Aufruhr bei den Drogen-Clans in Barcelona: Lucero (Óscar Jaenada) möchte seinen mächtigen, aber schon gebrechlichen Vater beerben, der ihn zuvor mehrere Jahre nach Japan zu den Yakuza geschickt hatte. Doch das dortige Training in Sachen Kampfkunst und Ehre hat beim machtbesessenen Lucero nicht die gewünschte Wirkung hinterlassen, und als sein ungeliebter, aber als Killer stets zuverlässiger Stiefbruder Max (Teo García) statt seiner in die Führungsspitze des Kartells aufrücken soll, erledigt Lucero kurzerhand nicht nur einen geschäftlich verbundenen kolumbianischen Clan, sondern anschließend auch gleich seinen Vater. Max, der Letzteres nicht mitbekommen hat, soll nach Luceros Wunsch aus dem Geschäft aussteigen und nun mehr Zeit für seinen kleinen Sohn haben. Doch der rachsüchtige Lucero, der seinem Stiefbruder dessen Bevorzugung durch den Vater neidet und nie verziehen hat, schickt ihm gleich ein Killerkommando hinterher: Seine rechte Hand Finito (Sergio Peris-Mencheta) schießt Max nieder und ermordet vor dessen Augen den kleinen Jungen, bevor er anschließend das Haus in die Luft jagt.
Zwei Jahre nach diesen Ereignissen ist der aufgeweckte Schüler Leo (Óscar Casas) nebenbei als Straßendealer unterwegs: Zur Aufbesserung der kärglichen Familienkasse vertickt er nebenbei kleinere Portionen Stoff, doch als er davon etwas abzweigt und erwischt wird, setzt es Prügel von seinem Auftraggeber. Ein seltsamer, bärtiger Mann jedoch greift unvermittelt ins Geschehen ein und verdrischt ungefragt und mühelos mehrere der Schläger - es ist jener Max, der den Mordanschlag vor zwei Jahren überlebt hatte und seitdem untergetaucht in einer Werkstatt lebt, wo er mit seiner adoptierten Stiefschwester Maria (Andrea Duro) einen Rachefeldzug gegen Lucero plant. Doch der grimmige Einzelgänger muß in seinen wohlüberlegten Plan ab jetzt den jungen Leo, der bald wieder in Schwierigkeiten kommt, mit einbauen...
Mit seinem Revenge-Thriller Xtremo liefert Regisseur Daniel Benmayor einen flotten Actioner ab, der gleich in den ersten Szenen mit reichlich, meist per Headshot erledigten Gangstern die Marschrichtung vorgibt: Ein Menschenleben zählt nichts, wenn ein exzentrischer Unterboss beschlossen hat, sich zum Familienoberhaupt küren zu lassen. Das internationale Kartell, das hier stets mit dem Titel "Konklave" angesprochen wird, besteht aus diversen Drogenbossen und schützt sein gewähltes Führungspersonal mit einer "Unantastbarkeit" genannten Immunität. Ganz so weit oben steht der machtgierige Lucero noch nicht, doch beim in Kürze anstehenden nächsten Konklave soll es soweit sein. Ein plötzlich auftauchender, totgeglaubter Stiefbruder ist dafür allerdings ein gewaltiges Hindernis...
Dieser Stiefbruder, dargestellt von Teo García, der auch am Drehbuch mitschrieb, ist so etwas wie der Sympathieträger des Films (sofern man von einem solchen überhaupt sprechen kann) und wird zunächst als loyaler Auftragskiller (der eiskalt ausgebootet wurde) und schließlich als verbitterter Einzelgänger dargestellt, der eisern trainiert und uneigennützig einem jungen Burschen hilft. Sein Gegenpart ist der exzentrische Lucero, der im Pelzmantel auftritt, einen seltsamen Respekt von allen Beteiligten einfordert, vom Ehrbegriff der Yakuza jedoch nichts gelernt und außer einem tätowierten Oberkörper nichts aus Japan mitgebracht hat. Stellenweise grotesk überzogen betrachtet er sich als Kronprinz und läßt seinen besten Mann Finito (ja, der heißt wirklich so) mit äußerster Bruatlität vorgehen, die weder vor Familienmitgliedern noch vor Kindern und Unbeteiligten Halt macht.
Trotz des hohen Bodycounts bei den reichlich vorkommenden Prügeleien (die mit ihrem Einer-gegen-alle ein wenig an John Wick oder Taken erinnern) driftet Xtremo ab und zu in Richtung Persiflage ab, was den Unterhaltungswert zwar erhöht, die (an sich ohnehin nicht innovative) Handlung jedoch nicht sonderlich glaubwürdig oder gar spannend macht. Besonders Max´ Stiefschwester Maria ist eigentlich überflüssig, da ihre Filmrolle nur aus Trainingspartner und Krankenschwester für Max sowie Top-Computer-Spezialistin für das Hacken und Abhören von Luceros Handy besteht. Auch die klischeehaft dargestellte Familie von Leo, der nur deshalb dealt, damit seine Mutter die Miete bezahlen und er seinem kleinen Bruder eine teure Spielkonsole zum Geburtstag schenken kann, löst eher Stirnrunzeln aus, erst recht als Leo später seine hübsche Schulfreundin mit einer Tasche voller Geld abspeist. Weitere Hintergundinformationen zu den Beteiligten bleiben sowieso völlig außen vor, wie sich auch das Geschehen ganz ausschließlich aus Sicht der rivalisierenden Proponenten abspielt, eine Polizei kommt in dieser spanischen Produktion erst gar nicht vor.
So verläuft die Filmhandlung dann zwar actionreich (die Kampf-Choreographie ist einigermaßen gelungen, neben Martial-Arts-Künsten wird auch reichlich von Stichwaffen Gebrauch gemacht) aber überschaubar ab, vermeidet gröbere Logiklöcher (bis auf jenes, wo ein Killer nur angefahren, aber nicht endgültig beseitigt wird) und wer am Ende der Sieger ist, steht eigentlich auch schon recht früh fest. Dennoch aufgrund solider Darsteller-Leistungen, der Reminiszenzen an das Action-Kino der 1980/90er Jahre und des recht flotten Tempos durchaus einen Blick wert: 6,8 Punkte.