Review
von Leimbacher-Mario
An Idiot vs. THE MACHINES
In „Absolute Proof“ macht sich ein republikanischer Verschwörungstheoretiker, Trumpvertrauter, selbstverliebter Trottel und schlichtweg Hetzer auf, die aktuelle US-Wahl für nichtig, korrumpiert und gescheitert zu erklären. Und dabei meint er unumstößliche Beweise zu besitzen und aufzuführen, die die Welt erhellen und umdenken lassen sollen. So weit sein Plan. Und er scheint wirklich daran zu glauben. Das Ergebnis ist aber eine zweistündige Farce und ein TV-/Internetshowzusammenschnitt, der unangenehmer war als meine letztwöchige Impfreaktion und der eigentlich weder verdient hat, „Film“ genannt zu werden, angesehen zu werden, eine Goldene Himbeere zu bekommen oder hier (oder irgendwo) überhaupt besprochen zu werden…
Lange habe ich deshalb gezögert, „Absolute Proof“ hier zu melden und zu reviewen. Aber letztendlich meine ich, eine Warnung und ein Verriss sollten hier schon drin sein. Oft werde ich gefragt: „Welche Filme bekommen bei dir eigentlich eine 1 von 10? Warum sehe ich das kaum von dir?“. Genau solche „Filme“ wie „Absolute Proof“. Ideologisch gefährlich, argumentativ nicht haltbar bis nicht existent, filmisch der Kunst unwürdig. Noch dazu zu lang(weilig), zu flach, zu trocken und zu lächerlich. Dramatisch ein Witz, schnittechnisch nichtmal auf YouTube-Niveau. Erheiternd im besten Fall durch ein paar „Wow!“-Memes, ein Ausdruck, den unser Moderator und „Aufdecker“ inflationär und mit steigender Begeisterung nutzt. Doch eigentlich kann man über diesen Quark aus wirren Zahlen, leeren Daten und „falschen Fakten“ kaum lachen. Es ist einfach nur traurig und beschämend. Für Amerika als Land besonders und den Homo Sapiens als Spezies allgemein. Ich unterstelle Filmen und ihren Machern immer grundsätzlich den Willen, etwas Cooles, Spannendes und Sinnvolles zu erschaffen, sich in ihr Projekt hineinzuhängen und Leidenschaft einzubringen, egal wie suboptimal, amateurhaft oder bemüht das Endprodukt dann sein mag. Und Mike Lindell hat all das irgendwie auch - allerdings völlig fehlgeleitet, hohl und ärgerlich ausgerichtet. Die Massen an Zahlen und angeblichen internationalen Manipulationszusammenhängen sind aus der Luft gegriffen und könnten auch von mir in Excellisten erstellt werden. Der Mann hat weder Charisma noch Charme oder Intellekt. Die ganze Veranstaltung ist unterlegt von einem giftigen und zerstörerischen Patriotismus, der diesem Wort eigentlich kaum gerecht wird und es ganz, ganz bedenklich verzerrt. Viele Gäste quatschen genauso einen Mist wie Lindell, wollen sich oft nichtmal selbst zeigen und treten nur stimmlich auf. Viele Aussagen sind, sobald man sie auch nur oberflächlich angekratzt, nicht nur unbelegt sondern schlicht gelogen. Und insgesamt bleibt zwischen Langeweile und Verwunderung mehr als nur ein fader Beigeschmack, dass es Menschen gibt, die das ernst nehmen, gerne gucken und glauben. Da läuft etwas gewaltig schief in Übersee - und es ist nicht das, was Lindell aufzudecken versucht…
Fazit: Tag der Abquetschung. „Absolute Proof“ ist an Dummheit, böser Lächerlichkeit und Langweiligkeit nicht zu überbieten. Und beweist ganz nebenbei nur, wie verblendet, einseitig, oberflächlich und falsch solche Verschwörungstheoretiker vorgehen. Höchstens für „Wow!“-Memes gut. Der Rest ist unterirdisch. Und eigentlich keine Besprechung, auch keine Goldene Himbeere, keine Aufmerksamkeit wert. Ekelhafteste Propaganda.