man sich selbst wohl nicht allzu ernst nimmt und zunächst durch den Titel schon die Richtung eines klassischen Horrorfilms (mit einem Schuß Selbstironie) vorgibt - das Finale indes kann durchaus als eine Art Medienkritik aufgefasst werden, wobei die eigentliche Pointe nur kurz (und damit zu kurz) und nicht deutlich genug herausgearbeitet wird. Für ein paar skurrile Momente reicht es aber immerhin, doch krankt A Classic Horror Story wie so viele andere Filme schon allein daran, daß wer das Ende kennt, sich den Streifen mit Sicherheit kein zweites Mal antut. Kann man sich ohne größere Aufmerksamkeit zu investieren reinziehen, der Endspurt weckt dann noch einmal Interesse, ohne in ein wirkliches Aha-Erlebnis zu münden: 5 Punkte.