Review
von Leimbacher-Mario
A Classic Horror Satire
Eine Fahrgemeinschaft an den Rand oder gar in das Herz des Horrorgenres - „A Classic Horror Story“ ist alles andere als das und eine italienische Streamingverbeugung vor den Großen seiner Zunft. „Evil Dead“. „The Wicker Man“. „Es“. Alle dabei. Von subtil bis auf die Schnautze. Werden viele nicht ganz checken ob jetzt Steak oder Garnele. Im Endeffekt aber doch recht gelungen, hübsch und unterhaltsam.
„A Classic Horror Story“ sieht vom Poster fast aus wie ein striktes A24-Projekt, ist aber etwas ziemlich Anderes. Ein Querschläger, der nicht jedem gefallen wird und der sich kaum in Kategorien stecken lässt. Fast wie ein extrem hochwertigeres Fanprojekt voller Referenzen, Augenzwinkern und dennoch eine reichliche Schlachtplatte. Namedropping und Knöcheldreher, Augenpiekser und hohle Holzmänner. Knallige Farben in rot und dunkelrot. Wald-und-Wiesen-Alptraum als feuchter Traum eines Horrornerds. Weder Fisch noch Fleisch. Eher Surf'n'Turf. Aus Ernst wird Spaß, aus Mord wird Show, alles im Flow. Italienisch verspielt und selbstironisch. Satire und Saftpresse. Hülle und Hübschheit. Können Italiener also wirklich schon lange nicht mehr guten Horror machen? Eigentlich ja, ähnlich wie wir Deutschen. Aber „A Classic Horror Story“ ist eine rühmliche Ausnahme. Wenn auch fast gegensätzlich zu seinem Titel ausgerichtet. Sicher nicht perfekt und ohne Klischees, aber nie mit groben Schnitzern und sich eh nie zu ernst nehmend. Wer das nicht sieht, kann fast nur ein Noobie im Genre sein. Denn Gore und Härte müssen nicht für Ernsthaftigkeit stehen. Allein die Midcreditszene sagt schon alles. Pure Parodie mit ernster Miene. Schön dass Netflix einen Zugang zu bunten und internationalen Genreproduktionen gewährt. „La Nueé“ aus Frankreich. „Blood Red Sky“ aus Deutschland. „The 8th Night“ aus Südkorea. Und eben dieses Italo-Unikum zwischen Clown und Killer.
Fazit: teilweise feine, wenn auch manchmal etwas tollpatschige, holprige und plakative Horrorhommage Bella Italia-Style. Zwischen „Cabin In The Woods“, „Midsommar“ und sich doch irgendwie ernst nehmender Genreenzyklopädie. Und Metakommentar. Für eingefleischtere und offenere Fans von Argento über Raimi bis Hardy. Kein Klassiker - aber gut gemeinte Verbeugung!