Familie und Freunde kommen an Weihnachten auf einem abgelegenen Landhaus zusammen. In dem Bewusstsein, dass ihre Leben in kurzer Zeit enden werden, verbringt man eine mehr oder (eher) weniger harmonische Zeit miteinander und harrt der Dinge, die da kommen.
Geschrieben und inszeniert von Camille Griffin bescherte mir „Silent Night“ ein unheilvolles Gefühl. Allerdings nicht in dem Sinne, dass er so ergreifend oder stimmig gewesen wäre. Eher das Gegenteil ist der Fall.
Als Genremix weiß er einfach nicht, wohin mit seinen Zutaten und ignoriert jede Mengenangabe im Rezept oder wann welche Ingredienz der Masse hinzuzufügen wäre. Als schwarze Komödie funktioniert er nicht, denn die paar spitzen Bemerkungen sind dafür zu wenig. Da wird nichts verbal seziert, nur hier und da mal kommentiert. Als Drama, das gefühlt der komplette Unterbau sein will, klappt das ebenso wenig. Das bedrohliche Szenario wirkt die meiste Zeit sehr weit weg und wird nur in wiederholter Erwähnung der Pillen etwas greifbarer. Hinzu kommt, und das wiegt schwer, dass die Figuren völlig egal bleiben. Schablonenhafte Wesen, jede von der anderen sehr bemüht abgegrenzt, um vermeintlich einen Querschnitt abzubilden. Zumindest, wenn man eine auf empathischer Ebene dysfunktionale Bagage dafür nutzen möchte. Vielleicht mit Ausnahme von Art und Alex. Ich wüsste auch nicht, wen man da vom Ensemble nun herausheben sollte, trotz manch namhafter Präsenz.
Ansonsten kann man jede Figur knapp eine Minuten nach der Einführung schon zum Kotzen finden. Keine von ihnen bekommt wirklich ein Profil, dies erstickt man im Ansatz oder lässt es wieder in eine belanglos-flapsige Bemerkung münden. Hier hat mich Griffin einfach komplett nicht erreicht. Und es bleibt auch der Gedanke, für was man solch ein Szenario hätte nutzen können. An Polanskis „Carnage“ oder ähnliche Werke sollte man da besser gar nicht denken. Immerhin der Score von Lorne Balfe hat ein paar schöne Stücke zu bieten.
„Silent Night“ möchte was sein. Ich weiß nur nicht, was. Weder inszenatorisch geglückt, noch mit interessanten Figuren bestückt. Nicht lustig, nicht dramatisch (weil die Figuren einfach komplett egal sind). So schleicht Kolportage über was denn da kommt und ob's denn stimmt mich desinteressiert zurücklassend voran bis zum Ende. Das kommt zwar nach neunzig Minuten, lässt trotzdem auf sich warten und bleibt verschwendete Zeit.