Review

Zopfschlagen


Eigentlich hatte ich eine Roberto Baggio-Doku erwartet - bekommen habe ich ein wenig Marketingbiopic und ein wenig italienisches „Wunder von Bern“. Nur in mäßig. Mächtig mäßig. Von Kindheitsträumen, Vaterkomplexen und verschossenen Elfmetern...

Nie werde ich vergessen, allein weil es wohl eine meiner frühsten Kindheitserinnerungen ist, wie mein Vater beim berühmten Elfmeterschießen im WM-Finale '94 mitfieberte und schrie. Besonders natürlich beim letzten Elfmeter des geliebten Roberto Baggio. Meilenweit drüber. Das war schon damals - für mich wie für die ganze Welt - tragisch und irgendwie poetisch-schön zugleich. Immerhin hatte er die strauchelnde Squadra Azzura nahezu allein überhaupt erst ins Finale gebracht. Deswegen war mir Herr Baggio persönlich immer viel näher, als es Fußballer „vor meiner Zeit“ eigentlich sein könnten, daher hätte ich mich gefreut, wenn „Das göttliche Zöpfchen“ ein ihm würdiger, grandioser Film geworden wäre. Doch das ist er nicht. Er hat seine Momente, er beleuchtet ein paar private Aspekte (Vaterkomplex, Buddhismus), die interessant sein könnten. Doch als Gesamtwerk bleibt er für mich super künstlich, kitschig und aalglatt. Inklusive einem der schmalzigsten Abspannsongs aller Zeiten. Er wäre wohl gerne eine Mischung aus „Rocky“ und „Das Wunder von Bern“, bleibt dabei aber hinter jeglichen Erwartungen zurück. Er sieht nicht kinowürdig und chic aus, fühlt sich oft sprunghaft und unkonzentriert an, die Darsteller sind eher bemüht als begnadet, die Fussballszenen sind kurz und grottig, die Dialoge allesamt basic und auf Schulaufführungsniveau. Ne, das hat ein recht komplexer Nationalheld nicht verdient. Da kann er noch so oft seine drei Kreuze und Widmung unter den Film setzen. Nach „Pelé“ noch ein Netflixkickerreinfall. 

Fazit: ein oberflächlicher und unangenehm kitschiger, generischer, austauschbarer TV-Film. Da hätte der gute Roberto echt mehr verdient gehabt! Ich weiß nicht, ob Netflix nicht die Griffel vom Thema Fußball lassen sollte...

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