Review

Unbestritten gilt „Night of the Living Dead“ als der Wegbereiter des modernen Zombiefilms, den Romero 1968 ursprünglich als Freizeitspaß ins Leben gerufen hatte. Es folgten viele Remakes und Variationen, die dem Original kaum entscheidende Merkmale hinzufügen konnten, außer vielleicht den Spezialeffekten von Tom Savini in dessen Remake von 1990.
Die Hommage von Regieneuling Roger Conners hält sich über weite Teile ans Original und zumindest auf atmosphärischer Ebene gelingen ihm einige ansprechende Momente.

Adam (Conners) und sein Bruder befinden sich auf einem abgelegenen Friedhof, als letzterer von einer Gruppe Untoter angegriffen und getötet wird. Adam gelingt die Flucht zu einem nahe gelegenen Bauernhaus, wo er auf Mechaniker Ben (Aswan Harris) stößt. Später gesellt sich eine Gruppe um Reverend Cooper (Alvin Hudson) zu ihnen, welcher stets gegen Ben und Adam stänkert. Mithilfe eines Fluchtwagens soll es einen Ausweg aus der Belagerungssituation geben…

Hier und da gelingt es Conner recht gut, die Stimmung des Originals wiederzugeben. Die Eröffnung auf dem Friedhof ist angemessen kontrastarm in Szene gesetzt und die Untoten nähern sich gemächlich und gleichermaßen bedrohlich. Auch die Einrichtung des Farmhauses mit angestaubten Requisiten wie Wählscheibentelefon und Röhrenfernseher ist stimmungsvoll eingerichtet, während die Soundkulisse, oftmals bestehend aus einem Meer an Zombiestöhnen die latente Bedrohung unterstreicht.

Doch es gibt auch eklatante Mankos, die sogleich ins Auge stechen, in einem Fall buchstäblich. Denn die Zombies haben zuweilen leuchtende Klüsen, was größtenteils wahllos eingesetzt wird und aufgrund des schlechten Effekts jedwede Bedrohung im Nu verpuffen lässt. Dabei ist das Make-up mindestens zweckdienlich ausgefallen und die wenigen Gewalteinlagen wie Bisswunden, offener Bruch und Einschusswunden können sich ebenfalls sehen lassen. Den splitterfasernackten Untoten hätte es indes nicht gebraucht, der glücklicherweise nicht sichtlich entspannt umherirrt.

Um Diversität scheint Conner ebenfalls bemüht, denn er selbst spielt den offenkundig schwulen Adam, der in dem Barbara-Gedächtnis-Trenchcoat beim Laufen allerdings mächtig tuckig mit den Armen rudert und dubiose Reiterstiefel trägt, die beim Friedhofsbesuch überdies kaum angemessen erscheinen. Schlimmer ist allerdings die Entwicklung dieser Figur, die elendig im Sessel kauernd kaum mehr ein Wort über die Lippen bringt und der Gruppe beim Überlebenskampf wahrlich nicht dienlich ist. Nur der Antagonist in Form des bigotten Reverends ist noch klischeebeladener.

Als Gegenpol dient Ben, der mit Entschlossenheit einige Gegenmaßnahmen in die Wege leitet und auch ein zauseliger Farmer mit US-Flagge auf dem Hütchen gebärdet sich nicht so schlimm, wie der erste Eindruck eines Rednecks glauben machen könnte.
Allerdings entstehen kaum spannende Szenen, selbst bei einem Ausflug in die nebenan liegende Werkstatt mangelt es am Timing, während die zwischenmenschlichen Diskrepanzen nur in Ansätzen zur Eskalation führen.

Eine gewisse Selbstverliebtheit muss man Conner letztlich unterstellen, denn er übertreibt es maßlos mit Nahaufnahmen seines eigenen Antlitzes, was die Unbeholfenheit seiner Performance umso negativer erscheinen lässt. Demgegenüber spielen seine Mitstreiter deutlich überzeugender, selbst die Zombiekomparsen erledigen einen ordentlichen Job und blicken stets starr an der Kamera vorbei.

Eigentlich bedarf es keiner Neuauflage eines Zombieklassikers, auch wenn der Respekt gegenüber Romeros Werk einige Male sichtlich durchschimmert und die gesellschaftskritische Komponente nicht gänzlich verloren geht. Dennoch mangelt es an neuen inhaltlichen Facetten und die Umsetzung ist in einigen Belangen wie Kamera und Editing nah am Amateurbereich angesiedelt, einschließlich der wenigen Spezialeffekte wie leuchtende Klüsen und Explosion. Von daher besser nochmal das Original sichten und vorliegenden Streifen auslassen.
Knapp
4 von 10

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