Als gestern „11:14“ in der Sneak lief, hoffte ich auf eine ähnliche Independentfilm-Überraschung wie seinerzeit der zu Recht hoch gelobte „Garden State“. Weit gefehlt. Gregg Marcks, Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion, liefert zwar episodenhafte Unterhaltung im Stile von „Memento“ und „Short Cuts“, doch echte Innovationen sucht man ebenso wie irgendeine Botschaft leider vergebens.
Zur Story (ich muss zugeben: es war spät abends und ich hab erst hinterher wirklich durchgeblickt): Um exakt 11: 14 Uhr abends geschehen 2 folgenschwere Unfälle. Die angeblich schwangere Cheri wird von einem Van überfahren, dessen Jugendliche Insassen zahlreichen Unfug treiben. Cheris Freund Daffy will einen Supermarkt überfallen, wo er selbst und wiederum eine Freundin angestellt sind, um Cheris Abtreibung bezahlen zu können. Die hat aber nebenbei noch einen 2. Freund, welcher stirbt, als die beiden Sex auf den Friedhof haben. Daraufhin versucht Cheris Vater die Leiche zu beseitigen, was wiederum bedeutsame Konsequenzen hat…
Klingt erst einmal etwas wirr, doch das Chaos und die Verbindungen zwischen den einzelnen Handlungssträngen offenbaren sich während des Films, wenn die Story aus 5 unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt wird. Diese sind so voll rabenschwarzen und makabren Humor, dass dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken bleibt. Und wiederum diesem Humor in kuriosen Situationen (zum Beispiel der „Ladendiebstahl“) ist die Kurzweiligkeit des Films zu verdanken. Zwar konnte Marcks mit Hilary Swank („Million Dollar Baby“), Rachael Leigh Cook („Eine wie keine“), Colin Hanks („Nix wie raus aus Orange County“) und Patrick Swayze („Donnie Darko“; „Dirty Dancing“) ein grandioses Ensemble zusammentrommeln, welches dem Werk die notwendige Würde verleiht um ernst genommen zu werden. Doch leider bleiben einige Charakere leider ebenso blass und undurchsichtig wie die (wenn denn überhaupt vorhanden) Botschaft des Films.
Fazit: Ein kurzweiliger und zumindest in mittlerem Maße anspruchsvoller Film, dem jedoch der letzte Schliff und etwas wirklich Innovatives oder Neues fehlt. „Pulp Fiction“ bleibt natürlich (auch in Sachen Humor) unerreicht, doch „11.14“ weiß als eigenständiges Werk mit rabenschwarzen und makabren Humor zu unterhalten und amüsieren.