Review

Shakespeares dunkelste Stunde, Apples hellste

Schon Justin Kurzels äußerst hübscher „Macbeth“ aus 2015 war ein Hingucker und Highlight. Aber Joel Coen setzt mit „Tragedy of Macbeth“ vielleicht sogar noch einen drauf - exklusiv auf Apple+, in exquisitem Schwarzweiß, ein monochromer Fiebertraum über Schicksal, Macht, Hexen und Tod… Shakespeares vielleicht dunkelstes Werk. Und wahrscheinlich mein liebstes von ihm. Filmisch hier aufbereitet, wie es kaum edler und ausdrucksstärker geht… 

Eyecandy & Alpträume

Man musste nicht unbedingt erwarten, dass sich Joel Coen so früh in seiner Solo-Regiekarriere direkt Shakespeare annimmt. Aber hier sind wir - und er hat das fabelhaft hinbekommen! Legendär gut, jetzt schon! Einer der besten Filme, die man auf Apple+ finden kann. Mit einer Bildsprache, die Ihresgleichen sucht. Ich kann mich kaum satt sehen - da kommen von Bergmann bis Dreyer Erinnerungen hoch! Und ein größeres, potenteres Kompliment kann’s kaum geben. Sicher jetzt schon einer der visuell attraktivsten und versiertesten Filme der 2020er. Ein optisches Wunderwerk. Ein technisches Bollwerk. Hypnotisch hübsch. Tja, und wenn man dann noch Shakespeares zeitlose Qualitäten und Dialoge addiert. Und Charakterfressen und Schauspielschwergewichte wie Washington, McDormand, Gleeson, Ineson und viele mehr. Plus eine der genialsten „Hexendarstellungen“ ever. Was soll bei diesen cineastisch-orgiastischen Superlativen anderes herauskommen als großes Kino?! Einzig, dass man ihn eben nahezu nicht auf der großen Leinwand sehen konnte und er bei Apple+ geparkt wird, stößt dann ein wenig übel auf…  

Passion of Moan Dark

Fazit: meisterhaft inszenierte, groß vorgetragene, poetisch erhabene und audiovisuell absolut berauschende Shakespeare-Verfilmung… Eine der besten überhaupt! 

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