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Nach erfolgreicher Schlacht gegen die Norweger trifft Macbeth, der Thane von Glamis, auf drei Hexen, die ihm weiteren Ruhm bis hin zur Krone Schottlands voraussagen. Nachdem eine erste Vorhersage eintritt, will Macbeth unter Zureden seiner Gemahlin dem weiteren Eintritt der Prophezeiung nachhelfen.

Und so nimmt der Weg vom Helden zum Tyrannen seinen bekannten und dramatischen Lauf. Das Einbetten in schwarz-weiße Bilder und nahezu 4:3 wirkt hier nur passend, gibt sich die Inszenierung von Joel Coen doch schön altmodisch theatralisch. Die Kamera ist statisch, die Figuren agieren wie auf einer Bühne in begrenztem Raum. Das Design ist sehr ansprechend, in klaren Linien, alles Menschengemachte wirkt ohne natürliche Formen, gerade und künstlich. Die Ausstattung ist spärlich, gerade Innenräume wirken kalt und hierdurch entstehen fast schon unwirkliche Bilder, die durch die genannte Stilmittelwahl noch verstärkt werden. Auch sprachlich bleibt man am Original; eine gute Entscheidung, ist es doch einfach poetisch, was selbst in der deutschen Version an die Ohren dringt.

Woran Coens Version leider krankt, ist der Übertrag des Dramas auf die Betrachter. Und das liegt an manchen Darstellern. Denzel Washington traue ich zu, das besser zu machen. Sein Macbeth wirkt über weite Strecken aber zu emotions- und ausdruckslos. Bei anderen Figuren ist dies weniger ausgeprägt. Die Darstellungen wirken unterkühlt und wollen nicht immer die dem Stück innewohnende Wucht transportieren, als wollen sie sich der starren Umgebung anpassen. Frances McDormand als Macbeths Frau ist hierfür ein positives Gegenbeispiel. Vielleicht verleitet aber auch nur die theaterhafte Umgebung zur Annahme eines extrovertierten Spiels.

Bleibt natürlich auch die Frage, ob nach der in meinen Augen gelungenen 2015er-Verion mit Michael Fassbender und Marion Cotillard schon wieder eine Verfilmung nötig war. Beide Versionen haben ihre Berechtigung, Coens Interpretation schon allein in der optischen Ausgestaltung, die sich fundamental unterscheidet. Und mehr Auswahl für das geneigte Publikum ist nie verkehrt, wenn es diese auch schon zuhauf gibt.

Coens „Macbeth“ ist eine optisch und inszenatorische überaus gelungene und atmosphärische Umsetzung der klassischen Vorlage, krankt aber an ein paar unterkühlt aufspielenden Darstellern. Als bühnenhafte Version sehenswert; wer es eher filmisch mag, ist mit der erwähnten Inszenierung von Justin Kurzel (2015) ebenfalls gut bedient.

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