Review

Staffel 2

Überall, alles, auf einmal… umsonst? 

„Loki“ Staffel 2 lässt den titelgebenden Antihelden und seine Freunde von der TVA durch Zeit, Raum und Multiversen reisen, um die Auswirkungen des Finales der ersten Staffel rückgängig zu machen und den totalen Kollaps aller Zeitlinien zu verhindern…

Es gibt nur ein Loki Laufeyson! Es gibt nur ein Loki Laufeyson!

Im MCU knirscht es gewaltig. Viele reden sogar schon von einer unheilbaren Krankheit dieses einst unkaputtbar geltenden Megablockbusterkosmos', woran sogar ohne Zweifel großartige „Ausrutscher nach oben“ wie „GotG Vol. 3“ oder „Spider-Man: No Way Home“ wenig ändern würden. Und diese Schwarzmaler und Kritiker haben definitiv die Argumente auf ihrer Seite, erst recht wenn man sich momentan sowas wie „The Marvels“ im Kino anguckt. Ich kann da nur mit in das bereits ausgeleierte Horn blasen. Leider. Schade, dass es soweit kommen musste, konnte, sollte. Aber alles hat nunmal ein Ende - und eine Wurst war Marvel noch nie. Dennoch würde ich die Hoffnung in ein weiterhin potentes MCU nicht ganz aufgeben - erst recht bei dermaßen tollen Momenten und Bögen, wie sie uns Staffel 2 von „Loki“ bietet. Denn hier wird nicht weniger als dem interessantesten Antagonisten/Antihelden des kompletten Franchise ein würdiges, riesiges wie persönliches Finale gegönnt, um das im Grunde niemand herum kommt, der sich nur im Entferntesten in den letzten 15 Jahren als MCU-Gernegucker bezeichnet hat. „Loki“ Staffel 2 ist ein kleines, mutiges Wunder, gerade in der heutigen Phase des MCU. Hier geht's zurück zu den Ursprüngen, die einst Loki und das MCU großzogen und toll machten. Aber genauso werden Wurzeln geschlagen und Weichen gestellt für eine (mehr denn je ungewisse) Zukunft. Loki als Figur wird greifbarer und trauriger, heroischer und kondensierter, menschlicher und göttlicher denn je. Der Humor sitzt genauso wie die Dramatik. Die kleinen intimen Momente und wortwörtlich Augenblicke kommen nicht zu kurz. Nicht nur bei Loki und Sylvie, sondern auch bei einigen der anderen Nebenfiguren. Egal wie sprunghaft und weitreichend sich diese Zeitreisegeschichte aufbaut, sie vergisst nie wieder ins Kleine und zum Wesentlichen zurückzukehren. Die letzten Momente waren, sind und werden noch unheimlich wichtig für das MCU. Und man merkt Hiddleston an, das er hier nochmal alles reingelegt hat für ein Byebye mit Boom.

Yggdrasil - schau's nach! 

„Ouroboros“ ist eine grandiose Addition, charmant, süß und unberechenbar. Victor Timely ebenso. Natalie Holts Score kann sich jederzeit hören lassen, in kleinen wie gigantischen Momenten. Man spürt auch den mindfuckigen Einfluss von Benson und Moorhead, jedoch diesmal ohne den Mainstream ganz abzuhängen oder den Überblick zu verlieren. Die Effekte sind endlich mal wieder im MCU nahtlos top. Es gibt noch immer „Doctor Who“-Vibes. Doch innerhalb des MCU haben diese zwei Staffeln „Loki“ durchaus eine Ausnahmestellung. Interessant, gewagt, anders. Eine kreative Kaskade, die sich selbst in den Schwanz beißt und doch irgendwie am Ende wohlgenährt wirkt. Visuell wie inhaltlich auf vielen Ebenen ein Panoptikum der Ideen. Und eventuell ist „Loki“ in dieser unübersichtlichen und krümeligen Phase des MCU genau das richtige Machtwort. Eine bittersüße Palettensäuberung. Selbst wenn diese Kehrtwende und Neusortierung auf molekularer Ebene erst kurz vor Ende passiert und man lange Zeit etwas im Dunkeln tappt. Aber das Warten und die Fragezeichen über dem Kopf lohnen sich. 

Fazit: genauso episches wie intimes, emotionales wie weitreichendes Finale (?) der „Loki“-Saga - eine neue, würdige Aufgabe für unseren liebsten Gott der Lügen, der hier endlich zu seiner Wahrheit findet. Wirr und wundervoll. (8,5/10)

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