Die junge Alex Dall ist ein Neuzugang am Wellington College und tritt dem weiblichen Ruder-Team der Schule bei, obwohl sie eigentlich weder die körperliche Statur noch die Ausdauer hat, um den Sport erfolgreich zu betreiben. In der Folgezeit bestimmt das Ruder-Training ihren Alltag, denn um es noch innerhalb des ersten Studien-Jahres in die Auwahl-Mannschaft zu schaffen, muss sie sich körperlich wie mental bis an die Grenze pushen. Die Stimmung innerhalb des Teams kippt schnell, als bekannt wird, dass Alex finanziell gut situiert ist und das in Aussicht gestellte Stipendium - ganz im Gegensatz zu ihrer wesentlich beliebteren Team-Kollegin Jamie - überhaupt nicht benötigt und sie sich ohne Rücksicht auf sich selbst und ihre Umwelt nur von ihren eigenen, inneren Dämonen leiten lässt... Diese düstere Variante eines Sportfilms, die mehr als nur ein wenig in Richtung Psycho-Drama abdriftet, lebt in erster Line von Isabelle Fuhrmans Darstellung der getriebenen Hauptfigur, die damit nun das schauspielerische Versprechen einlöst, das sie schon im Kindesalter als fieses Balg in "Orphan - Das Waisenkind" gegeben hatte. So hat das Ganze auch kaum mehr irgendetwas mit den üblichen Hollywood-Feelgood-Filmchen dieser Sparte am Hut, sondern weckt eher mal Erinnerungen an einen "Black Swan", denn was für diesen das Ballett gewesen ist, ist für "Die Novizin" nun quasi das Rudern. Regisseurin und Drehbuchautorin Lauren Hadaway hat in ihrem Debüt zudem ihre eigenen Uni-Erfahrungen verarbeitet, weswegen das Ganze auch merklich von einer unbequemen Authentizität beseelt ist, die einem schon arg aufs Gemüt schlagen kann, denn ich habe schon lange keinen Film mehr gesehen, bei dem Form und Inhalt so sehr Hand in Hand gehen: Da behält die Inszenierung durch permanente Schärfe-Verschiebungen die Protagonistin Alex im wahrsten Wortsinn immerzu im "Fokus" und sorgt dafür, dass der Zuschauer die Welt durch ihre Augen in Bildern sieht, die durch die Bank freudlos und fast schon grau in grau sind. Und so beeindruckt man da von Hadaways Regie-Leistung und Fuhrmans Performance ist, liegt doch genau da auch das Problem, das man mit "Die Novizin" eventuell haben könnte, denn es werden keine Bemühungen unternommen, einem die Hauptfigur näherzubringen oder ihre Motivationen nachvollziehen zu können. Eine etwaige Erklärung für ihr irrationales Verhalten, die da über "Mentale Macke, halt" hinausgeht, wird nicht geliefert und so bleibt einem Alex über die gesamte Laufzeit als Person fast schon frustrierend fremd. Ich bin mir sicher, dass das alles für Hadaway und Fuhrman vollkommen Sinn ergibt, ich persönlich blicke durch die hier geschilderte, beinahe selbstzerstörerische Obsession aber kein Stück weit durch... eventuell muss man, um sowas begreifen zu können, aber auch selbst in irgendeiner Form getrieben sein und nicht so'n faules, lethargisches Arschloch wie ich.
6/10