Das Debüt von Autorin und Regisseurin Lauren Hadaway weist einige Parallelen zu „Black Swan“ auf. Nur, dass es hier ums Rudern und nicht um Ballett geht. Etwaige Plagiatsvorwürfe kann man der Regisseurin jedoch nicht unterstellen, denn krankhafter Ehrgeiz führt nun mal in vielen Fällen zu ähnlichen Symptomen.
Alex (Isabelle Fuhrman) ist frisch an der Uni eingeschrieben und meldet sich als Novizin beim hiesigen Frauenruderteam. Trotz ihrer eigentlich wenig geeigneten, physischen Konstitution, versucht sie um jeden Preis Bestzeiten und einen damit einhergehenden Aufstieg zu erreichen. Dabei ignoriert sie die zahlreichen Warnrufe ihres Körpers, aber auch die Reaktionen ihrer Teamkolleginnen…
Die düstere Charakterstudie wird von Hauptdarstellerin Fuhrman mit einer beeindruckenden Intensität verkörpert. Als Vorbereitung für die Rolle trainierte sie sich einige Kilos an Muskelmasse an und bestritt letztlich fast alle Ruderszenen selbst. Dabei lernt man sogar noch einiges über die Techniken des Sports. Denn als Laie geht man unweigerlich von einem körperlichen Haupteinsatz des Oberkörpers aus, was jedoch nicht zutrifft. Um sich als Profi bezeichnen zu können, benötigt es rund 10.000 Stunden harten Trainings und im vorliegenden Fall Trainingszeiten in aller Herrgottsfrühe, da schließlich auch noch reguläre Kurse absolviert werden müssen.
Hadaway greift bei ihrer Geschichte auf persönliche Erfahrungen zurück, doch leider vergisst sie darüber hinaus, diese mit Höhen und Tiefen auszustatten. Ein etwaiger Konkurrenzkampf bleibt oberflächlich, genauso wie das recht abstrakt bebilderte und zwangsläufig eingeschränkte Sozialleben der Hauptfigur, welche von Anfang an nicht sonderlich sympathisch rüberkommt. Im Mittelpunkt steht ganz klar der Kampf um die Spitze, das Streben nach Perfektion, was im Verlauf zu einer selbstzerstörerischen Obsession ausartet.
Es gibt hier ebenso wenig heldenhafte Auftritte, noch einen finalen Wettkampf, allenfalls den von Alex selbst.
Auf handwerklicher Ebene kann man dem Debüt das Gefühl für stimmungsvolle Bilder nicht absprechen. Die Kamera arbeitet variabel und vor allem angenehm ruhig, während der Score mit einigen recht einprägsamen Themen daherkommt, die teils den Rhythmus der Ruderschläge annehmen. Auch vermeintliche Kleinigkeiten wie Make-up/Maske stechen positiv hervor, denn Schweiß und Blut bilden oftmals das Ergebnis destruktiven Ehrgeizes.
Zuweilen taucht Hadaway fast schon in die Gefilde eines Psychoschockers ein, indem sie akustische Wahrnehmungen verfremdet oder verschwommene Momentaufnahmen einbindet, um den Gesundheitszustand der Protagonistin zu umschreiben. Das vermag einerseits einen durchaus glaubhaften Eindruck zu vermitteln, doch andererseits steht und fällt das Konstrukt mit dem Aufbringen von Empathie. Und diesbezüglich hält sich das Mitgefühl trotz einiger Extreme auf rein menschlicher Ebene doch arg in Grenzen.
6 von 10