Henry Thomas spielt einen Autofahrer, dem bei Nacht eine Leiche auf die Windschutzscheibe fällt. Hilary Swank spielt eine Tankstellenangestellte, die von einem Freund überfallen wird und Rachael Leigh Cook spielt eine Jugendliche, die ihren Freund auf zu einem Schäferstündchen auf den Friedhof lockt, während ihr Vater, gespielt von Patick Swayze, befürchtet, dass sie eine Dummheit begangen haben könnte. Um Punkt 11:14 treffen sich die Schicksale aller Figuren mit nachhaltigen Folgen.
Nur wenige Regisseure haben den Mut, Thriller nicht nach dem 0815-Schema verlaufen zu lassen, sondern über Zeitsprünge einen Art Episoden-Thriller zu kreieren, bei dem allein der Erzählstil schon das Ansehen wert ist. Ausnahme-Thriller wie "Memento" oder "Die üblichen Verdächtigen" zeigen, dass dies voll und ganz aufgehen kann und auch Regisseur Greg Marcks gelingt bei seinem Regie-Debüt nach dem Kurzfilm "Lector" ein hervorragender Thriller.
Die Story ist dabei relativ simpel, schlägt den einen oder anderen unverhofften Harken und lockt den Zuschauer auf die eine oder andere falsche Fährte. Tiefgang gibt es dabei nicht einmal ansatzweise, den braucht der kurzweilige Thriller aber auch nicht, zumal das Erzähltempo sehr hoch gehalten wird und eine tiefere Charakterkonstruktion das Ende vorweggenommen hätte. Das Bemerkenswerte an der Story ist dabei, dass sie im Zeitraum von nur wenigen Minuten spielt und, dass dieselbe Handlung aus der Sicht von fünf Figuren erzählt wird.
Aus dieser simplen Handlung macht Greg Marcks mit seinem, jeweils auf eine der Figuren zentrierten Erzählstil, womit er dieselbe Geschichte mehrfach erzählt ein riesengroßes Puzzle, dass auch der Polizist im Film zu lösen hat. Mit jeder neuen Erzählung fügt sich die Story zusammen, man erkennt einen Zusammenhang nach dem anderen, wobei einige Zusammenhänge bis zum Schluss offen bleiben. Dabei fordert der Film durchaus die Aufmerksamkeit des Zuschauers, da man bei dem schnellen Erzählstil viele Details erfassen muss, wobei der Unterhaltungswert durch das hohe Tempo steigt. Eine gespannte Atmosphäre kann kaum aufgebaut werden, fesselnd ist der Film mit seinem episodenhaften Erzählstil dennoch, zumal er ohne längere Exposition direkt zur Sache kommt und kontinuierlich unterhält. Darüber hinaus würzt Marcks, der übrigens auch das Drehbuch verfasste, seinen Film mit ein paar kleineren Action-Szenen und dem einen oder anderen amüsanten und bizarren Moment.
Bei der kurzen Laufzeit, der nicht vorhandenen Charakterkonstruktion und dem schnellen Erzähltempo haben die Darsteller allesamt leichtes Spiel und nutzen die Chance, um sich zu empfehlen. Oscar-Preisträgerin Hilary Swank ist dabei mal wieder einsame Klasse und bringt die beste Leistung, wie immer in einem relativ sympathischen und mitleidserregenden Part, mit dem sie später mit "Million Dollar Babie" zu einer der gefragtesten Darstellerinnen der Welt aufstieg. Patrick Swayze spielt solide und damit immerhin besser als gewohnt. Die übrigen Darsteller können ebenfalls überzeugen, wobei vor allem Rachael Leigh Cook als durchtreibener Teenager eine gute Figur macht und auch optisch einiges hergibt.
Fazit:
Autor und Regisseur Greg Marcks kreiert ein kleines Puzzle um mehrere tragische Unfälle und menschliche Schicksale, die zu einem bestimmten Zeitpunkt zufällig überlappen. Er erzählt die Geschichte aus mehreren Perspektiven und bringt nach und nach Licht ins Dunkel und fordert den Zuschauer dabei zum kombinieren und zum herstellen der Zusammenhänge auf, womit er einen innovativen und sehenswerten Thriller abliefert, der darüber hinaus mit einem bisschen Action, einem Hauch Humor und mit guten Darstellern rundum überzeugen kann.
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