Im Gebirge gelten andere Regeln - diesen Grundsatz will der erfolgreiche Unternehmer Mircea Jianu (Adrian Titieni) schlichtweg nicht anerkennen, als er eines Tages unvermittelt ins Bucegi-Gebirge am östlichen Rand der Südkarpaten fahren muß, da sein Sohn aus erster Ehe dort vermisst wird. Obwohl längst von der leiblichen Mutter Paula (Elena Purea) geschieden, möchte sich der Patriarch nichts nachsagen lassen und seinen ihm entfremdeten pubertierenden Filius dort "rausholen" - zumindest stellt er sich dies so einfach vor, als er mit seiner neuen, deutlich jüngeren und noch dazu hochschwangeren Angetrauten Alina (Judith State) vor Ort eintrifft. Daß die Bergwacht mit mehreren erfahrenen Bergführern bereits vergeblich nach dem vermissten Paar gesucht hat, empfindet er schlicht als Obstruktion: dann muß man halt nochmals suchen, noch mehr Leute raufschicken, zur Not auch nachts auf den Berg und am Geld solls auch nicht scheitern, wenns daran liegen sollte. Und selbstverständlich werde er höchstpersönlich (inklusive Entourage) auch an der Suche teilnehmen, so poltert der befehlsgewohnte Jianu, der damit auch seine anwesende ex-Frau beschwichtigen will, die ihm - nonverbal - eine Teilschuld an der ganzen Sache gibt.
Doch das forsche Vorgehen erfährt schnell einen ersten Rückschlag, denn als sich der Leiter der Bergwacht eher unwillig und entgegen all seiner Erfahrung noch einmal mit einem Trupp auf den Weg macht, stellt sich schon nach kurzer Zeit ein erheblicher Konditionsmangel des reichen Städters heraus, der diesen schließlich umkehren läßt. Aber so schnell gibt Jianu natürlich nicht auf, und schon bald tauchen mehrere schwarze Vans im Wintersportort auf - Soldaten vom rumänischen Geheimdienst errichten dort mehrere große Zelte, in denen ein wenig konspirativ und abgeschirmt modernste Technik zum Einsatz kommt. Wenn die Bergwacht ihre Arbeit nicht ordentlich auszuführen vermag, dann muß eben das Militär das Problem lösen, so der Gedankengang des Unternehmers, der seinen Sohn um jeden Preis retten will. Und tatsächlich gelingt mittels - auch in Rumänien verbotenem - Abhören des Handys des Sohns dessen Lokalisierung: er hatte sich mit einer Freundin am Berg Jepi verlaufen, so die letzte aufgezeichnete Nachricht. Zwar sind die Akkus der beiden Handies längst leer, aber das Suchgebiet läßt sich mittels moderner Triangulationsverfahren schließlich auf unter 100 qm eingrenzen - und schon steigt ein Helikopter mit gebirgserprobten Soldaten auf, Jianu wähnt sich am Ziel...
Das halsstarrige Verhalten erfolgsgewohnter Männer mittleren Alters, welches Regisseur Daniel Sandu in der rumänischen Produktion Tata muta muntii beschreibt, ist weder außergewöhnlich noch sonderlich spannend, und im Falle seines Hauptdarstellers Jianu kommt erschwerend auch noch dessen durch die Bank unsympathisches Auftreten hinzu - schlechte Voraussetzungen also für einen Film, von dem man von Titel und Setting her eigentlich eine spannende Bergrettung erwartet. Dennoch ist The Father Who Moves Mountains ein durchaus sehenswertes Drama geworden, in welchem ein ungenießbarer Machtmensch seine hochgesteckten Ziele Stück für Stück zurückschrauben muß.
Dazu tragen auch die durchaus ambivalenten Nebencharaktäre bei, hier vor allem die bigotte Ex-Frau Paula, die statt auf moderne Technik zu setzen lieber auf den Rosenkranz vertraut und ständig in der Kirche betet. Später wird sie den ebenfalls anwesenden und genauso bangenden und niedergeschlagenen Eltern der Freundin des Sohnes allen Ernstes vorwerfen, daß deren Tochter an diesem Unglück schuld sei. Der schwangeren Alina dagegen gelingt es in einem kurzen Augenblick, Jianu eine gute Tat abzutrotzen, als beide zufällig von einer weiteren Vermissten hören und sie ihn zu einer (erfolgreichen) Hilfeleistung überreden kann. Auch die Militärs, aufgrund einer Gefälligkeit unter einflußreichen Männern tätig, die den Unternehmer zielgenau ins Lawinengebiet geleitet hatten, müssen irgendwann ihre Zelte wieder einpacken, während Jianu keinen Millimeter von seinem Vorhaben, seinen Sohn zu finden, abrücken will.
Ein Vater gegen das Gebirge, eigentlich gegen die ganze Welt, so könnte man das Drama, das erstaunlicherweise ohne Schimpfworte, ohne Drohungen oder Prügeleien auskommt, am treffendsten umschreiben. Doch wird all das eingesetzte Vermögen, die guten Verbindungen nach "ganz oben" und der unerschütterliche Wille am Ende ausreichen?
The Father Who Moves Mountains - ein Film, der auf große Schauwerte verzichtet, ganz auf das wenig sympathische Wesen des Protagonisten abgestimmt ist und am Ende sogar ein wenig zum Nachdenken anregt: 6 Punkte.